Valsartan
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
- Valsartan
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Valsartan: Von Hypertonie und Herzinsuffizienz zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Klinische Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Valsartan: Von Hypertonie und Herzinsuffizienz zu maligner hypertensiver Nierenerkrankung
Zusammenfassung
Valsartan ist ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker, der ursprünglich zur Behandlung von Hypertonie und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei maligner hypertensiver Nierenerkrankung wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine klinischen Studien und 1 Publikation vor, die nur indirekte Hinweise liefert (Tierstudie mit einem anderen Wirkstoff).
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hypertonie; Herzinsuffizienz |
| Vorhergesagte neue Indikation | Maligne hypertensive Nierenerkrankung |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9997 |
| Evidenzstufe | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 9 von 9) |
| Anzahl der Zulassungen | 9 (gültig: 9) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Valsartan blockiert den Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT1R). Eine Überaktivierung des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) gilt als Treiber der Nierenschädigung bei maligner Hypertonie. Der Wirkmechanismus ist damit auf Klassenebene plausibel. Detaillierte Mechanismusdaten zum Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor.
Die neue Indikation liegt jedoch eng an der bereits zugelassenen Hypertonie-Indikation. Der Neuigkeitswert für ein Repurposing ist daher begrenzt. Die einzige gefundene Arbeit (PMID 24368192) untersucht Avosentan, einen Endothelin-Antagonisten, an Ratten mit hypertensiver Nephropathie. Sie prüft Valsartan nicht und ist nur indirekte Evidenz.
Weitere vorhergesagte Indikationen (nach TxGNN-Rang) sind in der Evidenz noch schwächer:
| Rang | Vorhergesagte Indikation | Score | Evidenzstufe | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| 2 | Maligne renovaskuläre Hypertonie | 0,9997 | L4 | Hold |
| 3 | Pulmonale Hypertonie bei Lungenerkrankung/Hypoxie | 0,9997 | L4 | Forschungsfrage |
| 4 | Pulmonale Hypertonie mit unklarem multifaktoriellem Mechanismus | 0,9997 | L5 | Hold |
| 5 | Braddock-Syndrom | 0,9996 | L5 | Hold |
| 6 | Chronisches Cor pulmonale | 0,9958 | L4 | Forschungsfrage |
| 7 | Prinzmetal-Angina | 0,9945 | L5 | Hold |
Zu Rang 2: Eine Tierstudie (PMID 11560862) zeigt, dass AT1R-Blockade tödliche maligne Hypertonie verhindert. Das stützt den Mechanismus, ist aber präklinisch. Bei renovaskulärer Erkrankung bestehen zudem Sicherheitsbedenken für Angiotensin-Rezeptorblocker (z. B. bilaterale Nierenarterienstenose).
Klinische Studien
Zur Hauptindikation gibt es derzeit keine zugehörigen klinischen Studien. Für Rang 6 (chronisches Cor pulmonale) ist eine Studie registriert, die nur am Rande relevant ist:
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT02966665 | Phase 1 | Rekrutierend | 420 | Gefäßfunktion und Trainingsrehabilitation bei Hypertonie; prüft Valsartan nicht bei chronischem Cor pulmonale |
Literaturevidenz
Zur Hauptindikation (maligne hypertensive Nierenerkrankung):
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 24368192 | 2014 | Präklinisch (anderer Wirkstoff) | Pharmacological Research | Avosentan schützt bei hypertensiver Nephropathie in Ratten bereits in Dosen ohne Flüssigkeitsretention |
Ausgewählte Literatur zu weiteren Vorhersagen:
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 11560862 | 2001 | Präklinisch (Tier) | Circulation | AT1R-Blockade verhindert letale maligne Hypertonie, auch unabhängig von der Blutdrucksenkung (maligne renovaskuläre Hypertonie) |
| 32552157 | 2020 | Präklinisch (Tier) | J Am Heart Assoc | Sacubitril/Valsartan mindert rechtsventrikuläres Remodeling bei pulmonaler Hypertonie |
| 39210725 | 2024 | Post-hoc-Analyse von RCTs | JAMA Cardiology | Effekte von Sacubitril/Valsartan auf Gesamt-Hospitalisierungen bei Herzinsuffizienz (PARADIGM-HF, PARAGON-HF) |
| 34796742 | 2021 | Kohorte | J Am Heart Assoc | Einfluss von COPD bei HFpEF (PARAGON-HF) |
| 33522249 | 2021 | Kohorte | J Am Heart Assoc | Ergebnisse bei HFrEF mit COPD (PARADIGM-HF) |
| 22377232 | 2012 | Präklinisch (Tier) | Diabetes Res Clin Pract | Valsartan hemmt den HIF-1α-Signalweg und mindert renale interstitielle Fibrose bei diabetischen Ratten |
| 36719525 | 2023 | Präklinisch (Tier) | Sleep & Breathing | Sacubitril/Valsartan mildert Darmmikrobiom-Veränderungen und Aortenschäden bei intermittierender Hypoxie |
Der Großteil der Literatur betrifft Sacubitril/Valsartan oder andere Organe und ist nur indirekt auf Valsartan allein übertragbar.
Marktinformationen Deutschland
Alle 9 Zulassungen sind gültig.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004037 | Amlodipine / Valsartan Mylan | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000776 | Dafiro | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/004062 | Entresto | – | Herzinsuffizienz |
| EMEA/H/C/000716 | Exforge | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000774 | Copalia | – | Hypertonie |
Sicherheitsaspekte
Aus dem Wissensgraphen (kein Packungsbeilagentext) liegen Hinweise auf Kontraindikationen im Zusammenhang mit folgenden Erkrankungen vor:
- Leber/Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Pankreatitis, hepatisches Koma, hepatische Enzephalopathie, Neugeborenenikterus
- Niere: Anurie, Nierenfunktionsstörung, Nierenarterienverschluss, Nephrokalzinose
- Angioödem: einschließlich erworbenem, hereditärem und RAS-Blocker-induziertem Angioödem
- Stoffwechsel/Elektrolyte: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Kaliummangel, Hyperurikämie, Gicht, Hyperkalzämie, Hyperparathyreoidismus, Osteitis fibrosa, Störungen des Phosphorstoffwechsels
- Blut/Immunsystem: Neutropenie, Agranulozytose, systemischer Lupus erythematodes (auch pädiatrisch)
- Kreislauf: Hypotonie
Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst; Auswahl:
- Schwerwiegend (Major): Kaliumchlorid, Kaliumbicarbonat (Risiko einer Hyperkaliämie)
- Moderat: Hydrocortison, Eluxadolin, Exenatid, zahlreiche Insuline, Polyethylenglykol mit Elektrolyten
Für weitere Sicherheitsinformationen siehe die Packungsbeilage.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für die vorhergesagte Indikation gibt es keine klinischen Studien, und die einzige Publikation untersucht einen anderen Wirkstoff im Tiermodell (Evidenzstufe L4). Zudem überschneidet sich die Indikation weitgehend mit der bereits zugelassenen Hypertonie, und in Deutschland sind derzeit alle 9 Zulassungen gültig.
Für ein Weiterkommen ist erforderlich:
- Packungsbeilagen-Informationen (Warnhinweise, Kontraindikationen) von der BfArM-Website, da diese Lücke die Sicherheitsprüfung blockiert
- Detaillierte Wirkmechanismusdaten (z. B. aus DrugBank)
- Direkte präklinische oder klinische Daten zu Valsartan bei maligner hypertensiver Nierenerkrankung
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland und der Darreichungsformen/Applikationswege
- Sicherheitsbewertung bei Nierenarterienstenose und Nierenfunktionsstörung
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.