Zidovudine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 4 |
Inhaltsverzeichnis
- Zidovudine
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Zidovudin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom
- Zusammenfassung in einem Satz
- Kurzüberblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitshinweise
- Fazit und nächste Schritte
- Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)
- Haftungsausschluss
Zidovudin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom
Zusammenfassung in einem Satz
Zidovudin ist ein Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer, der ursprünglich zur Behandlung der HIV-Infektion zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er auch beim felinen erworbenen Immundefizienzsyndrom (Katzen-AIDS) wirksam sein könnte. Dafür liegen keine klinischen Studien am Menschen, aber 19 Publikationen vor, überwiegend tierexperimentelle Arbeiten.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | HIV-Infektion |
| Vorhergesagte neue Indikation | Felines erworbenes Immundefizienzsyndrom (veterinärmedizinische Indikation) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9996 |
| Evidenzniveau | L5 (tierexperimentelle und veterinärklinische Studien, keine Humanstudien) |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2) |
| Anzahl der Zulassungen | 2 (gültig: 2) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Forschungsfrage, keine Humanindikation) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zu den Wirkmechanismen liegen in den zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Zidovudin ist ein Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), dessen Wirksamkeit bei HIV belegt ist. Das Feline Immundefizienzvirus (FIV) ist ein Lentivirus mit einer Reverse Transkriptase, die der von HIV-1 eng verwandt ist. Der Wirkmechanismus lässt sich daher plausibel übertragen.
Veröffentlichte Arbeiten umfassen Studien an natürlich infizierten Katzen sowie an SCID-Katzen-Mäusen, in denen die Provirenlast sank. In einigen Studien senkte Zidovudin die Plasma-Viruslast und verhinderte frühe Virämie. Eine Infektion verhinderte es jedoch nicht. Zudem wurde eine Toxizität bei FeLV-infizierten Katzen beschrieben (PMID 2163339).
Wichtig: Es handelt sich um eine tiermedizinische Indikation. Sie ist eher ein präklinisches Modell für HIV als eine eigenständige Humanindikation.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 22816032 | 2012 | Veterinärklinische Studie | Viruses | Vergleich von Zidovudin allein und in Kombination (rHuIFN-α, Lamivudin, Valproat) bei natürlich FIV-infizierten Katzen über ein Jahr |
| 7688949 | 1993 | Tierstudie | Archives of Virology | Zidovudin senkte den Plasma-Virustiter nach 2 Wochen, verhinderte die Infektion aber nicht |
| 8381867 | 1993 | Tierstudie | J Acquir Immune Defic Syndr | Prophylaktisches Zidovudin verhinderte frühe Virämie und Lymphozytenabfall, aber keine Primärinfektion |
| 7749786 | 1995 | Tierstudie | J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol | Frühe Virämie-Unterdrückung veränderte die Ausbreitung der FIV-Infektion nicht; CD4-Zellzahlen waren höher |
| 7618256 | 1995 | Tiermodell | Vet Immunol Immunopathol | Geringere Provirenlast und verbesserte humorale Immunfunktion bei AZT-behandelten SCID-Katzen-Mäusen |
| 7495172 | 1995 | Veterinärklinische Studie | Zentralbl Veterinarmed A | Langzeitbehandlung erkrankter FIV-seropositiver Katzen mit AZT |
| 1363008 | 1992 | Veterinärklinische Studie | Vet Immunol Immunopathol | AZT und PMEA bei natürlich FIV- und FeLV-infizierten Katzen: Wirksamkeit und Nebenwirkungen |
| 10952586 | 2000 | Tierstudie | Antimicrob Agents Chemother | Antivirale Therapie senkte die Viruslast, verhinderte aber keine Thymusinvolution bei jungen Katzen |
| 25855689 | 2016 | Verlaufsstudie | J Feline Med Surg | Langzeit-ART (5–6 Jahre) bei FIV-infizierten Katzen, beginnend mit AZT |
| 2163339 | 1990 | Tiertoxizitätsstudie | Fundam Appl Toxicol | Toxizität von Zidovudin bei FeLV-infizierten Katzen |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000190 | Combivir | nicht angegeben | HIV-Infektionen (gültig) |
| EMEA/H/C/000338 | Trizivir | nicht angegeben | HIV-Infektionen (gültig) |
Sicherheitshinweise
Für die Packungsbeilage relevante Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen in den zusammengestellten Daten nicht vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, kein Etikettentext): Leberversagen, Nierenerkrankung, Pankreatitis, Lebererkrankung, Myopathie, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie, Fettleber, Laktatazidose, Hypertriglyzeridämie, Myositis und weitere.
- Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst. Beispiele (mittlere Relevanz): Amphotericin B, Kortikosteroide (Dexamethason, Prednison, Hydrocortison u. a.), Naltrexon, Rosuvastatin, Simvastatin, Orlistat. Geringe Relevanz: Cimetidin, Clarithromycin.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für felines AIDS stammt ausschließlich aus Tier- und Veterinärstudien. Es gibt keine Humanstudien, und die Indikation ist veterinärmedizinisch.
Weitere Schritte:
- Klärung, ob eine veterinärmedizinische Indikation überhaupt im Projektrahmen liegt
- Beschaffung der Fachinformation des BfArM (Warnhinweise, Gegenanzeigen)
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Bewertung der Toxizität (u. a. hämatologisch) im Zieltier
Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)
| Rang | Indikation | Score | Evidenz | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| 2 | Infektion mit dem Simianen Immundefizienzvirus | 0,9996 | L5 (Primatenstudien, keine Humanstudien) | Forschungsfrage |
| 3 | Neuroentwicklungsstörung mit ataktischem Gang, fehlender Sprache und verminderter kortikaler weißer Substanz | 0,9996 | L5 | Hold |
| 4 | Veraltet: familiäre kombinierte Hyperlipidämie | 0,9962 | L5 | Hold (Zidovudin kann Lipidstörungen eher verschlechtern) |
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.