Cholecalciferol

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 7

Inhaltsverzeichnis

  1. Cholecalciferol
  2. Cholecalciferol: Von postmenopausaler Osteoporose zu familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus (gestörte PTH-Sekretion)
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturevidenz
    6. Weitere vorhergesagte Indikationen
      1. Studien zur renalen Osteodystrophie (Rang 6)
    7. Informationen zum deutschen Markt
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Cholecalciferol: Von postmenopausaler Osteoporose zu familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus (gestörte PTH-Sekretion)

Zusammenfassung

Cholecalciferol (Vitamin D3) war in den zugrunde liegenden Zulassungen Bestandteil von Kombinationspräparaten zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus mit gestörter PTH-Sekretion wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage gibt es bislang keine klinischen Studien und keine Publikationen, sie beruht allein auf der Modellrechnung.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Postmenopausale Osteoporose
Vorhergesagte neue Indikation Familiärer isolierter Hypoparathyreoidismus durch gestörte PTH-Sekretion
TxGNN-Vorhersagewert 99,79 %
Evidenzniveau L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 3 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Cholecalciferol ist ein Prohormon und gehört zur Vitamin-D-Gruppe. Seine Wirksamkeit bei Osteoporose im Rahmen der Kombinationspräparate ist belegt, und es greift in die Calcium- und Phosphat-Homöostase ein. Mechanistisch kann es daher grundsätzlich für Erkrankungen der Calcium-PTH-Achse von Interesse sein.

Die Plausibilität ist hier jedoch eingeschränkt. Beim familiären isolierten Hypoparathyreoidismus ist die PTH-Sekretion gestört. Natives Cholecalciferol muss zunächst in der Leber und dann in der Niere in die aktive Form umgewandelt werden. Die renale 1-alpha-Hydroxylierung hängt dabei von PTH ab. Bei PTH-Mangel ist daher nur ein begrenzter Nutzen zu erwarten. In der Praxis werden aktive Vitamin-D-Analoga wie Calcitriol oder Alfacalcidol eingesetzt. Die Verbindung ist daher als reine Modellvorhersage zu bewerten.


Klinische Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.


Weitere vorhergesagte Indikationen

Die Daten enthalten sechs weitere Vorhersagen. Die Evidenzlage unterscheidet sich deutlich, und nur eine Indikation ist durch Studien gestützt.

Rang Indikation TxGNN-Wert Evidenzniveau Empfehlung
2 Akromesomele Dysplasie, Typ Campailla-Martinelli 99,78 % L5 Hold
3 Kraniofaziale Konodysplasie 99,75 % L5 Hold
4 Dahlberg-Borer-Newcomer-Syndrom 99,73 % L5 Hold
5 Hypophosphatämische Rachitis 99,20 % L4 Forschungsfrage
6 Renale Osteodystrophie 99,11 % L1 Proceed with Guardrails
7 Renale tubuläre Azidose 99,06 % L4 Forschungsfrage

Einordnung:

  • Ränge 2 bis 4: Es gibt weder Studien noch krankheitsspezifische Literatur. Bei Rang 4 betreffen die 20 gefundenen Publikationen allgemeine Vitamin-D-Themen und nicht das Syndrom selbst. Die Vorhersagen beruhen vermutlich auf der Nähe im Wissensgraphen zum Knochen- und Mineralstoffwechsel.
  • Rang 5: Es liegen nur Übersichtsarbeiten, Fallberichte und ältere kleine Studien vor, keine Studien mit Cholecalciferol. Standardtherapie sind Phosphat plus aktives Vitamin D oder Burosumab. Natives Vitamin D dient vor allem dem Ausgleich eines begleitenden Mangels.
  • Rang 6: Hier ist die Datenlage am besten (siehe unten). Die Einstufung als L1 sollte kritisch gelesen werden. Die einzige Phase-3-Studie hat den Status „unbekannt“ und liegt ohne Ergebnisse vor. Die zweite Studie ist ohne Phasenzuordnung. Beide untersuchen Transplantations- bzw. CKD-Populationen und keine histologisch definierte renale Osteodystrophie. Die Evidenz ist unterstützend, aber nicht definitiv.
  • Rang 7: Die Evidenz besteht aus Fallberichten und kleinen Beobachtungsstudien. Cholecalciferol könnte die sekundäre Knochenerkrankung behandeln, nicht aber den Säure-Basen-Defekt. Ein Fallbericht beschreibt eine Vitamin-D3-Überdosierung bei einem Kind mit distaler tubulärer Azidose (PMID 14575620).

Studien zur renalen Osteodystrophie (Rang 6)

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT00752401 Phase 3 Unbekannt 200 Cholecalciferol versus Placebo bei Nierentransplantierten mit Vitamin-D-Mangel, Endpunkte u. a. GFR, Kreatinin, Abstoßungsepisoden
NCT00285467 NA Abgeschlossen 55 Cholecalciferol versus Doxercalciferol bei sekundärem Hyperparathyreoidismus in CKD

Daneben liegen mehrere Übersichtsarbeiten zu CKD-MBD vor, etwa PMID 30274806 zu nativem Vitamin D bei prädialytischer CKD und PMID 33922902 zu Vitamin-D-Effekten bei CKD und Nierentransplantation. Außerdem gibt es eine Beobachtungsstudie zu hochdosiertem Cholecalciferol bei Hämodialyse (PMID 38397979).


Informationen zum deutschen Markt

Alle drei Zulassungen sind erloschen. Es besteht derzeit keine gültige Zulassung. Die Darreichungsform ist in den Daten nicht angegeben. Alle Zulassungen stammen vom Inhaber Organon N.V.

Zulassungsnummer Produktname Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000619 Fosavance Postmenopausale Osteoporose
EMEA/H/C/001180 Vantavo (früher Alendronate sodium and colecalciferol, MSD) Postmenopausale Osteoporose
EMEA/H/C/000759 Adrovance Postmenopausale Osteoporose

Sicherheitsaspekte

Aus der Fachinformation liegen keine Warnhinweise oder Kontraindikationen vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.

  • Kontraindikationshinweise aus dem Wissensgraphen: Diese stammen aus Wirkstoff-Krankheits-Verknüpfungen von TxGNN (PrimeKG), nicht aus einem Packungsbeilagentext, und sind nur als Hinweise zu verstehen. Es werden unter anderem folgende Erkrankungen genannt:
    • Calcium- und Phosphatstoffwechsel: Hyperparathyreoidismus, Hypercalcämie, Nephrocalcinose, Störungen des Phosphorstoffwechsels, Sarkoidose, primäre Hyperoxalurie.
    • Niere, Leber und Magen-Darm: Nierenerkrankung, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Gastritis.
    • Herz-Kreislauf und Stoffwechsel: Hypertonie, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperlipidämie.
    • Blut und Eisenstoffwechsel: Gerinnungsstörungen, Sichelzellanämie, hereditäre Hämochromatose, Hämosiderose, Morbus Wilson.
    • Tumoren: Mammakarzinom und Prostatakarzinom.
  • Wechselwirkungen: Es wurde eine pharmakologische Wechselwirkung gefunden, und zwar der Metabolit Vitamin D3 am Farnesoid-X-Rezeptor-β (Zielstruktur der Maus). Das ist keine klassische Arzneimittelwechselwirkung und hat nach den vorliegenden Daten keine klinisch bewertete Stufe.
  • Hinweis aus der Literatur: Bei Therapie mit 1-alpha-Hydroxycholecalciferol wurden bei X-chromosomaler hypophosphatämischer Rachitis eine vorzeitige Kraniosynostose (PMID 6538374) und eine Vitamin-D3-Überdosierung bei distaler tubulärer Azidose beschrieben. Hyperkalzämie, Hyperkalziurie und Nephrocalcinose sind daher bei Vitamin-D-Therapien zu beachten.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Der Vorhersagewert ist sehr hoch, aber es gibt weder Studien noch Literatur zur Indikation. Zudem spricht der Mechanismus eher dagegen: Bei gestörter PTH-Sekretion ist die PTH-abhängige Aktivierung von nativem Cholecalciferol eingeschränkt, und aktive Vitamin-D-Analoga sind die übliche Wahl. Die derzeit am besten gestützte Alternative ist die renale Osteodystrophie (Rang 6).

Für ein Weiterkommen wird Folgendes benötigt:

  • Fachinformation von BfArM mit Warnhinweisen und Kontraindikationen. Dies ist eine blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung.
  • Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank.
  • Systematische Literaturrecherche und Studienrecherche speziell zum familiären Hypoparathyreoidismus.
  • Vergleich von Cholecalciferol mit aktiven Vitamin-D-Analoga für diese Indikation.
  • Prüfung, ob die renale Osteodystrophie als eigener Kandidat weiterverfolgt werden soll. Dafür wären Ergebnisse der Studie NCT00752401 und ein Überwachungsplan für Calcium, Phosphat und PTH nötig.
  • Klärung der Zulassungssituation in Deutschland, da derzeit keine gültige Zulassung besteht.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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