Acetylsalicylic Acid

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Acetylsalicylic Acid
  2. Acetylsalicylsäure: Von Akutem Koronarsyndrom/Myokardinfarkt zu Migräne mit Hirnstammaura
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
      1. Hinweis zu weiteren vorhergesagten Indikationen
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Acetylsalicylsäure: Von Akutem Koronarsyndrom/Myokardinfarkt zu Migräne mit Hirnstammaura

Zusammenfassung

Acetylsalicylsäure (ASS) ist ein Thrombozytenaggregationshemmer und wird in Kombinationspräparaten mit Clopidogrel beim akuten Koronarsyndrom und Myokardinfarkt eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei Migräne mit Hirnstammaura wirksam sein könnte. Dafür liegen keine registrierten klinischen Studien vor, jedoch 20 Publikationen (überwiegend indirekte Evidenz zu Migräne mit Aura allgemein).


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt
Vorhergesagte neue Indikation Migräne mit Hirnstammaura
TxGNN-Vorhersagewert 99,94 %
Evidenzniveau L3
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/zurückgezogene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 3 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank vor. Bekanntermaßen hemmt ASS irreversibel die Cyclooxygenase-1 (COX-1) und senkt dadurch die Thromboxan-A2-Bildung und die Thrombozytenaggregation. Zusätzlich wirkt es entzündungshemmend und analgetisch.

Der Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der neuen Indikation ist nur indirekt: Es wird vermutet, dass die thrombozytenvermittelte Mikroembolie und die Auslösung einer kortikalen Streudepolarisation bei Migräne mit Aura eine Rolle spielen, möglicherweise in Verbindung mit einem offenen Foramen ovale (PFO). Eine retrospektive Studie (PMID 25729594) deutet auf einen Nutzen von ASS in der Prophylaxe der Migräne mit Aura hin.

Wichtig: Die vorhandene Evidenz bezieht sich auf Migräne mit Aura allgemein, nicht speziell auf den Subtyp mit Hirnstammaura. Eine tierexperimentelle Studie (PMID 7907982) fand zudem, dass Migränemittel die kortikale Streudepolarisation nicht beeinflussen.


Klinische Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien für Migräne mit Hirnstammaura registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
39989443 2025 Systematische Übersichtsarbeit Headache Untersucht die Rolle von Antithrombotika in der Migräneprophylaxe
19708964 2009 Leitlinie Eur J Neurol Überarbeitete EFNS-Leitlinie zur medikamentösen Migränetherapie
16796580 2006 Leitlinie Eur J Neurol EFNS-Leitlinie zur medikamentösen Migränetherapie
10448545 1999 RCT Cephalalgia Intravenöses ASS-Lysinat versus subkutanes Sumatriptan und Placebo bei akuter Migräne (278 Patienten)
25729594 2014 Retrospektive Kohortenstudie Curr Health Sci J Wirksamkeit und Verträglichkeit niedrig dosierter ASS in der Prophylaxe der Migräne mit Aura (203 Patienten)
26908949 2016 RCT (PFO-Verschluss, nicht ASS) Eur Heart J PRIMA-Studie: perkutaner PFO-Verschluss bei therapierefraktärer Migräne mit Aura
9606899 1998 Klinische Studie Zh Nevrol Psikhiatr Prophylaxe der Migräne ohne Aura mit ASS in drei Dosierungen (105 Patienten)
15265054 2004 Experimentelle Studie Cephalalgia Antinozizeptive Wirkung von i.v. ASS und Zolmitriptan auf den Blinkreflex
1589237 1992 Experimentelle physiologische Studie Pain ASS aktiviert antinozizeptive Hirnstammreflexe bei Kopfschmerzpatienten und Gesunden
15891416 2005 Übersichtsarbeit Curr Opin Neurol Zusammenhang zwischen offenem Foramen ovale, Migräne und Schlaganfall

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004996 Clopidogrel / Acetylsalicylic acid Viatris (zuvor Mylan) – Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt
EMEA/H/C/001143 DuoPlavin – Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt
EMEA/H/C/001144 Clopidogrel/Acetylsalicylic acid Zentiva (zuvor DuoCover) – Akutes Koronarsyndrom; Myokardinfarkt

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge in den Daten, Auswahl der Einträge mit Schweregrad „Major"):

  • Acalabrutinib
  • Acetazolamid
  • Ketorolac
  • Trastuzumab-Emtansin
  • Ibuprofen
  • Fondaparinux

Weitere Wechselwirkungen mit mittlerem oder geringem Schweregrad sind erfasst (z. B. Abciximab, Nifedipin, Hydrocortison, Ethanol, Alendronsäure, Fluvoxamin).

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen keine Daten vor. Bitte die Fachinformation zu Rate ziehen. Bei einer Anwendung ist das Blutungsrisiko besonders zu beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich auf einen sehr hohen Modellwert, aber es gibt keine registrierten Studien und keine Evidenz speziell für Migräne mit Hirnstammaura. Die vorhandene Literatur ist überwiegend indirekt (Migräne mit Aura allgemein, retrospektive Daten). Zusätzlich fehlen Sicherheitsdaten aus der Fachinformation, und es bestehen derzeit keine gültigen Zulassungen in Deutschland.

Für ein Fortschreiten sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
  • Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank
  • Gezielte Evidenz oder prospektive Studien zur Migräne mit Hirnstammaura bzw. zur Migräne mit Aura (inkl. PFO-Subgruppe)
  • Klärung der Verfügbarkeit von Monopräparaten, da die erfassten Zulassungen nur erloschene Kombinationspräparate betreffen
  • Bewertung des Blutungsrisikos bei Dauerprophylaxe

Hinweis zu weiteren vorhergesagten Indikationen

Unter den weiteren Vorhersagen sind zwei mit Studiendaten: thrombotische Erkrankung (Evidenzniveau L2, mit einer noch nicht rekrutierenden Phase-3-Studie NCT07228663; Empfehlung „Proceed with Guardrails", da dies eine Erweiterung innerhalb des kardiovaskulären Thrombosebereichs ist) und Thrombophilie (L2, Empfehlung „Research Question"). Die übrigen Vorhersagen (z. B. Atrophoderma vermiculata, Ulerythema ophryogenes, Antithrombinmangel Typ 2) haben nur Modellevidenz (L5) und werden mit „Hold" bewertet.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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