Tenofovir Alafenamide
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
- Tenofovir Alafenamide
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Tenofovir Alafenamide: Feline acquired immunodeficiency syndrome
- Zusammenfassung in einem Satz
- Kurzüberblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Tenofovir Alafenamide: Feline acquired immunodeficiency syndrome
Zusammenfassung in einem Satz
Tenofoviralafenamid (TAF) wird ursprünglich zur Behandlung der chronischen Hepatitis B und der HIV-Infektion eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei der Simian-Immundefizienzvirus-Infektion (SIV) wirksam sein könnte, wobei diese Vorhersage durch 8 präklinische Publikationen (überwiegend Makaken-Studien), aber keine klinischen Studien gestützt wird. Da SIV keine menschliche Erkrankung ist, handelt es sich nicht um eine neue Indikation beim Menschen.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hepatitis B; HIV Infections |
| Vorhergesagte neue Indikation | Feline acquired immunodeficiency syndrome |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9989 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 8 von 8) |
| Anzahl der Zulassungen | 8 (gültig: 8) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Forschungsfrage, kein klinischer Entwicklungsweg) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für die für diesen Bericht zusammengestellten Daten liegen derzeit keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Bekannt ist, dass TAF ein Prodrug von Tenofovir ist und als nukleotidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer wirkt: Der aktive Metabolit Tenofovirdiphosphat blockiert die Reverse Transkriptase. Seine Wirksamkeit bei HIV und Hepatitis B ist belegt, und mechanistisch ist eine Aktivität gegen verwandte Retroviren wie SIV plausibel.
SIV und SHIV (SIV/HIV-Hybridvirus) sind die Standard-Tiermodelle für HIV bei nichtmenschlichen Primaten. Die Ergebnisse dieser Modelle dienen vor allem dazu, die bereits zugelassene HIV-Indikation und neue Anwendungsformen (Prophylaxe, Implantate, topische Einlagen) abzusichern. Sie begründen keine neue Humanindikation. Der hohe TxGNN-Wert ist wahrscheinlich durch die Ähnlichkeit zur HIV-Indikation getrieben.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
Alle Publikationen sind präklinisch (Tiermodelle).
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Wichtigste Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 27465645 | 2016 | Präklinisch (Makaken, PrEP) | J Infect Dis | Orale Kombination aus Emtricitabin und TAF schützt Makaken vor rektaler SHIV-Infektion |
| 31362305 | 2019 | Präklinisch (Makaken, Wirksamkeit) | J Infect Dis | Wirksamkeit von oralem TAF/FTC bzw. TAF allein gegen vaginale SHIV-Infektion |
| 35913838 | 2022 | Präklinisch (Makaken, Implantat) | J Antimicrob Chemother | Sicherheit und Wirksamkeit eines bioabbaubaren TAF-Implantats zum vaginalen Schutz |
| 38134382 | 2024 | Präklinisch (Makaken, PEP) | J Infect Dis | Verlängerter Postexpositionsschutz durch vaginale TAF/Elvitegravir-Einlagen |
| 39632836 | 2024 | Präklinisch (Makaken, SHIV-Remission) | Nat Commun | Frühe Therapie mit oralem FTC/TAF plus lang wirksamem Cabotegravir/Rilpivirin zur Remission |
| 39559349 | 2024 | Präklinisch (humanisiertes Mausmodell) | Front Immunol | Mausmodell zur Testung antiviraler Strategien gegen SIV und HIV |
| 41342257 | 2026 | Präklinisch (Makaken, topische Einlagen) | J Infect Dis | Teilweiser Postexpositionsschutz durch rektale TAF/Elvitegravir-Einlagen |
| 31730629 | 2019 | Präklinisch (Methodik) | PLoS One | Protokoll zum Training von Rhesusaffen für die tägliche orale antiretrovirale Gabe |
Marktinformationen Deutschland
Alle 8 Zulassungen (zentrale EU-Zulassungen) sind gültig; das Arzneimittel ist im Handel.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004169 | Vemlidy | – | Hepatitis B |
| EMEA/H/C/004094 | Descovy | – | HIV-Infektionen |
| EMEA/H/C/004156 | Odefsey | – | HIV-Infektionen |
| EMEA/H/C/004449 | Biktarvy | – | HIV-Infektionen |
| EMEA/H/C/004042 | Genvoya | – | HIV-Infektionen |
Sicherheitsaspekte
- Wechselwirkungen: Die Abfrage ergab einen pharmakologischen Eintrag zum Geschmacksrezeptor TAS2R39 als Zielstruktur von TAF. Er ist klinisch nicht eingestuft und hat keine bekannte praktische Relevanz.
Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für SIV stammt ausschließlich aus Tiermodellen (L4) und stützt vor allem die bereits bestehende HIV-Indikation. SIV ist keine menschliche Erkrankung, sodass daraus keine neue Humanindikation entsteht. Die Vorhersagen für die feline Immunschwäche (nur Modellvorhersage, L5) und die neuroentwicklungsbedingte Störung (kein plausibler Mechanismus) sind nicht belastbar.
Für ein weiteres Vorgehen ist Folgendes nötig:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) ergänzen
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (BfArM) beschaffen und auswerten
- Klärung, ob ein veterinärmedizinischer Anwendungsfall (z. B. FIV) mit artspezifischer Pharmakologie und Sicherheitsprüfung verfolgt werden soll
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.