Temozolomide

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Temozolomide
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Temozolomid: Von Gliom zu Neoplasie der Cauda equina
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Literaturevidenz
    7. Marktinformationen Deutschland
    8. Zytotoxizität
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Temozolomid: Von Gliom zu Neoplasie der Cauda equina

Zusammenfassung in einem Satz

Temozolomid ist ein oral einnehmbares alkylierendes Zytostatikum, das ursprünglich zur Behandlung von Gliomen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei einer Neoplasie der Cauda equina wirksam sein könnte. Hierzu liegen derzeit keine registrierten klinischen Studien und 3 Publikationen (ausschließlich Fallberichte) vor, von denen nur eine die Erkrankung direkt betrifft.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Gliom
Vorhergesagte neue Indikation Neoplasie der Cauda equina
TxGNN-Vorhersagewert 0,9930
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 5 von 5)
Anzahl der Zulassungen 5 (gültig: 5)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Temozolomid ist ein oral verfügbares alkylierendes Mittel. Es methyliert die DNA (an O6-Guanin, N7-Guanin und N3-Adenin), wodurch zytotoxische Schäden und Apoptose entstehen. Besonders wirksam ist dies in Tumoren mit geringer MGMT-Expression (MGMT-Promotor-Methylierung). Die Substanz überwindet die Blut-Hirn-Schranke und ist bei Gliomen, einem Tumor des zentralen Nervensystems (ZNS), etabliert. Die in den Daten hinterlegte ursprüngliche Wirkmechanismus-Angabe fehlt; die obige Beschreibung stammt aus der mechanistischen Begründung der Vorhersage.

Neoplasien der Cauda equina sind überwiegend myxopapilläre Ependymome, also glial abgeleitete ZNS-Tumoren. Die gemeinsame Biologie glialer ZNS-Tumoren liefert eine plausible Begründung. Der MGMT-Status von Cauda-equina-Tumoren ist in den vorliegenden Daten jedoch nicht dokumentiert. Der sehr hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg.


Literaturevidenz

Es sind keine klinischen Studien registriert. Die Literatur besteht ausschließlich aus Fallberichten:

PMID Jahr Typ Zeitschrift Kernaussagen
29270703 2018 Fallbericht European Spine Journal Bemerkenswertes Ansprechen auf Temozolomid bei einem mehrfach rezidivierten spinalen myxopapillären Ependymom mit Liquor-Aussaat; mit Literaturübersicht
42760727 2026 Fallbericht Medicine Nasales NUT-Karzinom mit wiederholtem Ansprechen unter multimodaler Therapie inkl. Strahlentherapie; kein direkter Bezug zur Cauda equina
18706663 2009 Fallbericht Neuro-Chirurgie Atypische neuromeningeale Kryptokokkose bei einem Kind mit Ponsgliom unter Behandlung; kein Wirksamkeitsnachweis für die vorhergesagte Indikation

Hinweis zur Einordnung: Der Fallbericht von 2018 betrifft ein spinales myxopapilläres Ependymom, das typischerweise im Bereich des Filum terminale auftritt. Er ist ein Einzelfall und nicht mit einer kontrollierten Studie vergleichbar. Er untersucht die vorhergesagte Erkrankung „Neoplasie der Cauda equina“ nicht ausdrücklich als solche, sodass das Evidenzlevel konservativ mit L5 eingestuft wird.


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000229 Temodal (Merck Sharp & Dohme B.V.) – Gliom
EMEA/H/C/001124 Temomedac (medac) – Gliom
EMEA/H/C/001125 Temozolomide Accord (Accord Healthcare) – Gliom
EMEA/H/C/001126 Temozolomide Teva (Teva B.V.) – Gliom
EMEA/H/C/002198 Temozolomide Sun (Sun Pharmaceutical) – Gliom

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Klassisches Zytostatikum (alkylierendes Mittel, Imidazotetrazin-Klasse)
Myelosuppressionsrisiko Relevant. Im Wissensgraphen sind Neutropenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, aplastische Anämie und Agranulozytose als Kontraindikationsbeziehungen verzeichnet
Emetogenität Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Blutbild (mit Differenzialblutbild), Leber- und Nierenfunktion
Handhabungsschutz Vorschriften für den Umgang mit zytotoxischen Arzneimitteln beachten

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationsbeziehungen im Wissensgraphen (keine Angaben aus der Fachinformation): Leberversagen, Thrombozytopenie, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie, makrozytäre Anämie, Pneumocystose, Panzytopenie, Lymphopenie, myelodysplastisches Syndrom, idiopathische aplastische Anämie und aplastische Anämie.

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Davon sind unter den aufgeführten:

  • Moderat: Naltrexon
  • Gering: Levofloxacin
  • Schweregrad unbekannt: u. a. Calcitriol, Pantoprazol, Omeprazol, Lansoprazol, Doxycyclin, Clotrimazol, Morphin, Metformin, Prednison, Hydrocortison, Amphotericin B

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen der Fachinformation siehe die Packungsbeilage bzw. Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich auf einen hohen Modellwert und eine plausible gemeinsame Biologie glialer ZNS-Tumoren. Klinisch gibt es jedoch nur Fallberichte, keine registrierten Studien. Zudem fehlen die Fachinformations-Sicherheitsdaten, und die Beziehung zwischen Temozolomid und Myelosuppression ist relevant.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Fachinformation (BfArM/EMA) mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen auswerten
  • Mechanistische Daten (Wirkmechanismus aus DrugBank) ergänzen
  • MGMT-Status bei Cauda-equina-Tumoren (v. a. myxopapilläre Ependymome) untersuchen
  • Systematische Literaturrecherche und Fallserien bzw. prospektive Studien zu Temozolomid bei spinalen Ependymomen
  • Überwachungsplan für Blutbild und Wechselwirkungen erstellen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.