Ticagrelor

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Ticagrelor
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Ticagrelor: Intrakranielle Arteriosklerose
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studienevidenz
      1. Zielindikation: intrakranielle Arteriosklerose
      2. Ergänzend: ischämische Erkrankung (Auswahl der relevantesten Studien)
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum deutschen Markt
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Ticagrelor: Intrakranielle Arteriosklerose

Zusammenfassung

Ticagrelor ist ein reversibler P2Y12-Thrombozytenaggregationshemmer, der ursprünglich zur Behandlung des akuten Koronarsyndroms und peripherer Gefäßerkrankungen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei intrakranieller Arteriosklerose wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Studien (davon 1 Phase-3-Studie, noch ohne Ergebnisse) und 2 Publikationen vor. Die Evidenz ist daher vorläufig.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Periphere Gefäßerkrankungen; akutes Koronarsyndrom
Vorhergesagte neue Indikation Intrakranielle Arteriosklerose
TxGNN-Vorhersagewert 0,9997
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold (weitere Forschung erforderlich)

Hinweis zum Evidenzlevel: Die für die intrakranielle Arteriosklerose vorliegende Phase-3-Studie ist noch nicht abgeschlossen und hat keine Ergebnisse. Das Level L2 ist daher als obere Schätzung zu verstehen; streng nach den Kriterien (abgeschlossene RCT) läge die Evidenz eher bei L5 bis L4. Die höhere Evidenz (L1) betrifft die allgemeine ischämische Erkrankung, die im Wesentlichen eine Verfeinerung der bestehenden Indikation darstellt.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Ticagrelor hemmt reversibel den P2Y12-Rezeptor auf Thrombozyten und verringert dadurch Thrombozytenaggregation und Thrombusbildung an atherosklerotischen Plaques.

Dieser Mechanismus liegt bereits der Anwendung beim akuten Koronarsyndrom und bei peripheren Gefäßerkrankungen zugrunde. Intrakranielle Arteriosklerose ist ebenfalls eine atherosklerotische Gefäßerkrankung, bei der plättchenvermittelte Thrombosen zu Schlaganfällen führen können. Ein möglicher Vorteil: Ticagrelor muss nicht über CYP2C19 aktiviert werden und könnte daher bei Trägern von Loss-of-Function-Allelen gegenüber Clopidogrel vorteilhaft sein.


Klinische Studienevidenz

Zielindikation: intrakranielle Arteriosklerose

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT05047172 Phase 3 Aktiv, nicht rekrutierend 1683 CAPTIVA: Rivaroxaban, Ticagrelor oder beides vs. Clopidogrel zur Senkung ischämischer Schlaganfälle, intrazerebraler Blutungen oder vaskulärer Todesfälle nach 1 Jahr
NCT06714526 Nicht zutreffend Rekrutierend 100 Pilotstudie: genotypgesteuerte P2Y12-Hemmer-Auswahl vs. Clopidogrel bei symptomatischer intrakranieller Atherosklerose

Ergänzend: ischämische Erkrankung (Auswahl der relevantesten Studien)

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT02094963 Phase 4 Abgeschlossen 800 TICAKOREA: Ticagrelor vs. Clopidogrel bei asiatischen Patienten mit akutem Koronarsyndrom
NCT02601157 Phase 4 Abgeschlossen 2173 HOST-IDEA: verkürzte vs. 12-monatige duale Plättchenhemmung nach PCI
NCT03381742 Phase 2/3 Abgeschlossen 3043 SUPERIOR: verschiedene Ticagrelor-Dosierungen vs. Clopidogrel bei koronarer Herzkrankheit
NCT05681702 Phase 4 Rekrutierend 90 Pharmakodynamischer Vergleich von Strategien zur Blutungsreduktion nach PCI
NCT04255602 Phase 4 Unbekannt 2120 Niedrig- vs. Standarddosis Ticagrelor nach Intervention bei ACS

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
39658130 2025 Kohortenstudie J Neurointerv Surg Ticagrelor 60 mg zweimal täglich plus ASS im Vergleich zu ASS plus Clopidogrel bei intrakraniellem Stenting
39862061 2025 Übersichtsarbeit Int J Stroke Design und früher Verlauf der CAPTIVA-Studie

Ergänzend zur ischämischen Erkrankung (nicht spezifisch für intrakranielle Arteriosklerose):

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
34708996 2021 RCT N Engl J Med Ticagrelor vs. Clopidogrel bei CYP2C19-Loss-of-Function-Trägern mit Schlaganfall oder TIA
31556978 2019 RCT N Engl J Med TWILIGHT: Ticagrelor mit oder ohne ASS nach PCI bei Hochrisikopatienten
25773268 2015 RCT N Engl J Med Langzeitanwendung von Ticagrelor nach früherem Myokardinfarkt
31475798 2019 RCT N Engl J Med THEMIS: Ticagrelor bei stabiler koronarer Herzkrankheit und Diabetes
40888737 2025 RCT N Engl J Med Ticagrelor plus ASS vs. ASS allein nach Bypass-Operation bei ACS

Informationen zum deutschen Markt

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/001241 Brilique (AstraZeneca AB) – Periphere Gefäßerkrankungen; akutes Koronarsyndrom

Diese Zulassung ist gültig (1 von 1 Zulassungen); das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (keine Packungsbeilage): Leberversagen, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, intrakranielle Blutung.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt 100 Wechselwirkungen erfasst. Die wichtigste ist Clarithromycin (schwerwiegend). Mittelgradig sind u. a. Acetylsalicylsäure, Morphin, Simvastatin, Dexamethason, Budesonid, Aprepitant, Miconazol und Saxagliptin; gering sind u. a. Naloxegol und Prucalopridin.
  • Blutungsrisiko: Bei intrakranieller Erkrankung ist die intrakranielle Blutung besonders zu beachten, da sie laut Wissensgraph als Kontraindikation geführt wird. Auch die Kombination mit Antikoagulanzien erhöht das Blutungsrisiko.

Die Angaben aus der Packungsbeilage (Warnhinweise, Kontraindikationen) konnten nicht ausgewertet werden; bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die einzige Phase-3-Studie zur Zielindikation (CAPTIVA) läuft noch und hat keine Ergebnisse. Die übrige Evidenz betrifft die allgemeine ischämische Erkrankung, in der Ticagrelor bereits etabliert ist, und der Wirkmechanismus ist plausibel. Hinzu kommt, dass die Sicherheitsdaten aus der Packungsbeilage fehlen und eine intrakranielle Blutung als Kontraindikation vermerkt ist.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Abwarten der CAPTIVA-Ergebnisse (voraussichtlicher Abschluss 2027)
  • Auswertung der Packungsbeilage (Warnhinweise und Kontraindikationen)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
  • Blutungsrisikobewertung und Patientenselektion (z. B. CYP2C19-Genotyp) für eine mögliche Anwendung

Die übrigen vorhergesagten Indikationen (u. a. Mönckeberg-Sklerose, Priapismus, May-Thurner-Syndrom, Livedo reticularis, mesenteriale Gefäßverschlüsse, Gefäßektasie, Angiodysplasie, venöse Thromboembolie) haben keine oder nur schwache Evidenz (L4 bis L5) und werden zurückgestellt. Bei Angiodysplasie und Gefäßektasie besteht zudem ein Sicherheitsrisiko durch erhöhte Blutungsneigung.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.