Alanine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Alanin: Von der Ahornsirupkrankheit zur Gastroparese
Zusammenfassung in einem Satz
Alanin (Handelsname Maapliv) wurde ursprünglich zur Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Gastroparese wirksam sein könnte, allerdings gibt es dafür derzeit keine klinischen Studien und keine Publikation, die Alanin direkt als Therapie untersucht. Die Vorhersage beruht allein auf dem Modellwert.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Gastroparese |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,37 % |
| Evidenzgrad | L5 (nur Modellvorhersage) |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?
Zum Wirkmechanismus von Alanin liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Alanin eine nicht-essenzielle Aminosäure ist, die am Glukose-Alanin-Zyklus und an der Glukoneogenese beteiligt ist. Die Zulassung bei der Ahornsirupkrankheit beruht auf der Rolle als Aminosäurequelle in einer Ernährungstherapie.
Ein direkter mechanistischer Zusammenhang zwischen Alanin und der Gastroparese (verzögerte Magenentleerung) ist nicht dokumentiert. Die Stoffwechselfunktion von Alanin adressiert die verzögerte Magenentleerung nicht unmittelbar. Die ursprüngliche und die vorhergesagte Indikation sind pharmakologisch kaum verwandt; die Ähnlichkeit zwischen beiden wurde nicht bewertet.
Die gefundene Literatur betrifft Magen-Darm- und Lebererkrankungen bei Diabetes und Nierenerkrankungen. Diese stellen nur indirekte Begleiterkrankungs-Assoziationen im diabetischen und metabolischen Umfeld dar, in dem eine Gastroparese auftritt. Keine der Arbeiten untersucht Alanin als Behandlung. Die Vorhersage ist daher als Hypothese zu verstehen.
Klinische Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 10926110 | 2000 | Review | Advances in Renal Replacement Therapy | Magen-Darm- und Lebererkrankungen bei Nierenerkrankung im Endstadium und nach Transplantation; Gastroparese tritt bei chronischem Nierenversagen häufiger auf. Alanin wird nicht untersucht. |
| 26315331 | 2016 | Review | Diabetic Medicine | Diabetische Hepatosklerose als mögliche mikrovaskuläre Diabeteskomplikation. Kein Bezug zu Alanin. |
| 33763324 | 2021 | Review (Fallbericht) | Cureus | Glykogen-Hepatopathie bei Typ-1-Diabetes; die Patientin hatte unter anderem eine Gastroparese. Kein Bezug zu Alanin als Therapie. |
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
Diese Zulassung ist erloschen bzw. zurückgezogen (Status: cancelled). Der Inhaber war Recordati Rare Diseases.
Sicherheitsaspekte
Zu den Wechselwirkungen wurden in den Daten keine Einträge gefunden.
Aus dem Wissensgraphen (TxGNN/PrimeKG, keine Angaben aus der Fachinformation) ergeben sich Kontraindikationen-Verknüpfungen zu folgenden Erkrankungen:
- Nieren- und Harnwege: Nierenerkrankung, chronische Nierenerkrankung, chronisches Nierenversagen, terminale Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie, Pyoureter
- Kalzium- und Phosphorstoffwechsel: Hyperkalzämie, humorale Hyperkalzämie bei Malignität, Sarkoidose, Phosphorstoffwechselstörung
- Herz-Kreislauf: Herzerkrankung, kardiovaskuläre Erkrankung, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung
- Aminosäurestoffwechsel: Phenylketonurie, Störung des Phenylalaninstoffwechsels
Diese Verknüpfungen sind modellbasiert und müssen anhand der Fachinformation verifiziert werden. Für Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation liegen keine Daten vor; bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation beachten.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich ausschließlich auf einen hohen TxGNN-Wert (Evidenzgrad L5). Es gibt weder klinische Studien noch Literatur, die Alanin bei Gastroparese untersuchen, und keinen dokumentierten Wirkmechanismus. Zudem ist die einzige deutsche/europäische Zulassung erloschen.
Für ein Weiterverfolgen sind folgende Schritte nötig:
- Wirkmechanismus-Daten (MOA) ergänzen, z. B. über DrugBank
- Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) über BfArM beschaffen und die Sicherheitsprüfung durchführen, da dies derzeit ein blockierendes Datenlücken-Element ist
- Präklinische oder mechanistische Studien, die einen Zusammenhang zwischen Alanin und der Magenentleerung belegen
- Bewertung der modellbasierten Kontraindikationen (insbesondere Nierenerkrankungen, die bei Gastroparese-Patienten häufig vorkommen)
- Prüfung der Applikationswege und der Verfügbarkeit eines geeigneten Präparats, da die Zulassung erloschen ist
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.