Trastuzumab

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Trastuzumab
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Trastuzumab: Malignant cutaneous granular cell skin tumor
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Trastuzumab: Malignant cutaneous granular cell skin tumor

Zusammenfassung

Trastuzumab ist ein gegen HER2 gerichteter monoklonaler Antikörper, der ursprünglich zur Behandlung von Brust- und Magenkrebs zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine Wirksamkeit bei progesteronrezeptor-positivem Brustkrebs voraus. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine bereits etablierte Untergruppe (HER2-positiv/hormonrezeptor-positiv) als um eine echte Neuindikation. Gestützt wird die Vorhersage durch 13 klinische Studien und 20 Publikationen, darunter eine abgeschlossene Phase-3-Studie mit 3.270 Teilnehmenden.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Stomach Neoplasms;Breast Neoplasms; Breast Neoplasms;Stomach Neoplasms; Breast Neoplasms
Vorhergesagte neue Indikation Malignant cutaneous granular cell skin tumor
TxGNN-Vorhersagewert 0.9948
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 11 von 11)
Anzahl der Zulassungen 11 (gültig: 11)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortführung mit Schutzvorkehrungen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Trastuzumab richtet sich gegen den HER2-Rezeptor und ist bei HER2-positivem Brustkrebs etabliert. Mechanistisch kann es daher überall dort wirken, wo HER2 amplifiziert oder überexprimiert ist.

Der Progesteronrezeptor-Status ist dabei kein Auswahlkriterium. Entscheidend ist die bestätigte HER2-Amplifikation oder -Überexpression. Bei Tumoren, die sowohl hormonrezeptor- als auch HER2-positiv sind, wird Trastuzumab in der Regel mit Chemotherapie und endokriner Therapie kombiniert. Die duale Blockade von HER2 und Hormonrezeptor-Signalweg wird durch die Wechselwirkung (Crosstalk) beider Rezeptoren begründet.

Die vorhergesagte Indikation liegt somit im Rahmen des bekannten Wirkprinzips. Der Nutzen ist auf die HER2-positive Untergruppe beschränkt.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmende Kernaussagen
NCT01275677 Phase 3 Abgeschlossen 3270 Adjuvante Chemotherapie mit oder ohne Trastuzumab bei Brustkrebs im Frühstadium; direkte, hochwertige Evidenz
NCT01750073 Phase 2 Abgeschlossen 92 Neoadjuvante Chemotherapie mit und ohne Trastuzumab
NCT00053339 Phase 3 Zurückgezogen 0 Trastuzumab mit oder ohne Tamoxifen bei PR-/HER2-positivem Brustkrebs; keine Wirksamkeitsdaten, da keine Teilnehmenden eingeschlossen wurden
NCT00194779 Phase 2 Abgeschlossen 50 Neoadjuvante Chemotherapie, gefolgt von einem trastuzumabhaltigen Regime bei HER2-positivem Brustkrebs
NCT00134680 Phase 2 Abgeschlossen 33 Letrozol plus Trastuzumab bei ErbB2-positivem, hormonrezeptor-positivem metastasiertem Brustkrebs
NCT02260531 Phase 2 Abgeschlossen 36 Cabozantinib allein oder mit Trastuzumab bei Hirnmetastasen
NCT04334330 Phase 2 Unbekannt 34 Palbociclib, Trastuzumab, Pyrotinib und Fulvestrant bei Hirnmetastasen (ER/PR-positiv, HER2-positiv)
NCT04886531 Phase 2 Rekrutierend 30 Präoperatives Neratinib und endokrine Therapie mit Trastuzumab bei ER-positivem, HER2-positivem Krebs
NCT02152943 Phase 1 Abgeschlossen 37 Everolimus, Letrozol und Trastuzumab bei hormonrezeptor- und HER2-positivem Brustkrebs
NCT02774681 Phase 2 Abgebrochen 12 Palbociclib bei HER2-positivem Brustkrebs mit Hirnmetastasen; zu klein und auf Palbociclib fokussiert

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
27179402 2016 RCT Lancet Oncol NeoSphere: 5-Jahres-Analyse der neoadjuvanten Gabe von Pertuzumab plus Trastuzumab bei HER2-positivem Brustkrebs
32353342 2020 RCT Lancet Oncol monarcHER: Abemaciclib plus Trastuzumab (± Fulvestrant) gegenüber Trastuzumab plus Chemotherapie bei HR-positivem, HER2-positivem fortgeschrittenem Brustkrebs
28945833 2017 RCT Ann Oncol WSG-ADAPT: Deeskalation mit dualer Blockade (Trastuzumab/Pertuzumab ± Paclitaxel) bei HER2+/HR-
15894097 2005 Meta-Analyse Lancet Effekte von Chemo- und Hormontherapie bei frühem Brustkrebs auf Rezidiv und 15-Jahres-Überleben
29117498 2017 Meta-Analyse N Engl J Med 20-Jahres-Rezidivrisiko nach Ende der endokrinen Therapie nach 5 Jahren
31410192 2019 Kohortenstudie Theranostics Molekulare Profile und Trastuzumab-Ansprechen bei ER+/PR+/HER2+ (triple-positivem) Brustkrebs
21151204 2011 Review Nat Rev Clin Oncol HER2- und hormonrezeptor-positiver Brustkrebs: Blockade der richtigen Zielstruktur
35640077 2022 Leitlinie J Clin Oncol ASCO-Leitlinienupdate zur systemischen Therapie des fortgeschrittenen HER2-positiven Brustkrebses
26253814 2015 Review Breast Klinische Bedeutung der intrinsischen molekularen Subtypen des Brustkrebses
39631485 2024 Review Pharmacol Res Zielgerichtete und zytotoxische Hemmstoffe in der Brustkrebstherapie

Marktinformationen Deutschland

Es besteht derzeit eine gültige Zulassung. Alle 11 erfassten Zulassungen sind gültig. Die Angaben zu Darreichungsformen fehlen in den Daten.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002575 Herzuma – Magenkrebs; Brustkrebs
EMEA/H/C/000278 Herceptin – Magenkrebs; Brustkrebs
EMEA/H/C/005209 Zercepac – Brustkrebs; Magenkrebs
EMEA/H/C/004361 Kanjinti – Magenkrebs; Brustkrebs
EMEA/H/C/006219 Dazublys – Brustkrebs; Magenkrebs

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (monoklonaler Anti-HER2-Antikörper), kein klassisches Zytostatikum
Myelosuppressionsrisiko Niedrig als Monotherapie; in Kombination mit Chemotherapie bestimmt der Kombinationspartner das Risiko
Emetogenitätsklasse Niedrig
Überwachungsparameter Herzfunktion (LVEF); die Literatur beschreibt Kardiotoxizität unter Trastuzumab. Zusätzlich Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion bei Kombinationstherapie
Handhabungsschutz Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 94 Wechselwirkungen erfasst. Auswahl der als schwerwiegend (Major) eingestuften:

  • Deferipron
  • Samarium-(153Sm)-Lexidronam
  • Adalimumab
  • Baricitinib

Beispiele für Wechselwirkungen mittleren Schweregrades (Moderate): Warfarin, Dicoumarol, Paclitaxel, Zidovudin, Azathioprin, Alemtuzumab, Anakinra, Roflumilast, Chloramphenicol.

Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Die Evidenz (Stufe L1) für Trastuzumab bei HER2-positivem Brustkrebs einschließlich der hormonrezeptor-positiven Untergruppe ist stark, u. a. durch eine abgeschlossene Phase-3-Studie mit 3.270 Teilnehmenden. Es handelt sich jedoch um eine bereits etablierte Indikation. Der Nutzen hängt allein vom HER2-Status ab, nicht vom PR-Status.

Weitere Hinweise zu den übrigen Vorhersagen:

  • Triple-negativer bzw. PR-negativer Brustkrebs (Rang 3): ebenfalls L1, wiederum nur bei HER2-Positivität.
  • Luminal A/B (Rang 4): Nutzen nur in der HER2-positiven Luminal-B-Untergruppe.
  • Normal-like-Subtyp (Rang 2) sowie Rang 5–10 (seltene Tumoren, Urothelkarzinome): nur Modellvorhersage bzw. kaum Evidenz, Entscheidung Hold.

Zur Umsetzung sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) zur Schließung der Sicherheitslücke. Diese ist als blockierend für das Sicherheitsscreening eingestuft.
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank) ergänzen.
  • Klärung der Marktsituation in Deutschland.
  • Verpflichtende HER2-Testung vor Therapiebeginn sowie Überwachungsplan der Herzfunktion.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.