Amikacin
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Amikacin: Von Atemwegsinfektionen zu Paratyphus
Zusammenfassung
Amikacin ist ein Aminoglykosid-Antibiotikum, das in Deutschland (liposomale Formulierung Arikayce) zur Behandlung von Atemwegsinfektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Paratyphus wirksam sein könnte. Die Evidenz ist jedoch schwach: Es gibt keine klinischen Studien und 8 Publikationen, überwiegend Epidemiologie, Antibiogramm-Erhebungen und Fallberichte, ohne klinischen Wirksamkeitsnachweis für Amikacin.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Atemwegsinfektionen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Paratyphus (paratyphoid fever) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,82 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (0 gültig, 1 erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus vor. Amikacin gehört jedoch zur Klasse der Aminoglykoside, ist gegen viele gramnegative Bakterien wirksam, und seine Wirksamkeit bei Atemwegsinfektionen ist belegt. Eine Aktivität gegen Salmonella paratyphi ist daher biologisch plausibel.
Dem stehen erhebliche Einschränkungen gegenüber: Aminoglykoside dringen schlecht in Zellen ein, Salmonella ist aber ein fakultativ intrazellulärer Erreger. In der klinischen Praxis gelten Aminoglykoside bei Typhus bzw. Paratyphus deshalb generell nicht als wirksam. Standardtherapien sind Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation und Azithromycin. Die abgerufene Literatur belegt keine klinische Wirksamkeit von Amikacin.
Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Für Typhus (Rang 4) existiert eine In-vitro-Studie (PMID 19554971) mit Empfindlichkeit von S. Typhi gegenüber Amikacin. Eine chinesische Vergleichsstudie (PMID 2598731) berichtete zudem eine klinische Ansprechrate von nur 36,4 % unter Amikacin gegenüber 100 % unter Ofloxacin.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 14596347 | 2003 | Epidemiologie/Surveillance | The new microbiologica | Auftreten von S. typhi und S. paratyphi bei Durchfallerkrankungen in Jordanien 1988–2000 |
| 27407999 | 2007 | Kohorte/Antibiogramm | Med J Armed Forces India | Erneute Chloramphenicol-Empfindlichkeit bei Enterischem Fieber (45 Fälle, Nordindien) |
| 18383953 | 2007 | Prospektive Kohorte | J Indian Med Assoc | Klinisches Profil und Antibiotika-Empfindlichkeit bei 145 Kindern mit Enterischem Fieber |
| 26905550 | 2014 | Antibiogramm-Erhebung | JNMA | Häufigkeit von Blutkultur-Isolaten und deren Resistenzmuster in einem Lehrkrankenhaus |
| 16410091 | 2006 | Fallserie | J Pediatr Surg | Milzabszess bei 4 Kindern, behandelt mit Drainage und Antibiotika |
| 30724049 | 2018 | Mikrobiologische Erhebung | Pak J Biol Sci | Isolierung von S. paratyphi bei Patienten mit Enterischem Fieber in Quetta |
| 2516600 | 1989 | Klinischer Bericht | Mikrobiyoloji bulteni | Antibiotika und Behandlungsergebnisse bei 48 Patienten mit Paratyphus-B-Infektion |
| 10505326 | 1999 | Fallbericht | Pediatr Hematol Oncol | Akalkulöse Cholezystitis durch S. paratyphi B bei einem Kind mit Leukämie, erfolgreich mit Cefepim, Amikacin und G-CSF behandelt |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005264 | Arikayce liposomal | – | Atemwegsinfektionen |
Diese Zulassung ist erloschen bzw. widerrufen.
Sicherheitshinweise
- Aus dem Wissensgraphen abgeleitete Kontraindikationen (keine Angaben aus dem Beipackzettel): Nierenerkrankung, Pyoureter, Hyperkalzämie, Nephrokalzinose, Störungen des Phosphorstoffwechsels, zentral bedingter Schwindel, Myasthenia gravis (auch adulte Form), Erkrankungen der neuromuskulären Endplatte, Parkinson-Syndrome und Morbus Parkinson.
- Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge erfasst; Auswahl):
- Schwerwiegend (Major): Magnesiumsulfat, Mannitol
- Moderat: Amphotericin B (inkl. liposomaler, Lipidkomplex- und Cholesterylsulfat-Formen), Kanamycin, Neomycin (auch topisch), Acetylsalicylsäure, Exenatid, Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Esomeprazol, Lansoprazol, Dexlansoprazol, Pantoprazol, Rabeprazol), Mesalazin, Balsalazid, Olsalazin
Weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen) sind der Fachinformation zu entnehmen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich ausschließlich auf ein Modell und auf indirekte Literatur ohne klinischen Wirksamkeitsnachweis. Zusätzlich sprechen die schlechte intrazelluläre Penetration, die schwache klinische Ansprechrate in einer Vergleichsstudie und die etablierten Standardtherapien gegen einen Nutzen. Zudem ist in Deutschland keine gültige Zulassung vorhanden.
Für ein Weiterverfolgen wären erforderlich:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) als Grundlage für ein Sicherheitsscreening
- Kontrollierte klinische Daten zur Wirksamkeit von Amikacin bei Paratyphus/Typhus im Vergleich zur Standardtherapie
- Klärung der Zulassungs- und Verfügbarkeitssituation in Deutschland
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.