Temsirolimus
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
Temsirolimus: Liposarkom (liposarcoma)
Zusammenfassung
Temsirolimus ist ein mTOR-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms und des Mantelzell-Lymphoms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Liposarkom wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Studien (beide nicht liposarkomspezifisch) und 1 Publikation (Übersichtsarbeit) vor.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Carcinoma, Renal Cell;Lymphoma, Mantle-Cell |
| Vorhergesagte neue Indikation | Liposarkom (liposarcoma) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9954 |
| Evidenzstufe | L5 (laut Datenbasis; siehe Hinweis unten) |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Hinweis zur Evidenzstufe: In den für diesen Bericht zusammengestellten Daten ist L2 vergeben. Die beiden Studien sind jedoch nicht liposarkomspezifisch (Phase I/II bzw. Phase II, Kombinationstherapien, kleine Fallzahlen). Es gibt keine abgeschlossene, auf Liposarkom bezogene Phase-2/3-RCT. Streng nach den Regeln wäre die Evidenz für diese Indikation eher als schwach einzustufen (nahe L4/L5). Deshalb lautet die Empfehlung Hold.
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Wirkmechanismusdaten (MOA) liegen derzeit nicht vor. Temsirolimus gehört jedoch zur Klasse der mTOR-Inhibitoren: Es bindet an FKBP12 und hemmt dadurch mTORC1. Dies ist eine Einordnung aus allgemeinem Wissen über die Wirkstoffklasse, nicht aus den kompilierten Daten.
Der PI3K/AKT/mTOR-Signalweg ist in Weichteilsarkomen häufig aktiviert, einschließlich des Liposarkoms. Besonders gut differenzierte und entdifferenzierte Subtypen mit MDM2/CDK4-Amplifikation zeigen eine Abhängigkeit von diesem Signalweg. Eine mTOR-Hemmung ist daher biologisch nachvollziehbar, und der hohe TxGNN-Wert passt dazu.
Der Wert ist allerdings eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg. Die ursprünglichen Indikationen (Nierenzellkarzinom, Mantelzell-Lymphom) betreffen andere Tumorentitäten. Die Übertragbarkeit beruht allein auf dem gemeinsamen Signalweg.
Weitere vorhergesagte Indikationen sind das ovarielle myxoide Liposarkom (0.9947) und das Vulvasarkom (0.9909). Für beide gibt es keine Studien oder Publikationen. Beim myxoiden Liposarkom ist zudem die mTOR-Abhängigkeit weniger gut belegt, da es typischerweise durch die FUS-DDIT3-Fusion getrieben wird.
Klinische Studienevidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT00949325 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 24 | Temsirolimus plus liposomales Doxorubicin bei fortgeschrittenen Weichteil- und Knochensarkomen. Ziel war ein sicheres Dosierschema, sekundär die Wirksamkeit. Nicht liposarkomspezifisch, kleine Fallzahl. |
| NCT01614795 | Phase 2 | Abgeschlossen | 46 | Cixutumumab (IGF-1R-Antikörper) plus Temsirolimus bei pädiatrischen Patienten mit rezidivierten/refraktären Sarkomen bzw. soliden Tumoren. Übertragbarkeit auf erwachsene Liposarkom-Patienten indirekt, Beitrag von Temsirolimus nicht isolierbar. |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 20497911 | 2010 | Übersichtsarbeit | Bulletin du cancer | Zielgerichtete Therapien bei seltenen Bindegewebstumoren und Sarkomen, gegliedert nach sechs molekularen Subgruppen. Keine spezifischen Daten zu Temsirolimus bei Liposarkom im vorliegenden Auszug. |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000799 | Torisel (Pfizer Europe MA EEIG) | – | Nierenzellkarzinom; Mantelzell-Lymphom |
Diese Zulassung ist gültig. Es gibt derzeit 1 gültige Zulassung (von 1).
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Zytotoxizitätsklassifikation | Zielgerichtete Therapie (mTOR-Inhibitor), kein klassisches Zytostatikum |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenität | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Schutzmaßnahmen beim Umgang | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
Die Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) konnte nicht ausgewertet werden. Bitte die Fachinformation zur Sicherheit konsultieren.
Hinweise aus dem Wissensgraphen (keine Etikettenangaben): Im TxGNN-Wissensgraphen (PrimeKG) sind Kontraindikationsverbindungen zu folgenden Krankheitsgruppen hinterlegt:
- Nieren- und Lebererkrankungen sowie Gallenblasenerkrankungen
- Hyperglykämie, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose
- Hyperlipidämie (einschließlich familiärer Form)
- Schlaganfall, zerebrovaskuläre Erkrankungen, Hirninfarkt
- Hyperbilirubinämie (einschließlich Gilbert-Syndrom)
- Interstitielle Lungenerkrankung
- Hirntumoren (z. B. Astrozytome, Glioblastom, Oligodendrogliom)
Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen. Beispiele:
- Schwerwiegend (Major): Amphotericin B (auch Lipidkomplex), Dexamethason, Clarithromycin
- Moderat: u. a. Antidiabetika (Acarbose, Metformin, Pioglitazon, Alogliptin, Canagliflozin, Dapagliflozin, Chlorpropamid, Albiglutid), Kortikosteroide (Hydrocortison, Triamcinolon, Betamethason, Budesonid), Aprepitant, Cimetidin, Mesalazin, Balsalazid
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Der mTOR-Signalweg ist in Liposarkomen biologisch plausibel, und der TxGNN-Wert ist hoch. Die klinische Evidenz ist jedoch indirekt (nicht liposarkomspezifische Kombinationsstudien mit kleinen Fallzahlen), die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen (blockierende Datenlücke), und in Deutschland ist das Arzneimittel im Handel (1 gültige Zulassung von 1).
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) vom BfArM beschaffen und auswerten, um das Sicherheits-Screening abzuschließen
- Wirkmechanismusdaten (MOA) aus DrugBank ergänzen
- Liposarkomspezifische Daten identifizieren (Subgruppenanalysen der Sarkomstudien, ggf. Phase-2-Studien nach Subtyp)
- Prüfen der Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen und der schwerwiegenden Wechselwirkungen (insbesondere CYP3A4-relevante Substanzen wie Clarithromycin) für die Zielpopulation
- Die Vorhersagen zum ovariellen myxoiden Liposarkom und zum Vulvasarkom nur als Hypothesen betrachten, solange keine Studien oder Publikationen vorliegen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.