Sunitinib
| Evidenzniveau: L2 | Vorhergesagte Indikationen: 5 |
Inhaltsverzeichnis
- Sunitinib
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Sunitinib: Von GIST, Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zum Liposarkom
- Zusammenfassung
- Kurzüberblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Klinische Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Zytotoxizität
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Sunitinib: Von GIST, Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zum Liposarkom
Zusammenfassung
Sunitinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), Nierenzellkarzinom und neuroendokrinen Tumoren zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Liposarkom wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Phase-2-Studien und 9 Publikationen vor, davon eine veröffentlichte Phase-2-Studie. Die Wirksamkeit gilt als begrenzt und von der Histologie abhängig.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren |
| Vorhergesagte neue Indikation | Liposarkom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9987 |
| Evidenzgrad | L2 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2) |
| Anzahl der Zulassungen | 2 (gültig: 2) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für diesen Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach den vorhandenen Informationen hemmt Sunitinib die Rezeptortyrosinkinasen VEGFR, PDGFR und KIT. Dadurch kann es die Angiogenese und Wachstumssignale in Weichteilsarkomen beeinflussen.
Seine Wirksamkeit bei GIST und Nierenzellkarzinom, beides Tumoren mit starker Abhängigkeit von diesen Signalwegen, ist belegt. Mechanistisch ist eine Übertragung auf Weichteilsarkome einschließlich Liposarkom daher denkbar. Die Evidenz zeigt jedoch, dass die Wirkung bei Liposarkom eher begrenzt und histologieabhängig ist. Es handelt sich daher um eine Forschungsfrage und nicht um eine etablierte Therapieoption.
Klinische Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT00474994 | Phase 2 | Abgeschlossen | 53 | Kontinuierliche Sunitinib-Gabe bei Nicht-GIST-Sarkomen (metastasiert, lokal fortgeschritten oder rezidiviert); Liposarkom ist unter den eingeschlossenen Histologien, Kohorte klein und gemischt |
| NCT00400569 | Phase 2 | Abgeschlossen | 48 | Offene Studie bei metastasierten bzw. nicht resezierbaren Weichteilsarkomen (u. a. Liposarkom, Leiomyosarkom); liposarkomspezifische Daten begrenzt |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 21154746 | 2011 | Phase-2-Studie | Int J Cancer | Sunitinib bei rezidivierten/refraktären Weichteilsarkomen mit Fokus auf Leiomyosarkom, Liposarkom und malignes fibröses Histiozytom |
| 24555529 | 2014 | Review | Expert Rev Anticancer Ther | Neue Therapieansätze bei Weichteilsarkomen im Erwachsenenalter |
| 24712007 | 2014 | Review | Magy Onkol | Medikamentöse Therapie von Weichteilsarkomen nach histologischem Subtyp |
| 22987955 | 2012 | Review | Ann Oncol | Histologiegesteuerte Therapie; Trabectedin besonders wirksam bei myxoidem Liposarkom |
| 38254762 | 2024 | Review/Molekulares Profiling | Cancers | Genetische, epigenetische und Transkriptom-Veränderungen beim Liposarkom zur Auswahl zielgerichteter Therapien |
| 23482782 | 2013 | Fallbericht | Anticancer Res | Langanhaltender klinischer Nutzen von Sunitinib bei einem stark vorbehandelten metastasierten Liposarkom |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000687 | Sutent (Pfizer Limited) | – | Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren |
| EMEA/H/C/005419 | Sunitinib Accord (Accord Healthcare S.L.U.) | – | Gastrointestinale Stromatumoren; Nierenzellkarzinom; neuroendokrine Tumoren |
Das Arzneimittel ist im Handel; beide Zulassungen (2 von 2) sind gültig.
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Klassifikation | Zielgerichtete Therapie (Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor) |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenität | Bitte die Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Schilddrüsenfunktion, Herzfunktion/Blutdruck (abgeleitet aus den Sicherheitssignalen) |
| Handhabungsschutz | Bitte die Fachinformation und die Vorschriften zum Umgang mit Zytostatika bzw. antineoplastischen Wirkstoffen beachten |
Sicherheitsaspekte
- Mögliche Kontraindikationen laut Wissensgraph (aus Wirkstoff-Erkrankungs-Beziehungen, nicht aus dem Fachinformationstext): Long-QT-Syndrom und Torsades de pointes, Leberversagen, Lebererkrankungen und arzneimittelinduzierte Leberschädigung, Herzinsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen (Hypo- und Hyperthyreose), Nebenniereninsuffizienz, Thrombozytopenie, Anämie, Hyperbilirubinämie, Epilepsie, Pankreatitis, posteriores Leukenzephalopathie-Syndrom, Gallenblasenerkrankungen sowie Kaliummangel.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) ist Dolasetron aufgeführt. Mäßige Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit Clarithromycin, Dexamethasone, Famotidin, Loperamid, Palonosetron, Insulinen, Glimepirid und Chlorpropamid sowie mit Abführmitteln (Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Natriumsulfat, Polyethylenglykol).
Zusätzlich sollten die Warnhinweise und Kontraindikationen der Fachinformation geprüft werden.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die zwei abgeschlossenen Phase-2-Studien und die publizierte Phase-2-Studie liefern nur direkte, aber bescheidene Evidenz. Die Wirksamkeit beim Liposarkom erscheint begrenzt und histologieabhängig. Zudem ist das Arzneimittel in Deutschland im Handel (2 von 2 Zulassungen gültig), doch die Daten der Fachinformation fehlen noch, sodass eine Sicherheitsprüfung nicht abgeschlossen werden kann.
Für das weitere Vorgehen ist Folgendes erforderlich:
- Fachinformation (Warnhinweise und Kontraindikationen) des BfArM bzw. der EMA beschaffen und auswerten, da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
- Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank) ergänzen
- Liposarkomspezifische Auswertung der vorhandenen Phase-2-Studien (Ansprechraten, progressionsfreies Überleben nach Subtyp)
- Prüfung der Wirksamkeit im Vergleich zu etablierten Optionen wie Trabectedin bei bestimmten Liposarkom-Subtypen
- Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses unter Berücksichtigung kardialer und hepatischer Risiken
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.