Vandetanib

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Vandetanib
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Vandetanib: Renal cell carcinoma (disease)
    3. Zusammenfassung
    4. Überblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Vandetanib: Renal cell carcinoma (disease)

Zusammenfassung

Vandetanib ist ein Multikinase-Inhibitor, der VEGFR2, RET und EGFR hemmt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Nierenzellkarzinom (renal cell carcinoma) wirksam sein könnte. Die Evidenz ist begrenzt (Evidenzlevel L3): Es gibt 4 klinische Studien und 5 Publikationen zu dieser Vorhersage, darunter eine abgeschlossene Phase-2-Studie bei von-Hippel-Lindau-Erkrankung mit Nierentumoren. Publikationen zur Wirksamkeit von Vandetanib beim Nierenzellkarzinom selbst liegen nicht vor.

Überblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Thyroid Neoplasms
Vorhergesagte neue Indikation Renal cell carcinoma (disease)
TxGNN-Vorhersagewert 0.9992
Evidenzlevel L3
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zur Wirkungsweise liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Vandetanib VEGFR2, RET und EGFR hemmt. Die VEGFR-getriebene Angiogenese ist beim Nierenzellkarzinom ein gut validiertes Therapieziel, und andere VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren (z. B. Pazopanib, Cabozantinib) werden dort eingesetzt. Das stützt die biologische Plausibilität.

Beim klarzelligen Nierenzellkarzinom führt der Verlust von VHL typischerweise zu einer HIF-vermittelten VEGF-Überexpression. Die VEGFR2-Hemmung durch Vandetanib setzt genau an dieser Achse an.

Einschränkend sind die vorhandenen Studien klein, vorzeitig beendet oder auf Subtypen (VHL, HLRCC) beschränkt. Ein Wirksamkeitssignal ist in den vorliegenden Daten nicht dokumentiert.

Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT00566995 Phase 2 Abgeschlossen 37 Vandetanib bei von-Hippel-Lindau-Erkrankung mit Nierentumoren; Ergebnisse liegen nicht vor
NCT01372813 Phase 2 Abgebrochen 3 Vandetanib bei fortgeschrittenem klarzelligem Nierenzellkarzinom; wegen zu geringer Rekrutierung ohne verwertbare Aussage
NCT02495103 Phase 1/2 Abgebrochen 7 Vandetanib plus Metformin bei HLRCC-/SDH-assoziiertem oder papillärem Nierenzellkarzinom; keine interpretierbaren Wirksamkeitsdaten
NCT01191892 Phase 2 Abgeschlossen 82 Carboplatin/Gemcitabin ± Vandetanib bei fortgeschrittenem Urothelkarzinom; nur indirekter Bezug zum Nierenzellkarzinom

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Zeitschrift Kernaussagen
40779213 2025 Review Clinical & Experimental Metastasis Zielgerichtete Therapien beim metastasierten Fumarathydratase-defizienten Nierenzellkarzinom; mehrere Phase-2-Studien laufen
24451769 2012 Review ASCO Educational Book Systemische Therapie fortgeschrittener Schilddrüsenkarzinome; Vandetanib als RET-Inhibitor beim medullären Karzinom
26677336 2015 Review OncoTargets and Therapy Überblick über antiangiogene Wirkstoffe bei soliden Tumoren, u. a. Vandetanib
42107510 2026 Review Pharmacological Research RET-Inhibitoren bei RET-getriebenem Schilddrüsen- und Lungenkrebs
31043488 2019 Präklinisch (Mausmodell) Molecular Cancer Research TFE3-Xp11.2-Translokations-Nierenzellkarzinom im Mausmodell; neue Therapieziele

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002315 Caprelsa (Sanofi B.V.) – Schilddrüsenneoplasmen (Status: gültig)

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Klassifikation Zielgerichtete Therapie (Tyrosinkinase-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenität Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Elektrolyte (Kalium, Kalzium), EKG (QT-Zeit); für Schilddrüsenfunktion und Blutdruck ergibt sich der Bedarf aus den gelisteten Risikokonstellationen
Handhabungsschutz Bitte Hinweise zur Handhabung zytostatischer bzw. antineoplastischer Arzneimittel der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

  • Mögliche Risikokonstellationen (aus Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen, keine Angaben aus einem Beipackzettel): Bluthochdruck, Long-QT-Syndrom und Torsades de pointes, Hypothyreose, Kaliummangel, Hyperkalzämie, eingeschränkte Nierenfunktion, interstitielle Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz, zerebrale Ischämie bzw. transitorische ischämische Attacke und posteriores Leukoenzephalopathie-Syndrom.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind unter anderem Clarithromycin, Levofloxacin, Dolasetron, Palonosetron, Picosulfursäure, Natriumsulfat und Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten). Mäßig (Moderate) sind unter anderem Famotidin, Metformin, Loperamid, Dexamethason, Bisacodyl und Lactitol. Gering (Minor) sind unter anderem Ranitidin, Rabeprazol, Omeprazol, Lansoprazol, Dexlansoprazol, Naloxegol und Metronidazol.
  • Klassenbezogene Sicherheitsdaten: Meta-Analysen zu VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren beschreiben Hepatotoxizität, Proteinurie und behandlungsassoziierte Mortalität. Zusätzlich ist die QT-Verlängerung ein praktisches Hindernis.

Für weitere Sicherheitsinformationen die Fachinformation heranziehen.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Evidenz für das Nierenzellkarzinom (Level L3) beruht im Kern auf einer abgeschlossenen Phase-2-Studie bei VHL-Erkrankung ohne vorliegende Ergebnisse; die übrigen Studien wurden mit sehr wenigen Patienten vorzeitig beendet. Ein Wirksamkeitssignal ist nicht belegt, und das Sicherheitsprofil (u. a. QT-Verlängerung) erfordert eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Ergebnisse von NCT00566995 (Wirksamkeit und Verträglichkeit)
  • Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank
  • Auswertung der Warnhinweise und Gegenanzeigen der Fachinformation
  • Bewertung des Nutzens gegenüber etablierten VEGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren beim Nierenzellkarzinom
  • Plan zur Sicherheitsüberwachung, insbesondere EKG-/QT- und Elektrolytkontrollen

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.