Valsartan

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Valsartan
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Valsartan: Von Hypertonie und Herzinsuffizienz zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Valsartan: Von Hypertonie und Herzinsuffizienz zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung

Zusammenfassung

Valsartan ist ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker, der ursprünglich zur Behandlung von Hypertonie und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei maligner hypertensiver Nierenerkrankung wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine klinischen Studien und 1 Publikation vor, die nur indirekte Hinweise liefert (Tierstudie mit einem anderen Wirkstoff).


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Hypertonie; Herzinsuffizienz
Vorhergesagte neue Indikation Maligne hypertensive Nierenerkrankung
TxGNN-Vorhersagewert 0,9997
Evidenzstufe L4
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 9 von 9)
Anzahl der Zulassungen 9 (gültig: 9)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Valsartan blockiert den Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT1R). Eine Überaktivierung des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) gilt als Treiber der Nierenschädigung bei maligner Hypertonie. Der Wirkmechanismus ist damit auf Klassenebene plausibel. Detaillierte Mechanismusdaten zum Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor.

Die neue Indikation liegt jedoch eng an der bereits zugelassenen Hypertonie-Indikation. Der Neuigkeitswert für ein Repurposing ist daher begrenzt. Die einzige gefundene Arbeit (PMID 24368192) untersucht Avosentan, einen Endothelin-Antagonisten, an Ratten mit hypertensiver Nephropathie. Sie prüft Valsartan nicht und ist nur indirekte Evidenz.

Weitere vorhergesagte Indikationen (nach TxGNN-Rang) sind in der Evidenz noch schwächer:

Rang Vorhergesagte Indikation Score Evidenzstufe Empfehlung
2 Maligne renovaskuläre Hypertonie 0,9997 L4 Hold
3 Pulmonale Hypertonie bei Lungenerkrankung/Hypoxie 0,9997 L4 Forschungsfrage
4 Pulmonale Hypertonie mit unklarem multifaktoriellem Mechanismus 0,9997 L5 Hold
5 Braddock-Syndrom 0,9996 L5 Hold
6 Chronisches Cor pulmonale 0,9958 L4 Forschungsfrage
7 Prinzmetal-Angina 0,9945 L5 Hold

Zu Rang 2: Eine Tierstudie (PMID 11560862) zeigt, dass AT1R-Blockade tödliche maligne Hypertonie verhindert. Das stützt den Mechanismus, ist aber präklinisch. Bei renovaskulärer Erkrankung bestehen zudem Sicherheitsbedenken für Angiotensin-Rezeptorblocker (z. B. bilaterale Nierenarterienstenose).


Klinische Studien

Zur Hauptindikation gibt es derzeit keine zugehörigen klinischen Studien. Für Rang 6 (chronisches Cor pulmonale) ist eine Studie registriert, die nur am Rande relevant ist:

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT02966665 Phase 1 Rekrutierend 420 Gefäßfunktion und Trainingsrehabilitation bei Hypertonie; prüft Valsartan nicht bei chronischem Cor pulmonale

Literaturevidenz

Zur Hauptindikation (maligne hypertensive Nierenerkrankung):

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
24368192 2014 Präklinisch (anderer Wirkstoff) Pharmacological Research Avosentan schützt bei hypertensiver Nephropathie in Ratten bereits in Dosen ohne Flüssigkeitsretention

Ausgewählte Literatur zu weiteren Vorhersagen:

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
11560862 2001 Präklinisch (Tier) Circulation AT1R-Blockade verhindert letale maligne Hypertonie, auch unabhängig von der Blutdrucksenkung (maligne renovaskuläre Hypertonie)
32552157 2020 Präklinisch (Tier) J Am Heart Assoc Sacubitril/Valsartan mindert rechtsventrikuläres Remodeling bei pulmonaler Hypertonie
39210725 2024 Post-hoc-Analyse von RCTs JAMA Cardiology Effekte von Sacubitril/Valsartan auf Gesamt-Hospitalisierungen bei Herzinsuffizienz (PARADIGM-HF, PARAGON-HF)
34796742 2021 Kohorte J Am Heart Assoc Einfluss von COPD bei HFpEF (PARAGON-HF)
33522249 2021 Kohorte J Am Heart Assoc Ergebnisse bei HFrEF mit COPD (PARADIGM-HF)
22377232 2012 Präklinisch (Tier) Diabetes Res Clin Pract Valsartan hemmt den HIF-1α-Signalweg und mindert renale interstitielle Fibrose bei diabetischen Ratten
36719525 2023 Präklinisch (Tier) Sleep & Breathing Sacubitril/Valsartan mildert Darmmikrobiom-Veränderungen und Aortenschäden bei intermittierender Hypoxie

Der Großteil der Literatur betrifft Sacubitril/Valsartan oder andere Organe und ist nur indirekt auf Valsartan allein übertragbar.


Marktinformationen Deutschland

Alle 9 Zulassungen sind gültig.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004037 Amlodipine / Valsartan Mylan – Hypertonie
EMEA/H/C/000776 Dafiro – Hypertonie
EMEA/H/C/004062 Entresto – Herzinsuffizienz
EMEA/H/C/000716 Exforge – Hypertonie
EMEA/H/C/000774 Copalia – Hypertonie

Sicherheitsaspekte

Aus dem Wissensgraphen (kein Packungsbeilagentext) liegen Hinweise auf Kontraindikationen im Zusammenhang mit folgenden Erkrankungen vor:

  • Leber/Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Pankreatitis, hepatisches Koma, hepatische Enzephalopathie, Neugeborenenikterus
  • Niere: Anurie, Nierenfunktionsstörung, Nierenarterienverschluss, Nephrokalzinose
  • Angioödem: einschließlich erworbenem, hereditärem und RAS-Blocker-induziertem Angioödem
  • Stoffwechsel/Elektrolyte: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Kaliummangel, Hyperurikämie, Gicht, Hyperkalzämie, Hyperparathyreoidismus, Osteitis fibrosa, Störungen des Phosphorstoffwechsels
  • Blut/Immunsystem: Neutropenie, Agranulozytose, systemischer Lupus erythematodes (auch pädiatrisch)
  • Kreislauf: Hypotonie

Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst; Auswahl:

  • Schwerwiegend (Major): Kaliumchlorid, Kaliumbicarbonat (Risiko einer Hyperkaliämie)
  • Moderat: Hydrocortison, Eluxadolin, Exenatid, zahlreiche Insuline, Polyethylenglykol mit Elektrolyten

Für weitere Sicherheitsinformationen siehe die Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für die vorhergesagte Indikation gibt es keine klinischen Studien, und die einzige Publikation untersucht einen anderen Wirkstoff im Tiermodell (Evidenzstufe L4). Zudem überschneidet sich die Indikation weitgehend mit der bereits zugelassenen Hypertonie, und in Deutschland sind derzeit alle 9 Zulassungen gültig.

Für ein Weiterkommen ist erforderlich:

  • Packungsbeilagen-Informationen (Warnhinweise, Kontraindikationen) von der BfArM-Website, da diese Lücke die Sicherheitsprüfung blockiert
  • Detaillierte Wirkmechanismusdaten (z. B. aus DrugBank)
  • Direkte präklinische oder klinische Daten zu Valsartan bei maligner hypertensiver Nierenerkrankung
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland und der Darreichungsformen/Applikationswege
  • Sicherheitsbewertung bei Nierenarterienstenose und Nierenfunktionsstörung

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.