Aspartic Acid

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Aspartic Acid
  2. Asparaginsäure: Von der Ahornsirupkrankheit zur renalen tubulären Azidose
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Asparaginsäure: Von der Ahornsirupkrankheit zur renalen tubulären Azidose

Zusammenfassung in einem Satz

Asparaginsäure (Handelsname Maapliv) wurde ursprünglich zur Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei renaler tubulärer Azidose wirksam sein könnte. Diese Vorhersage stützt sich jedoch bislang auf keine klinischen Studien und auf 4 Publikationen ohne direkten Behandlungsbezug, sodass sie rein hypothesengenerierend ist.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)
Vorhergesagte neue Indikation Renale tubuläre Azidose
TxGNN-Vorhersagewert 99,47 %
Evidenzgrad L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassung (keine gültige Zulassung)
Anzahl der Zulassungen 1 (davon 0 gültig, 1 aufgehoben)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus von Asparaginsäure liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Asparaginsäure eine nicht-essenzielle Aminosäure ist, die am Harnstoffzyklus, am Malat-Aspartat-Shuttle und an der renalen Ammoniakbildung (über den Glutamin-/Aspartat-Stoffwechsel) beteiligt ist.

Eine denkbare, aber nicht belegte Verbindung zur neuen Indikation: Asparaginsäure könnte zur renalen Ammoniakproduktion und damit zur Säure-Basen-Regulation beitragen, die bei der distalen renalen tubulären Azidose gestört ist. Die gefundene Literatur befasst sich jedoch mit der Genetik und Diagnostik der renalen tubulären Azidose sowie mit der Physiologie der Ammoniakbildung, nicht mit Asparaginsäure als Therapie.

Die Standardbehandlung der renalen tubulären Azidose besteht in einer Alkalitherapie (Bicarbonat oder Citrat). Nichts in den vorliegenden Daten deutet darauf hin, dass Asparaginsäure diese ersetzen oder sinnvoll ergänzen würde. Trotz des sehr hohen Modellwerts bleibt die Vorhersage daher eine Hypothese.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
26208211 2015 Diagnostische/genetische Studie Jornal de pediatria Genetische Diagnose der distalen renalen tubulären Azidose bei vier Kindern mittels Exom-Sequenzierung; kein Bezug zu Asparaginsäure als Therapie
6422151 1983 Fallbericht Journal of inherited metabolic disease Neugeborenes mit Pyruvatcarboxylase-Mangel, proximaler renaler tubulärer Azidose und Cystinurie; unter Ernährungsergänzung u. a. mit Asparaginsäure und Asparagin gedieh das Kind (Abstract unvollständig)
20068363 2010 Genetische Fallserie Nephron. Physiology Distale renale tubuläre Azidose bei philippinischen Kindern durch SLC4A1-Mutationen (AE1, Band 3)
14301365 1965 Grundlagenphysiologie The American Journal of Physiology Zusammenhang zwischen dem pNH3 der Tubuluszellen und der renalen Ammoniakproduktion

Keine dieser Publikationen belegt die Wirksamkeit von Asparaginsäure bei renaler tubulärer Azidose. Der Fallbericht von 1983 ist der einzige mit einem Hinweis auf eine Aminosäurensupplementierung, betrifft aber eine komplexe Stoffwechselerkrankung.


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005557 Maapliv – Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)

Die Zulassung (Inhaber: Recordati Rare Diseases) ist aufgehoben; es besteht keine gültige Zulassung.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (TxGNN/PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Nierenerkrankung, Pyourether, Durchfallerkrankungen (auch chronisch), atrioventrikulärer Block, hyperkaliämische periodische Paralyse, periodische Paralyse, Hypoaldosteronismus, Myotonia congenita, Gastroparese.

Bemerkenswert ist, dass „Nierenerkrankung“ als Kontraindikation geführt wird, was für eine Anwendung bei einer Nierentubulus-Erkrankung sorgfältig geprüft werden müsste. Für weitere Sicherheitsinformationen siehe die Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage hat zwar einen sehr hohen Modellwert, wird aber weder durch klinische Studien noch durch Literatur zur Behandlung gestützt (Evidenzgrad L5). Die Standardtherapie (Alkalitherapie) ist etabliert, und die in der Wissensbasis hinterlegte Kontraindikation „Nierenerkrankung“ spricht zusätzlich für Zurückhaltung. Zudem besteht in Deutschland keine gültige Zulassung.

Für ein Weiterkommen erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA), z. B. über DrugBank
  • Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der BfArM-Packungsbeilage (derzeit blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
  • Präklinische Studien oder mechanistische Untersuchungen zu Asparaginsäure und renaler Ammoniakbildung/Säureausscheidung bei renaler tubulärer Azidose
  • Klärung der Routenkompatibilität und des Vorteils gegenüber der Alkalitherapie
  • Prüfung der Sicherheit bei eingeschränkter Nierenfunktion

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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