Acetylsalicylic Acid
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 9 |
Inhaltsverzeichnis
- Acetylsalicylic Acid
- Acetylsalicylsäure: Von Akutem Koronarsyndrom/Myokardinfarkt zu Migräne mit Hirnstammaura
Acetylsalicylsäure: Von Akutem Koronarsyndrom/Myokardinfarkt zu Migräne mit Hirnstammaura
Zusammenfassung
Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein Thrombozytenaggregationshemmer und wird in Kombinationspräparaten mit Clopidogrel beim akuten Koronarsyndrom und Myokardinfarkt eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei Migräne mit Hirnstammaura wirksam sein könnte. Dafür liegen keine registrierten klinischen Studien vor, jedoch 20 Publikationen (überwiegend indirekte Evidenz zu Migräne mit Aura allgemein).
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt |
| Vorhergesagte neue Indikation | Migräne mit Hirnstammaura |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,94 % |
| Evidenzniveau | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 3 (alle erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank vor. Bekanntermaßen hemmt ASS irreversibel die Cyclooxygenase-1 (COX-1) und senkt dadurch die Thromboxan-A2-Bildung und die Thrombozytenaggregation. Zusätzlich wirkt es entzündungshemmend und analgetisch.
Der Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der neuen Indikation ist nur indirekt: Es wird vermutet, dass die thrombozytenvermittelte Mikroembolie und die Auslösung einer kortikalen Streudepolarisation bei Migräne mit Aura eine Rolle spielen, möglicherweise in Verbindung mit einem offenen Foramen ovale (PFO). Eine retrospektive Studie (PMID 25729594) deutet auf einen Nutzen von ASS in der Prophylaxe der Migräne mit Aura hin.
Wichtig: Die vorhandene Evidenz bezieht sich auf Migräne mit Aura allgemein, nicht speziell auf den Subtyp mit Hirnstammaura. Eine tierexperimentelle Studie (PMID 7907982) fand zudem, dass Migränemittel die kortikale Streudepolarisation nicht beeinflussen.
Klinische Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien für Migräne mit Hirnstammaura registriert.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 39989443 | 2025 | Systematische Übersichtsarbeit | Headache | Untersucht die Rolle von Antithrombotika in der Migräneprophylaxe |
| 19708964 | 2009 | Leitlinie | Eur J Neurol | Überarbeitete EFNS-Leitlinie zur medikamentösen Migränetherapie |
| 16796580 | 2006 | Leitlinie | Eur J Neurol | EFNS-Leitlinie zur medikamentösen Migränetherapie |
| 10448545 | 1999 | RCT | Cephalalgia | Intravenöses ASS-Lysinat versus subkutanes Sumatriptan und Placebo bei akuter Migräne (278 Patienten) |
| 25729594 | 2014 | Retrospektive Kohortenstudie | Curr Health Sci J | Wirksamkeit und Verträglichkeit niedrig dosierter ASS in der Prophylaxe der Migräne mit Aura (203 Patienten) |
| 26908949 | 2016 | RCT (PFO-Verschluss, nicht ASS) | Eur Heart J | PRIMA-Studie: perkutaner PFO-Verschluss bei therapierefraktärer Migräne mit Aura |
| 9606899 | 1998 | Klinische Studie | Zh Nevrol Psikhiatr | Prophylaxe der Migräne ohne Aura mit ASS in drei Dosierungen (105 Patienten) |
| 15265054 | 2004 | Experimentelle Studie | Cephalalgia | Antinozizeptive Wirkung von i.v. ASS und Zolmitriptan auf den Blinkreflex |
| 1589237 | 1992 | Experimentelle physiologische Studie | Pain | ASS aktiviert antinozizeptive Hirnstammreflexe bei Kopfschmerzpatienten und Gesunden |
| 15891416 | 2005 | Übersichtsarbeit | Curr Opin Neurol | Zusammenhang zwischen offenem Foramen ovale, Migräne und Schlaganfall |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004996 | Clopidogrel / Acetylsalicylic acid Viatris (zuvor Mylan) | – | Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt |
| EMEA/H/C/001143 | DuoPlavin | – | Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt |
| EMEA/H/C/001144 | Clopidogrel/Acetylsalicylic acid Zentiva (zuvor DuoCover) | – | Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge in den Daten, Auswahl der Einträge mit Schweregrad „Major"):
- Acalabrutinib
- Acetazolamid
- Ketorolac
- Trastuzumab-Emtansin
- Ibuprofen
- Fondaparinux
Weitere Wechselwirkungen mit mittlerem oder geringem Schweregrad sind erfasst (z. B. Abciximab, Nifedipin, Hydrocortison, Ethanol, Alendronsäure, Fluvoxamin).
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen keine Daten vor. Bitte die Fachinformation zu Rate ziehen. Bei einer Anwendung ist das Blutungsrisiko besonders zu beachten.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich auf einen sehr hohen Modellwert, aber es gibt keine registrierten Studien und keine Evidenz speziell für Migräne mit Hirnstammaura. Die vorhandene Literatur ist überwiegend indirekt (Migräne mit Aura allgemein, retrospektive Daten). Zusätzlich fehlen Sicherheitsdaten aus der Fachinformation, und es bestehen derzeit keine gültigen Zulassungen in Deutschland.
Für ein Fortschreiten sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
- Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank
- Gezielte Evidenz oder prospektive Studien zur Migräne mit Hirnstammaura bzw. zur Migräne mit Aura (inkl. PFO-Subgruppe)
- Klärung der Verfügbarkeit von Monopräparaten, da die erfassten Zulassungen nur erloschene Kombinationspräparate betreffen
- Bewertung des Blutungsrisikos bei Dauerprophylaxe
Hinweis zu weiteren vorhergesagten Indikationen
Unter den weiteren Vorhersagen sind zwei mit Studiendaten: thrombotische Erkrankung (Evidenzniveau L2, mit einer noch nicht rekrutierenden Phase-3-Studie NCT07228663; Empfehlung „Proceed with Guardrails", da dies eine Erweiterung innerhalb des kardiovaskulären Thrombosebereichs ist) und Thrombophilie (L2, Empfehlung „Research Question"). Die übrigen Vorhersagen (z. B. Atrophoderma vermiculata, Ulerythema ophryogenes, Antithrombinmangel Typ 2) haben nur Modellevidenz (L5) und werden mit „Hold" bewertet.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.