Temsirolimus

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Temsirolimus
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Temsirolimus: Liposarkom (liposarcoma)
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studienevidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Temsirolimus: Liposarkom (liposarcoma)

Zusammenfassung

Temsirolimus ist ein mTOR-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms und des Mantelzell-Lymphoms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Liposarkom wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Studien (beide nicht liposarkomspezifisch) und 1 Publikation (Übersichtsarbeit) vor.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Carcinoma, Renal Cell;Lymphoma, Mantle-Cell
Vorhergesagte neue Indikation Liposarkom (liposarcoma)
TxGNN-Vorhersagewert 0.9954
Evidenzstufe L5 (laut Datenbasis; siehe Hinweis unten)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Hinweis zur Evidenzstufe: In den für diesen Bericht zusammengestellten Daten ist L2 vergeben. Die beiden Studien sind jedoch nicht liposarkomspezifisch (Phase I/II bzw. Phase II, Kombinationstherapien, kleine Fallzahlen). Es gibt keine abgeschlossene, auf Liposarkom bezogene Phase-2/3-RCT. Streng nach den Regeln wäre die Evidenz für diese Indikation eher als schwach einzustufen (nahe L4/L5). Deshalb lautet die Empfehlung Hold.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Wirkmechanismusdaten (MOA) liegen derzeit nicht vor. Temsirolimus gehört jedoch zur Klasse der mTOR-Inhibitoren: Es bindet an FKBP12 und hemmt dadurch mTORC1. Dies ist eine Einordnung aus allgemeinem Wissen über die Wirkstoffklasse, nicht aus den kompilierten Daten.

Der PI3K/AKT/mTOR-Signalweg ist in Weichteilsarkomen häufig aktiviert, einschließlich des Liposarkoms. Besonders gut differenzierte und entdifferenzierte Subtypen mit MDM2/CDK4-Amplifikation zeigen eine Abhängigkeit von diesem Signalweg. Eine mTOR-Hemmung ist daher biologisch nachvollziehbar, und der hohe TxGNN-Wert passt dazu.

Der Wert ist allerdings eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg. Die ursprünglichen Indikationen (Nierenzellkarzinom, Mantelzell-Lymphom) betreffen andere Tumorentitäten. Die Übertragbarkeit beruht allein auf dem gemeinsamen Signalweg.

Weitere vorhergesagte Indikationen sind das ovarielle myxoide Liposarkom (0.9947) und das Vulvasarkom (0.9909). Für beide gibt es keine Studien oder Publikationen. Beim myxoiden Liposarkom ist zudem die mTOR-Abhängigkeit weniger gut belegt, da es typischerweise durch die FUS-DDIT3-Fusion getrieben wird.


Klinische Studienevidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT00949325 Phase 1/2 Abgeschlossen 24 Temsirolimus plus liposomales Doxorubicin bei fortgeschrittenen Weichteil- und Knochensarkomen. Ziel war ein sicheres Dosierschema, sekundär die Wirksamkeit. Nicht liposarkomspezifisch, kleine Fallzahl.
NCT01614795 Phase 2 Abgeschlossen 46 Cixutumumab (IGF-1R-Antikörper) plus Temsirolimus bei pädiatrischen Patienten mit rezidivierten/refraktären Sarkomen bzw. soliden Tumoren. Übertragbarkeit auf erwachsene Liposarkom-Patienten indirekt, Beitrag von Temsirolimus nicht isolierbar.

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Zeitschrift Zentrale Ergebnisse
20497911 2010 Übersichtsarbeit Bulletin du cancer Zielgerichtete Therapien bei seltenen Bindegewebstumoren und Sarkomen, gegliedert nach sechs molekularen Subgruppen. Keine spezifischen Daten zu Temsirolimus bei Liposarkom im vorliegenden Auszug.

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000799 Torisel (Pfizer Europe MA EEIG) – Nierenzellkarzinom; Mantelzell-Lymphom

Diese Zulassung ist gültig. Es gibt derzeit 1 gültige Zulassung (von 1).


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (mTOR-Inhibitor), kein klassisches Zytostatikum
Myelosuppressionsrisiko Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenität Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Schutzmaßnahmen beim Umgang Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

Die Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) konnte nicht ausgewertet werden. Bitte die Fachinformation zur Sicherheit konsultieren.

Hinweise aus dem Wissensgraphen (keine Etikettenangaben): Im TxGNN-Wissensgraphen (PrimeKG) sind Kontraindikationsverbindungen zu folgenden Krankheitsgruppen hinterlegt:

  • Nieren- und Lebererkrankungen sowie Gallenblasenerkrankungen
  • Hyperglykämie, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose
  • Hyperlipidämie (einschließlich familiärer Form)
  • Schlaganfall, zerebrovaskuläre Erkrankungen, Hirninfarkt
  • Hyperbilirubinämie (einschließlich Gilbert-Syndrom)
  • Interstitielle Lungenerkrankung
  • Hirntumoren (z. B. Astrozytome, Glioblastom, Oligodendrogliom)

Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen. Beispiele:

  • Schwerwiegend (Major): Amphotericin B (auch Lipidkomplex), Dexamethason, Clarithromycin
  • Moderat: u. a. Antidiabetika (Acarbose, Metformin, Pioglitazon, Alogliptin, Canagliflozin, Dapagliflozin, Chlorpropamid, Albiglutid), Kortikosteroide (Hydrocortison, Triamcinolon, Betamethason, Budesonid), Aprepitant, Cimetidin, Mesalazin, Balsalazid

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Der mTOR-Signalweg ist in Liposarkomen biologisch plausibel, und der TxGNN-Wert ist hoch. Die klinische Evidenz ist jedoch indirekt (nicht liposarkomspezifische Kombinationsstudien mit kleinen Fallzahlen), die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen (blockierende Datenlücke), und in Deutschland ist das Arzneimittel im Handel (1 gültige Zulassung von 1).

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) vom BfArM beschaffen und auswerten, um das Sicherheits-Screening abzuschließen
  • Wirkmechanismusdaten (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Liposarkomspezifische Daten identifizieren (Subgruppenanalysen der Sarkomstudien, ggf. Phase-2-Studien nach Subtyp)
  • Prüfen der Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen und der schwerwiegenden Wechselwirkungen (insbesondere CYP3A4-relevante Substanzen wie Clarithromycin) für die Zielpopulation
  • Die Vorhersagen zum ovariellen myxoiden Liposarkom und zum Vulvasarkom nur als Hypothesen betrachten, solange keine Studien oder Publikationen vorliegen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.