Telmisartan
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 9 |
Inhaltsverzeichnis
- Telmisartan
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Telmisartan: Von Hypertonie zu Prinzmetal-Angina
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Telmisartan: Von Hypertonie zu Prinzmetal-Angina
Zusammenfassung
Telmisartan ist ein Angiotensin-Rezeptorblocker, der ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Prinzmetal-Angina wirksam sein könnte, allerdings liegen dazu keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die Vorhersage beruht daher ausschließlich auf dem Modell (Evidenzstufe L5).
Hinweis: Unter den weiteren vorhergesagten Indikationen hat zerebrale Arterienokklusion (Rang 4, L4) und intrazerebrale Blutung (Rang 9, L1, aber nur als Kombinationstherapie) deutlich mehr Evidenz. Sie werden unten ergänzend dargestellt.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hypertonie |
| Vorhergesagte neue Indikation | Prinzmetal-Angina |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9998 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 8 von 12) |
| Anzahl der Zulassungen | 12 (gültig: 8) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Zurückstellen) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Telmisartan den Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT1) blockiert und zusätzlich als partieller Agonist des PPARγ-Rezeptors wirkt. Seine Wirksamkeit bei Hypertonie ist belegt.
Für die Prinzmetal-Angina, die durch Gefäßspasmen der Koronararterien ausgelöst wird, wäre ein Zusammenhang über die Modulation des Gefäßtonus (AT1-Blockade) und endotheliale PPARγ-Effekte denkbar. Dies ist jedoch spekulativ und durch die vorliegenden Daten nicht gestützt.
Evidenz aus klinischen Studien
Für Prinzmetal-Angina: Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Ergänzend: Studien zu Indikationen mit mehr Evidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT02699645 | Phase 3 | Abgeschlossen | 1671 | TRIDENT: Einzelpille mit drei niedrig dosierten Blutdrucksenkern (inkl. Telmisartan) zur Sekundärprävention nach intrazerebraler Blutung; Effekt nicht auf Telmisartan allein zurückführbar |
| NCT01075698 | Phase 4 | Abgeschlossen | 1228 | Telmisartan zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei Hochrisiko-Hypertonikern (offene PROBE-Studie) |
| NCT03783754 | Nicht zutreffend | Abgebrochen | 4 | TRIDENT-MRT-Teilstudie; zu klein für Wirksamkeitsaussagen |
| NCT03785067 | Phase 3 | Abgebrochen | 1 | TRIDENT-Kognitions-Teilstudie; keine verwertbaren Daten |
Evidenz aus der Literatur
Für Prinzmetal-Angina: Derzeit ist keine zugehörige Literatur verfügbar.
Ergänzend: Auswahl zu zerebraler Arterienokklusion und intrazerebraler Blutung
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 42019018 | 2026 | RCT | N Engl J Med | Dreifach-Einzelpille mit niedrig dosierten Blutdrucksenkern nach intrazerebraler Blutung (TRIDENT) |
| 34994269 | 2022 | Studienprotokoll | Int J Stroke | Rationale und Design von TRIDENT |
| 19604102 | 2009 | Tierstudie | J Neurotrauma | Telmisartan verringert Infarktvolumen im Schlaganfallmodell der Ratte |
| 21901125 | 2011 | Tierstudie | PLoS One | Telmisartan, Ramipril und Kombination in Schlaganfallmodellen der Ratte |
| 32992165 | 2020 | Tierstudie | J Stroke Cerebrovasc Dis | PPARγ-Aktivierung durch Telmisartan hemmt Egr-1 und schützt vor Hirnschäden |
| 24650592 | 2014 | Tierstudie | Pharmacol Biochem Behav | Synergistische neuroprotektive Wirkung von Telmisartan und Nimodipin |
| 17538008 | 2007 | Tierstudie | J Pharmacol Exp Ther | AT1-Blockade mit Telmisartan verringert Apoptose und Entzündung bei intrazerebraler Blutung |
| 27078703 | 2016 | Tierstudie | Neurol Res | Telmisartan mildert oxidativen Stress und Vasospasmus nach Subarachnoidalblutung |
Die Literatur zur zerebralen Arterienokklusion besteht überwiegend aus Tierdaten und ist daher nur indirekt aussagekräftig.
Marktinformationen Deutschland
Das Arzneimittel ist im Handel. Es handelt sich um zentrale EU-Zulassungen (EMEA). Auswahl:
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000209 | Micardis | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000210 | Pritor | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000211 | Kinzalmono | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/001224 | Twynsta | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/002676 | Actelsar HCT | – | Essentielle Hypertonie |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen laut Wissensgraph (TxGNN/PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Leberversagen, Nierenerkrankung, Anurie, Pankreatitis, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Cholestase, systemischer Lupus erythematodes, Kaliummangel, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hypotonie, Hyperparathyreoidismus, Gicht, Hyperkalzämie, Nephrokalzinose, Verschluss der Nierenarterie, hepatische Enzephalopathie u. a.
- Arzneimittelwechselwirkungen (100 erfasst): Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Kaliumcitrat und Kaliumbikarbonat (Risiko einer Hyperkaliämie). Als mäßig (Moderate) eingestuft sind u. a. Kortikosteroide (Hydrocortison, Dexamethason, Betamethason, Budesonid, Triamcinolon), Acetylsalicylsäure, Morphin, Bupropion, SGLT2-Hemmer (Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin), Exenatid, Insuline, Dronabinol sowie Abführmittel/Darmspüllösungen.
- Für die Vorhersage „maligne renovaskuläre Hypertonie" besteht zusätzlich ein Sicherheitsbedenken (ARB-Risiko bei beidseitiger Nierenarterienstenose).
Bitte die Packungsbeilage für vollständige Warnhinweise und Kontraindikationen heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold (Zurückstellen)
Begründung:
- Für Prinzmetal-Angina existiert ausschließlich eine Modellvorhersage ohne Studien oder Publikationen (L5). Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.
- Die aussichtsreicheren Kandidaten sind zerebrale Arterienokklusion (L4, überwiegend präklinisch) und intrazerebrale Blutung (TRIDENT-Phase-3-Studie, aber Kombinationstherapie, Beitrag von Telmisartan nicht isolierbar).
Für ein Fortschreiten sind erforderlich:
- Wirkmechanismus-Daten (MOA) aus DrugBank
- Warnhinweise und Kontraindikationen aus der BfArM-Packungsbeilage (derzeit blockierende Datenlücke für das Sicherheits-Screening)
- Für Prinzmetal-Angina: Literaturrecherche und ggf. präklinische oder kleine klinische Studien zu Koronarspasmen
- Für intrazerebrale Blutung: Auswertung der TRIDENT-Ergebnisse hinsichtlich des Telmisartan-Beitrags
- Klärung des Zulassungsstatus (erloschene Zulassungen) und der Darreichungsformen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.