Trastuzumab
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
- Trastuzumab
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Trastuzumab: Malignant cutaneous granular cell skin tumor
- Zusammenfassung
- Kurzüberblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Zytotoxizität
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Trastuzumab: Malignant cutaneous granular cell skin tumor
Zusammenfassung
Trastuzumab ist ein gegen HER2 gerichteter monoklonaler Antikörper, der ursprünglich zur Behandlung von Brust- und Magenkrebs zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine Wirksamkeit bei progesteronrezeptor-positivem Brustkrebs voraus. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine bereits etablierte Untergruppe (HER2-positiv/hormonrezeptor-positiv) als um eine echte Neuindikation. Gestützt wird die Vorhersage durch 13 klinische Studien und 20 Publikationen, darunter eine abgeschlossene Phase-3-Studie mit 3.270 Teilnehmenden.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Stomach Neoplasms;Breast Neoplasms; Breast Neoplasms;Stomach Neoplasms; Breast Neoplasms |
| Vorhergesagte neue Indikation | Malignant cutaneous granular cell skin tumor |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9948 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 11 von 11) |
| Anzahl der Zulassungen | 11 (gültig: 11) |
| Empfohlene Entscheidung | Proceed with Guardrails (Fortführung mit Schutzvorkehrungen) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Trastuzumab richtet sich gegen den HER2-Rezeptor und ist bei HER2-positivem Brustkrebs etabliert. Mechanistisch kann es daher überall dort wirken, wo HER2 amplifiziert oder überexprimiert ist.
Der Progesteronrezeptor-Status ist dabei kein Auswahlkriterium. Entscheidend ist die bestätigte HER2-Amplifikation oder -Überexpression. Bei Tumoren, die sowohl hormonrezeptor- als auch HER2-positiv sind, wird Trastuzumab in der Regel mit Chemotherapie und endokriner Therapie kombiniert. Die duale Blockade von HER2 und Hormonrezeptor-Signalweg wird durch die Wechselwirkung (Crosstalk) beider Rezeptoren begründet.
Die vorhergesagte Indikation liegt somit im Rahmen des bekannten Wirkprinzips. Der Nutzen ist auf die HER2-positive Untergruppe beschränkt.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmende | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT01275677 | Phase 3 | Abgeschlossen | 3270 | Adjuvante Chemotherapie mit oder ohne Trastuzumab bei Brustkrebs im Frühstadium; direkte, hochwertige Evidenz |
| NCT01750073 | Phase 2 | Abgeschlossen | 92 | Neoadjuvante Chemotherapie mit und ohne Trastuzumab |
| NCT00053339 | Phase 3 | Zurückgezogen | 0 | Trastuzumab mit oder ohne Tamoxifen bei PR-/HER2-positivem Brustkrebs; keine Wirksamkeitsdaten, da keine Teilnehmenden eingeschlossen wurden |
| NCT00194779 | Phase 2 | Abgeschlossen | 50 | Neoadjuvante Chemotherapie, gefolgt von einem trastuzumabhaltigen Regime bei HER2-positivem Brustkrebs |
| NCT00134680 | Phase 2 | Abgeschlossen | 33 | Letrozol plus Trastuzumab bei ErbB2-positivem, hormonrezeptor-positivem metastasiertem Brustkrebs |
| NCT02260531 | Phase 2 | Abgeschlossen | 36 | Cabozantinib allein oder mit Trastuzumab bei Hirnmetastasen |
| NCT04334330 | Phase 2 | Unbekannt | 34 | Palbociclib, Trastuzumab, Pyrotinib und Fulvestrant bei Hirnmetastasen (ER/PR-positiv, HER2-positiv) |
| NCT04886531 | Phase 2 | Rekrutierend | 30 | Präoperatives Neratinib und endokrine Therapie mit Trastuzumab bei ER-positivem, HER2-positivem Krebs |
| NCT02152943 | Phase 1 | Abgeschlossen | 37 | Everolimus, Letrozol und Trastuzumab bei hormonrezeptor- und HER2-positivem Brustkrebs |
| NCT02774681 | Phase 2 | Abgebrochen | 12 | Palbociclib bei HER2-positivem Brustkrebs mit Hirnmetastasen; zu klein und auf Palbociclib fokussiert |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 27179402 | 2016 | RCT | Lancet Oncol | NeoSphere: 5-Jahres-Analyse der neoadjuvanten Gabe von Pertuzumab plus Trastuzumab bei HER2-positivem Brustkrebs |
| 32353342 | 2020 | RCT | Lancet Oncol | monarcHER: Abemaciclib plus Trastuzumab (± Fulvestrant) gegenüber Trastuzumab plus Chemotherapie bei HR-positivem, HER2-positivem fortgeschrittenem Brustkrebs |
| 28945833 | 2017 | RCT | Ann Oncol | WSG-ADAPT: Deeskalation mit dualer Blockade (Trastuzumab/Pertuzumab ± Paclitaxel) bei HER2+/HR- |
| 15894097 | 2005 | Meta-Analyse | Lancet | Effekte von Chemo- und Hormontherapie bei frühem Brustkrebs auf Rezidiv und 15-Jahres-Überleben |
| 29117498 | 2017 | Meta-Analyse | N Engl J Med | 20-Jahres-Rezidivrisiko nach Ende der endokrinen Therapie nach 5 Jahren |
| 31410192 | 2019 | Kohortenstudie | Theranostics | Molekulare Profile und Trastuzumab-Ansprechen bei ER+/PR+/HER2+ (triple-positivem) Brustkrebs |
| 21151204 | 2011 | Review | Nat Rev Clin Oncol | HER2- und hormonrezeptor-positiver Brustkrebs: Blockade der richtigen Zielstruktur |
| 35640077 | 2022 | Leitlinie | J Clin Oncol | ASCO-Leitlinienupdate zur systemischen Therapie des fortgeschrittenen HER2-positiven Brustkrebses |
| 26253814 | 2015 | Review | Breast | Klinische Bedeutung der intrinsischen molekularen Subtypen des Brustkrebses |
| 39631485 | 2024 | Review | Pharmacol Res | Zielgerichtete und zytotoxische Hemmstoffe in der Brustkrebstherapie |
Marktinformationen Deutschland
Es besteht derzeit eine gültige Zulassung. Alle 11 erfassten Zulassungen sind gültig. Die Angaben zu Darreichungsformen fehlen in den Daten.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002575 | Herzuma | – | Magenkrebs; Brustkrebs |
| EMEA/H/C/000278 | Herceptin | – | Magenkrebs; Brustkrebs |
| EMEA/H/C/005209 | Zercepac | – | Brustkrebs; Magenkrebs |
| EMEA/H/C/004361 | Kanjinti | – | Magenkrebs; Brustkrebs |
| EMEA/H/C/006219 | Dazublys | – | Brustkrebs; Magenkrebs |
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Zytotoxizitätsklassifikation | Zielgerichtete Therapie (monoklonaler Anti-HER2-Antikörper), kein klassisches Zytostatikum |
| Myelosuppressionsrisiko | Niedrig als Monotherapie; in Kombination mit Chemotherapie bestimmt der Kombinationspartner das Risiko |
| Emetogenitätsklasse | Niedrig |
| Überwachungsparameter | Herzfunktion (LVEF); die Literatur beschreibt Kardiotoxizität unter Trastuzumab. Zusätzlich Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion bei Kombinationstherapie |
| Handhabungsschutz | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 94 Wechselwirkungen erfasst. Auswahl der als schwerwiegend (Major) eingestuften:
- Deferipron
- Samarium-(153Sm)-Lexidronam
- Adalimumab
- Baricitinib
Beispiele für Wechselwirkungen mittleren Schweregrades (Moderate): Warfarin, Dicoumarol, Paclitaxel, Zidovudin, Azathioprin, Alemtuzumab, Anakinra, Roflumilast, Chloramphenicol.
Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Proceed with Guardrails
Begründung: Die Evidenz (Stufe L1) für Trastuzumab bei HER2-positivem Brustkrebs einschließlich der hormonrezeptor-positiven Untergruppe ist stark, u. a. durch eine abgeschlossene Phase-3-Studie mit 3.270 Teilnehmenden. Es handelt sich jedoch um eine bereits etablierte Indikation. Der Nutzen hängt allein vom HER2-Status ab, nicht vom PR-Status.
Weitere Hinweise zu den übrigen Vorhersagen:
- Triple-negativer bzw. PR-negativer Brustkrebs (Rang 3): ebenfalls L1, wiederum nur bei HER2-Positivität.
- Luminal A/B (Rang 4): Nutzen nur in der HER2-positiven Luminal-B-Untergruppe.
- Normal-like-Subtyp (Rang 2) sowie Rang 5–10 (seltene Tumoren, Urothelkarzinome): nur Modellvorhersage bzw. kaum Evidenz, Entscheidung Hold.
Zur Umsetzung sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) zur Schließung der Sicherheitslücke. Diese ist als blockierend für das Sicherheitsscreening eingestuft.
- Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank) ergänzen.
- Klärung der Marktsituation in Deutschland.
- Verpflichtende HER2-Testung vor Therapiebeginn sowie Überwachungsplan der Herzfunktion.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.