Tenofovir Disoproxil

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Tenofovir Disoproxil
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Tenofovir Disoproxil: Simian immunodeficiency virus infection
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Tenofovir Disoproxil: Simian immunodeficiency virus infection

Zusammenfassung in einem Satz

Tenofovir disoproxil ist ein nukleotidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung der HIV-Infektion und der chronischen Hepatitis B zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei der simianen Immundefizienzvirus-Infektion (SIV) wirksam sein könnte. Die Evidenz besteht jedoch ausschließlich aus Tierstudien (18 Publikationen, überwiegend an Makaken); klinische Studien liegen nicht vor.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV Infections; Hepatitis B, Chronic;HIV Infections
Vorhergesagte neue Indikation Simian immunodeficiency virus infection
TxGNN-Vorhersagewert 0.9995
Evidenzstufe L4 (präklinische Studien)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 14 von 14)
Anzahl der Zulassungen 14 (gültig: 14)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Tenofovir disoproxil ist ein Prodrug von Tenofovir, einem nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor, dessen Wirksamkeit bei HIV-1 belegt ist. Mechanistisch ist daher eine Wirkung gegen verwandte Lentiviren zu erwarten.

SIV ist ein eng mit HIV verwandtes Lentivirus, das dasselbe Zielenzym (Reverse Transkriptase) nutzt. Die Studien an Makaken zeigen etwa einen teilweisen bis vollständigen Schutz vor SIV/SHIV-Infektionen durch Tenofovir disoproxil, allein oder mit Emtricitabin, auch bei topischer Anwendung (z. B. Vaginalring) und bei Jungtieren.

Wichtig ist die Einordnung: SIV ist ein Tier- und Forschungsmodell, kein klinisches Ziel für eine Repurposing-Entscheidung beim Menschen. Der hohe TxGNN-Wert spiegelt vor allem die bekannte antiretrovirale Klassenwirkung wider. Die Studien dienen als indirekte Stütze für die bereits zugelassene HIV-Indikation, nicht als neue humane Indikation.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Die Auswahl umfasst die relevantesten Publikationen (Tierstudien und Übersichtsarbeiten). Randomisierte kontrollierte Studien beim Menschen liegen nicht vor.

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussage
26743846 2016 Tierstudie J Infect Dis FTC/TDF verhindert vaginale SHIV-Infektion bei Makaken, auch bei Koinfektion mit Chlamydien und Trichomonaden
16960777 2006 Tierstudie J Infect Dis TDF-Chemoprophylaxe bietet Makaken bei wiederholter SHIV-Exposition teilweisen Schutz
23633402 2013 Tierstudie J Infect Dis Orales FTC/TDF als Prophylaxe gegen tenofovirresistentes SHIV (K65R) bei Makaken
24043812 2013 Tierstudie PNAS TDF-freisetzender Vaginalring schützt Makaken vollständig vor wiederholten SHIV-Exposition
27275923 2016 Tierstudie PLoS One Pod-Vaginalring mit TDF und FTC schützt Makaken vor mehrfacher SHIV-Exposition
16810108 2006 Tierstudie J Acquir Immune Defic Syndr Orales TDF und topisches GS-7340 bei Jungtieren gegen wiederholte SIV-Exposition
12404171 2002 Tierstudie J Infect Dis Topisch (oral) verabreichtes niedrig dosiertes TDF schützt Jungtiere vor SIV
20497048 2010 Tierstudie J Infect Dis HAART reduziert bei SIV-infizierten Makaken die virale Replikation und Entzündung im ZNS, virale DNA bleibt bestehen
22964889 2012 Übersichtsarbeit Curr Opin HIV AIDS Tiermodelle der antiretroviralen Prophylaxe zur HIV-Prävention
20874040 2010 Übersichtsarbeit Pharmacotherapy Systemische Präexpositionsprophylaxe bei HIV-Infektion

Marktinformationen Deutschland

Von den 14 hinterlegten Zulassungen sind 14 gültig. Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel. Auswahl von 5 Einträgen:

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000419 Viread – Chronische Hepatitis B, HIV-Infektion
EMEA/H/C/000594 Truvada – HIV-Infektion
EMEA/H/C/004120 Tenofovir disoproxil Zentiva – HIV-Infektion
EMEA/H/C/004049 Tenofovir disoproxil Viatris – HIV-Infektion
EMEA/H/C/002312 Eviplera – HIV-Infektion

Sicherheitsaspekte

Aus der Fachinformation liegen in den zusammengestellten Daten keine Warnhinweise oder Kontraindikationen vor. Bitte die Fachinformation zur Sicherheit heranziehen.

Ergänzend verzeichnet der Wissensgraph (PrimeKG, keine Etikettentexte) Kontraindikationsbeziehungen unter anderem zu folgenden Erkrankungen:

  • Nieren- und Lebererkrankungen (u. a. Nierenerkrankung, Leberversagen, Lebererkrankung, Fanconi-Syndrom)
  • Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen (u. a. Laktatazidose, Hypophosphatämie, Osteomalazie, Rachitis, Fettlebererkrankung)
  • Herzrhythmusstörungen (Long-QT-Syndrom, Torsades de pointes)
  • Weitere (u. a. Epilepsie, Angststörungen, Hepatitis-C-Infektion)

Diese Angaben sind Modellannahmen und müssen anhand der Fachinformation überprüft werden.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage ist mechanistisch kohärent, stützt sich aber nur auf präklinische Tierdaten (L4). SIV ist kein klinisches Ziel beim Menschen, und der hohe Vorhersagewert (0.9995) stammt vom TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann vor allem Ähnlichkeiten widerspiegeln, die das Modell zwischen verwandten Erkrankungen gelernt hat, nicht biologische Evidenz; er spiegelt zudem die bekannte antiretrovirale Klassenwirkung wider. Die weiteren Vorhersagen (feline erworbene Immundefizienz 0.9995, seltene neurologische Entwicklungsstörung 0.9995, obsolete familiäre kombinierte Hyperlipidämie 0.9960) sind ebenfalls nicht klinisch belegt und können Ähnlichkeiten widerspiegeln, die das Modell gelernt hat.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) – derzeit blockierend für die Sicherheitsprüfung
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. über DrugBank)
  • Klärung, ob für die Vorhersage überhaupt ein humaner klinischer Nutzen jenseits der bereits zugelassenen HIV-Indikation besteht
  • Prüfung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.