Sunitinib

Evidenzniveau: L2 Vorhergesagte Indikationen: 5

Inhaltsverzeichnis

  1. Sunitinib
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Sunitinib: Von GIST, Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zum Liposarkom
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Sunitinib: Von GIST, Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zum Liposarkom

Zusammenfassung

Sunitinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Liposarkom wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Phase-2-Studien und 9 Publikationen vor, davon eine veröffentlichte Phase-2-Studie. Die Wirksamkeit gilt als begrenzt und von der Histologie abhängig.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren
Vorhergesagte neue Indikation Liposarkom
TxGNN-Vorhersagewert 0,9987
Evidenzgrad L2
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach den vorhandenen Informationen hemmt Sunitinib die Rezeptortyrosinkinasen VEGFR, PDGFR und KIT. Dadurch kann es die Angiogenese und Wachstumssignale in Weichteilsarkomen beeinflussen.

Seine Wirksamkeit bei GIST und Nierenzellkarzinom, beides Tumoren mit starker Abhängigkeit von diesen Signalwegen, ist belegt. Mechanistisch ist eine Übertragung auf Weichteilsarkome einschließlich Liposarkom daher denkbar. Die Evidenz zeigt jedoch, dass die Wirkung bei Liposarkom eher begrenzt und histologieabhängig ist. Es handelt sich daher um eine Forschungsfrage und nicht um eine etablierte Therapieoption.


Klinische Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT00474994 Phase 2 Abgeschlossen 53 Kontinuierliche Sunitinib-Gabe bei Nicht-GIST-Sarkomen (metastasiert, lokal fortgeschritten oder rezidiviert); Liposarkom ist unter den eingeschlossenen Histologien, Kohorte klein und gemischt
NCT00400569 Phase 2 Abgeschlossen 48 Offene Studie bei metastasierten bzw. nicht resezierbaren Weichteilsarkomen (u. a. Liposarkom, Leiomyosarkom); liposarkomspezifische Daten begrenzt

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Zeitschrift Zentrale Ergebnisse
21154746 2011 Phase-2-Studie Int J Cancer Sunitinib bei rezidivierten/refraktären Weichteilsarkomen mit Fokus auf Leiomyosarkom, Liposarkom und malignes fibröses Histiozytom
24555529 2014 Review Expert Rev Anticancer Ther Neue Therapieansätze bei Weichteilsarkomen im Erwachsenenalter
24712007 2014 Review Magy Onkol Medikamentöse Therapie von Weichteilsarkomen nach histologischem Subtyp
22987955 2012 Review Ann Oncol Histologiegesteuerte Therapie; Trabectedin besonders wirksam bei myxoidem Liposarkom
38254762 2024 Review/Molekulares Profiling Cancers Genetische, epigenetische und Transkriptom-Veränderungen beim Liposarkom zur Auswahl zielgerichteter Therapien
23482782 2013 Fallbericht Anticancer Res Langanhaltender klinischer Nutzen von Sunitinib bei einem stark vorbehandelten metastasierten Liposarkom

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000687 Sutent (Pfizer Limited) – Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren
EMEA/H/C/005419 Sunitinib Accord (Accord Healthcare S.L.U.) – Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren

Das Arzneimittel ist im Handel; beide Zulassungen (2 von 2) sind gültig.


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Klassifikation Zielgerichtete Therapie (Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenität Bitte die Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Schilddrüsenfunktion, Herzfunktion/Blutdruck (abgeleitet aus den Sicherheitssignalen)
Handhabungsschutz Bitte die Fachinformation und die Vorschriften zum Umgang mit Zytostatika bzw. antineoplastischen Wirkstoffen beachten

Sicherheitsaspekte

  • Mögliche Kontraindikationen laut Wissensgraph (aus Wirkstoff-Erkrankungs-Beziehungen, nicht aus dem Fachinformationstext): Long-QT-Syndrom und Torsades de pointes, Leberversagen, Lebererkrankungen und arzneimittelinduzierte Leberschädigung, Herzinsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen (Hypo- und Hyperthyreose), Nebenniereninsuffizienz, Thrombozytopenie, Anämie, Hyperbilirubinämie, Epilepsie, Pankreatitis, posteriores Leukenzephalopathie-Syndrom, Gallenblasenerkrankungen sowie Kaliummangel.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) ist Dolasetron aufgeführt. Mäßige Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit Clarithromycin, Dexamethasone, Famotidin, Loperamid, Palonosetron, Insulinen, Glimepirid und Chlorpropamid sowie mit Abführmitteln (Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Natriumsulfat, Polyethylenglykol).

Zusätzlich sollten die Warnhinweise und Kontraindikationen der Fachinformation geprüft werden.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die zwei abgeschlossenen Phase-2-Studien und die publizierte Phase-2-Studie liefern nur direkte, aber bescheidene Evidenz. Die Wirksamkeit beim Liposarkom erscheint begrenzt und histologieabhängig. Zudem ist das Arzneimittel in Deutschland im Handel (2 von 2 Zulassungen gültig), doch die Daten der Fachinformation fehlen noch, sodass eine Sicherheitsprüfung nicht abgeschlossen werden kann.

Für das weitere Vorgehen ist Folgendes erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise und Kontraindikationen) des BfArM bzw. der EMA beschaffen und auswerten, da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank) ergänzen
  • Liposarkomspezifische Auswertung der vorhandenen Phase-2-Studien (Ansprechraten, progressionsfreies Überleben nach Subtyp)
  • Prüfung der Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten Optionen wie Trabectedin bei bestimmten Liposarkom-Subtypen
  • Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses unter Berücksichtigung kardialer und hepatischer Risiken

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.