Vandetanib
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Vandetanib
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Vandetanib: Renal cell carcinoma (disease)
- Zusammenfassung
- Überblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Zytotoxizität
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Vandetanib: Renal cell carcinoma (disease)
Zusammenfassung
Vandetanib ist ein Multikinase-Inhibitor, der VEGFR2, RET und EGFR hemmt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Nierenzellkarzinom (renal cell carcinoma) wirksam sein könnte. Die Evidenz ist begrenzt (Evidenzlevel L3): Es gibt 4 klinische Studien und 5 Publikationen zu dieser Vorhersage, darunter eine abgeschlossene Phase-2-Studie bei von-Hippel-Lindau-Erkrankung mit Nierentumoren. Publikationen zur Wirksamkeit von Vandetanib beim Nierenzellkarzinom selbst liegen nicht vor.
Überblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Thyroid Neoplasms |
| Vorhergesagte neue Indikation | Renal cell carcinoma (disease) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9992 |
| Evidenzlevel | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zur Wirkungsweise liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Vandetanib VEGFR2, RET und EGFR hemmt. Die VEGFR-getriebene Angiogenese ist beim Nierenzellkarzinom ein gut validiertes Therapieziel, und andere VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren (z. B. Pazopanib, Cabozantinib) werden dort eingesetzt. Das stützt die biologische Plausibilität.
Beim klarzelligen Nierenzellkarzinom führt der Verlust von VHL typischerweise zu einer HIF-vermittelten VEGF-Überexpression. Die VEGFR2-Hemmung durch Vandetanib setzt genau an dieser Achse an.
Einschränkend sind die vorhandenen Studien klein, vorzeitig beendet oder auf Subtypen (VHL, HLRCC) beschränkt. Ein Wirksamkeitssignal ist in den vorliegenden Daten nicht dokumentiert.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT00566995 | Phase 2 | Abgeschlossen | 37 | Vandetanib bei von-Hippel-Lindau-Erkrankung mit Nierentumoren; Ergebnisse liegen nicht vor |
| NCT01372813 | Phase 2 | Abgebrochen | 3 | Vandetanib bei fortgeschrittenem klarzelligem Nierenzellkarzinom; wegen zu geringer Rekrutierung ohne verwertbare Aussage |
| NCT02495103 | Phase 1/2 | Abgebrochen | 7 | Vandetanib plus Metformin bei HLRCC-/SDH-assoziiertem oder papillärem Nierenzellkarzinom; keine interpretierbaren Wirksamkeitsdaten |
| NCT01191892 | Phase 2 | Abgeschlossen | 82 | Carboplatin/Gemcitabin ± Vandetanib bei fortgeschrittenem Urothelkarzinom; nur indirekter Bezug zum Nierenzellkarzinom |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 40779213 | 2025 | Review | Clinical & Experimental Metastasis | Zielgerichtete Therapien beim metastasierten Fumarathydratase-defizienten Nierenzellkarzinom; mehrere Phase-2-Studien laufen |
| 24451769 | 2012 | Review | ASCO Educational Book | Systemische Therapie fortgeschrittener Schilddrüsenkarzinome; Vandetanib als RET-Inhibitor beim medullären Karzinom |
| 26677336 | 2015 | Review | OncoTargets and Therapy | Überblick über antiangiogene Wirkstoffe bei soliden Tumoren, u. a. Vandetanib |
| 42107510 | 2026 | Review | Pharmacological Research | RET-Inhibitoren bei RET-getriebenem Schilddrüsen- und Lungenkrebs |
| 31043488 | 2019 | Präklinisch (Mausmodell) | Molecular Cancer Research | TFE3-Xp11.2-Translokations-Nierenzellkarzinom im Mausmodell; neue Therapieziele |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002315 | Caprelsa (Sanofi B.V.) | – | Schilddrüsenneoplasmen (Status: gültig) |
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Klassifikation | Zielgerichtete Therapie (Tyrosinkinase-Inhibitor) |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenität | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Elektrolyte (Kalium, Kalzium), EKG (QT-Zeit); für Schilddrüsenfunktion und Blutdruck ergibt sich der Bedarf aus den gelisteten Risikokonstellationen |
| Handhabungsschutz | Bitte Hinweise zur Handhabung zytostatischer bzw. antineoplastischer Arzneimittel der Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
- Mögliche Risikokonstellationen (aus Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen, keine Angaben aus einem Beipackzettel): Bluthochdruck, Long-QT-Syndrom und Torsades de pointes, Hypothyreose, Kaliummangel, Hyperkalzämie, eingeschränkte Nierenfunktion, interstitielle Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz, zerebrale Ischämie bzw. transitorische ischämische Attacke und posteriores Leukoenzephalopathie-Syndrom.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind unter anderem Clarithromycin, Levofloxacin, Dolasetron, Palonosetron, Picosulfursäure, Natriumsulfat und Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten). Mäßig (Moderate) sind unter anderem Famotidin, Metformin, Loperamid, Dexamethason, Bisacodyl und Lactitol. Gering (Minor) sind unter anderem Ranitidin, Rabeprazol, Omeprazol, Lansoprazol, Dexlansoprazol, Naloxegol und Metronidazol.
- Klassenbezogene Sicherheitsdaten: Meta-Analysen zu VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren beschreiben Hepatotoxizität, Proteinurie und behandlungsassoziierte Mortalität. Zusätzlich ist die QT-Verlängerung ein praktisches Hindernis.
Für weitere Sicherheitsinformationen die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für das Nierenzellkarzinom (Level L3) beruht im Kern auf einer abgeschlossenen Phase-2-Studie bei VHL-Erkrankung ohne vorliegende Ergebnisse; die übrigen Studien wurden mit sehr wenigen Patienten vorzeitig beendet. Ein Wirksamkeitssignal ist nicht belegt, und das Sicherheitsprofil (u. a. QT-Verlängerung) erfordert eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung.
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Ergebnisse von NCT00566995 (Wirksamkeit und Verträglichkeit)
- Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank
- Auswertung der Warnhinweise und Gegenanzeigen der Fachinformation
- Bewertung des Nutzens gegenüber etablierten VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren beim Nierenzellkarzinom
- Plan zur Sicherheitsüberwachung, insbesondere EKG-/QT- und Elektrolytkontrollen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.