Cholecalciferol
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 7 |
Inhaltsverzeichnis
- Cholecalciferol
- Cholecalciferol: Von postmenopausaler Osteoporose zu familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus (gestörte PTH-Sekretion)
Cholecalciferol: Von postmenopausaler Osteoporose zu familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus (gestörte PTH-Sekretion)
Zusammenfassung
Cholecalciferol (Vitamin D3) war in den zugrunde liegenden Zulassungen Bestandteil von Kombinationspräparaten zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei familiärem isoliertem Hypoparathyreoidismus mit gestörter PTH-Sekretion wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage gibt es bislang keine klinischen Studien und keine Publikationen, sie beruht allein auf der Modellrechnung.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Postmenopausale Osteoporose |
| Vorhergesagte neue Indikation | Familiärer isolierter Hypoparathyreoidismus durch gestörte PTH-Sekretion |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,79 % |
| Evidenzniveau | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 3 (alle erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Cholecalciferol ist ein Prohormon und gehört zur Vitamin-D-Gruppe. Seine Wirksamkeit bei Osteoporose im Rahmen der Kombinationspräparate ist belegt, und es greift in die Calcium- und Phosphat-Homöostase ein. Mechanistisch kann es daher grundsätzlich für Erkrankungen der Calcium-PTH-Achse von Interesse sein.
Die Plausibilität ist hier jedoch eingeschränkt. Beim familiären isolierten Hypoparathyreoidismus ist die PTH-Sekretion gestört. Natives Cholecalciferol muss zunächst in der Leber und dann in der Niere in die aktive Form umgewandelt werden. Die renale 1-alpha-Hydroxylierung hängt dabei von PTH ab. Bei PTH-Mangel ist daher nur ein begrenzter Nutzen zu erwarten. In der Praxis werden aktive Vitamin-D-Analoga wie Calcitriol oder Alfacalcidol eingesetzt. Die Verbindung ist daher als reine Modellvorhersage zu bewerten.
Klinische Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.
Weitere vorhergesagte Indikationen
Die Daten enthalten sechs weitere Vorhersagen. Die Evidenzlage unterscheidet sich deutlich, und nur eine Indikation ist durch Studien gestützt.
| Rang | Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzniveau | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| 2 | Akromesomele Dysplasie, Typ Campailla-Martinelli | 99,78 % | L5 | Hold |
| 3 | Kraniofaziale Konodysplasie | 99,75 % | L5 | Hold |
| 4 | Dahlberg-Borer-Newcomer-Syndrom | 99,73 % | L5 | Hold |
| 5 | Hypophosphatämische Rachitis | 99,20 % | L4 | Forschungsfrage |
| 6 | Renale Osteodystrophie | 99,11 % | L1 | Proceed with Guardrails |
| 7 | Renale tubuläre Azidose | 99,06 % | L4 | Forschungsfrage |
Einordnung:
- Ränge 2 bis 4: Es gibt weder Studien noch krankheitsspezifische Literatur. Bei Rang 4 betreffen die 20 gefundenen Publikationen allgemeine Vitamin-D-Themen und nicht das Syndrom selbst. Die Vorhersagen beruhen vermutlich auf der Nähe im Wissensgraphen zum Knochen- und Mineralstoffwechsel.
- Rang 5: Es liegen nur Übersichtsarbeiten, Fallberichte und ältere kleine Studien vor, keine Studien mit Cholecalciferol. Standardtherapie sind Phosphat plus aktives Vitamin D oder Burosumab. Natives Vitamin D dient vor allem dem Ausgleich eines begleitenden Mangels.
- Rang 6: Hier ist die Datenlage am besten (siehe unten). Die Einstufung als L1 sollte kritisch gelesen werden. Die einzige Phase-3-Studie hat den Status „unbekannt“ und liegt ohne Ergebnisse vor. Die zweite Studie ist ohne Phasenzuordnung. Beide untersuchen Transplantations- bzw. CKD-Populationen und keine histologisch definierte renale Osteodystrophie. Die Evidenz ist unterstützend, aber nicht definitiv.
- Rang 7: Die Evidenz besteht aus Fallberichten und kleinen Beobachtungsstudien. Cholecalciferol könnte die sekundäre Knochenerkrankung behandeln, nicht aber den Säure-Basen-Defekt. Ein Fallbericht beschreibt eine Vitamin-D3-Überdosierung bei einem Kind mit distaler tubulärer Azidose (PMID 14575620).
Studien zur renalen Osteodystrophie (Rang 6)
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT00752401 | Phase 3 | Unbekannt | 200 | Cholecalciferol versus Placebo bei Nierentransplantierten mit Vitamin-D-Mangel, Endpunkte u. a. GFR, Kreatinin, Abstoßungsepisoden |
| NCT00285467 | NA | Abgeschlossen | 55 | Cholecalciferol versus Doxercalciferol bei sekundärem Hyperparathyreoidismus in CKD |
Daneben liegen mehrere Übersichtsarbeiten zu CKD-MBD vor, etwa PMID 30274806 zu nativem Vitamin D bei prädialytischer CKD und PMID 33922902 zu Vitamin-D-Effekten bei CKD und Nierentransplantation. Außerdem gibt es eine Beobachtungsstudie zu hochdosiertem Cholecalciferol bei Hämodialyse (PMID 38397979).
Informationen zum deutschen Markt
Alle drei Zulassungen sind erloschen. Es besteht derzeit keine gültige Zulassung. Die Darreichungsform ist in den Daten nicht angegeben. Alle Zulassungen stammen vom Inhaber Organon N.V.
| Zulassungsnummer | Produktname | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|
| EMEA/H/C/000619 | Fosavance | Postmenopausale Osteoporose |
| EMEA/H/C/001180 | Vantavo (früher Alendronate sodium and colecalciferol, MSD) | Postmenopausale Osteoporose |
| EMEA/H/C/000759 | Adrovance | Postmenopausale Osteoporose |
Sicherheitsaspekte
Aus der Fachinformation liegen keine Warnhinweise oder Kontraindikationen vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.
- Kontraindikationshinweise aus dem Wissensgraphen: Diese stammen aus Wirkstoff-Krankheits-Verknüpfungen von TxGNN (PrimeKG), nicht aus einem Packungsbeilagentext, und sind nur als Hinweise zu verstehen. Es werden unter anderem folgende Erkrankungen genannt:
- Calcium- und Phosphatstoffwechsel: Hyperparathyreoidismus, Hypercalcämie, Nephrocalcinose, Störungen des Phosphorstoffwechsels, Sarkoidose, primäre Hyperoxalurie.
- Niere, Leber und Magen-Darm: Nierenerkrankung, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Gastritis.
- Herz-Kreislauf und Stoffwechsel: Hypertonie, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperlipidämie.
- Blut und Eisenstoffwechsel: Gerinnungsstörungen, Sichelzellanämie, hereditäre Hämochromatose, Hämosiderose, Morbus Wilson.
- Tumoren: Mammakarzinom und Prostatakarzinom.
- Wechselwirkungen: Es wurde eine pharmakologische Wechselwirkung gefunden, und zwar der Metabolit Vitamin D3 am Farnesoid-X-Rezeptor-β (Zielstruktur der Maus). Das ist keine klassische Arzneimittelwechselwirkung und hat nach den vorliegenden Daten keine klinisch bewertete Stufe.
- Hinweis aus der Literatur: Bei Therapie mit 1-alpha-Hydroxycholecalciferol wurden bei X-chromosomaler hypophosphatämischer Rachitis eine vorzeitige Kraniosynostose (PMID 6538374) und eine Vitamin-D3-Überdosierung bei distaler tubulärer Azidose beschrieben. Hyperkalzämie, Hyperkalziurie und Nephrocalcinose sind daher bei Vitamin-D-Therapien zu beachten.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Der Vorhersagewert ist sehr hoch, aber es gibt weder Studien noch Literatur zur Indikation. Zudem spricht der Mechanismus eher dagegen: Bei gestörter PTH-Sekretion ist die PTH-abhängige Aktivierung von nativem Cholecalciferol eingeschränkt, und aktive Vitamin-D-Analoga sind die übliche Wahl. Die derzeit am besten gestützte Alternative ist die renale Osteodystrophie (Rang 6).
Für ein Weiterkommen wird Folgendes benötigt:
- Fachinformation von BfArM mit Warnhinweisen und Kontraindikationen. Dies ist eine blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung.
- Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank.
- Systematische Literaturrecherche und Studienrecherche speziell zum familiären Hypoparathyreoidismus.
- Vergleich von Cholecalciferol mit aktiven Vitamin-D-Analoga für diese Indikation.
- Prüfung, ob die renale Osteodystrophie als eigener Kandidat weiterverfolgt werden soll. Dafür wären Ergebnisse der Studie NCT00752401 und ein Überwachungsplan für Calcium, Phosphat und PTH nötig.
- Klärung der Zulassungssituation in Deutschland, da derzeit keine gültige Zulassung besteht.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.