Zidovudine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Zidovudine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Zidovudin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitshinweise
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Zidovudin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom

Zusammenfassung in einem Satz

Zidovudin ist ein Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer, der ursprünglich zur Behandlung der HIV-Infektion zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er auch beim felinen erworbenen Immundefizienzsyndrom (Katzen-AIDS) wirksam sein könnte. Dafür liegen keine klinischen Studien am Menschen, aber 19 Publikationen vor, überwiegend tierexperimentelle Arbeiten.

Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV-Infektion
Vorhergesagte neue Indikation Felines erworbenes Immundefizienzsyndrom (veterinärmedizinische Indikation)
TxGNN-Vorhersagewert 0,9996
Evidenzniveau L5 (tierexperimentelle und veterinärklinische Studien, keine Humanstudien)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold (Forschungsfrage, keine Humanindikation)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu den Wirkmechanismen liegen in den zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Zidovudin ist ein Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), dessen Wirksamkeit bei HIV belegt ist. Das Feline Immundefizienzvirus (FIV) ist ein Lentivirus mit einer Reverse Transkriptase, die der von HIV-1 eng verwandt ist. Der Wirkmechanismus lässt sich daher plausibel übertragen.

Veröffentlichte Arbeiten umfassen Studien an natürlich infizierten Katzen sowie an SCID-Katzen-Mäusen, in denen die Provirenlast sank. In einigen Studien senkte Zidovudin die Plasma-Viruslast und verhinderte frühe Virämie. Eine Infektion verhinderte es jedoch nicht. Zudem wurde eine Toxizität bei FeLV-infizierten Katzen beschrieben (PMID 2163339).

Wichtig: Es handelt sich um eine tiermedizinische Indikation. Sie ist eher ein präklinisches Modell für HIV als eine eigenständige Humanindikation.

Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
22816032 2012 Veterinärklinische Studie Viruses Vergleich von Zidovudin allein und in Kombination (rHuIFN-α, Lamivudin, Valproat) bei natürlich FIV-infizierten Katzen über ein Jahr
7688949 1993 Tierstudie Archives of Virology Zidovudin senkte den Plasma-Virustiter nach 2 Wochen, verhinderte die Infektion aber nicht
8381867 1993 Tierstudie J Acquir Immune Defic Syndr Prophylaktisches Zidovudin verhinderte frühe Virämie und Lymphozytenabfall, aber keine Primärinfektion
7749786 1995 Tierstudie J Acquir Immune Defic Syndr Hum Retrovirol Frühe Virämie-Unterdrückung veränderte die Ausbreitung der FIV-Infektion nicht; CD4-Zellzahlen waren höher
7618256 1995 Tiermodell Vet Immunol Immunopathol Geringere Provirenlast und verbesserte humorale Immunfunktion bei AZT-behandelten SCID-Katzen-Mäusen
7495172 1995 Veterinärklinische Studie Zentralbl Veterinarmed A Langzeitbehandlung erkrankter FIV-seropositiver Katzen mit AZT
1363008 1992 Veterinärklinische Studie Vet Immunol Immunopathol AZT und PMEA bei natürlich FIV- und FeLV-infizierten Katzen: Wirksamkeit und Nebenwirkungen
10952586 2000 Tierstudie Antimicrob Agents Chemother Antivirale Therapie senkte die Viruslast, verhinderte aber keine Thymusinvolution bei jungen Katzen
25855689 2016 Verlaufsstudie J Feline Med Surg Langzeit-ART (5–6 Jahre) bei FIV-infizierten Katzen, beginnend mit AZT
2163339 1990 Tiertoxizitätsstudie Fundam Appl Toxicol Toxizität von Zidovudin bei FeLV-infizierten Katzen

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000190 Combivir nicht angegeben HIV-Infektionen (gültig)
EMEA/H/C/000338 Trizivir nicht angegeben HIV-Infektionen (gültig)

Sicherheitshinweise

Für die Packungsbeilage relevante Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen in den zusammengestellten Daten nicht vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, kein Etikettentext): Leberversagen, Nierenerkrankung, Pankreatitis, Lebererkrankung, Myopathie, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie, Fettleber, Laktatazidose, Hypertriglyzeridämie, Myositis und weitere.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst. Beispiele (mittlere Relevanz): Amphotericin B, Kortikosteroide (Dexamethason, Prednison, Hydrocortison u. a.), Naltrexon, Rosuvastatin, Simvastatin, Orlistat. Geringe Relevanz: Cimetidin, Clarithromycin.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Evidenz für felines AIDS stammt ausschließlich aus Tier- und Veterinärstudien. Es gibt keine Humanstudien, und die Indikation ist veterinärmedizinisch.

Weitere Schritte:

  • Klärung, ob eine veterinärmedizinische Indikation überhaupt im Projektrahmen liegt
  • Beschaffung der Fachinformation des BfArM (Warnhinweise, Gegenanzeigen)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
  • Bewertung der Toxizität (u. a. hämatologisch) im Zieltier

Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)

Rang Indikation Score Evidenz Empfehlung
2 Infektion mit dem Simianen Immundefizienzvirus 0,9996 L5 (Primatenstudien, keine Humanstudien) Forschungsfrage
3 Neuroentwicklungsstörung mit ataktischem Gang, fehlender Sprache und verminderter kortikaler weißer Substanz 0,9996 L5 Hold
4 Veraltet: familiäre kombinierte Hyperlipidämie 0,9962 L5 Hold (Zidovudin kann Lipidstörungen eher verschlechtern)

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.