Clomipramine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Clomipramine
  2. Clomipramin: Von Zwangsstörung zu Angststörung
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studienevidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Clomipramin: Von Zwangsstörung zu Angststörung

Zusammenfassung in einem Satz

Clomipramin ist ein trizyklisches Antidepressivum, das ursprünglich zur Behandlung der Zwangsstörung (OCD) eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Angststörungen wirksam sein könnte, wobei 8 klinische Studien und 19 Publikationen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten vorliegen. Die gefundenen Studien betreffen jedoch überwiegend die Zwangsstörung selbst und stützen die neue Indikation nur indirekt.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Zwangsstörung (Quelle: TxGNN-Wissensgraph; im deutschen Zulassungseintrag ist kein Indikationstext hinterlegt)
Vorhergesagte neue Indikation Angststörung
TxGNN-Vorhersagewert 99,93 %
Evidenzlevel L1 (laut Bewertung in den Daten; die Studien zur Angststörung selbst sind überwiegend indirekt, siehe unten)
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (mit Auflagen fortfahren)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Clomipramin ist ein potenter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer mit zusätzlicher noradrenerger Wirkung. Ein detaillierter Mechanismus aus der Arzneimitteldatenbank liegt nicht vor. Die pharmakologischen Daten zeigen jedoch Bindung an den Serotonin-Transporter (SERT), den Noradrenalin-Transporter (NET), den Dopamin-Transporter (DAT) sowie den α1A-Adrenozeptor. Die serotonerge Modulation limbischer und präfrontaler Schaltkreise gilt als plausible gemeinsame Grundlage für die Wirksamkeit bei Zwangsstörung und bei Störungen aus dem Panik- und Angstspektrum.

Zwangsstörung und Angststörungen sind klinisch und pathophysiologisch verwandt. Die Zwangsstörung wurde lange den Angststörungen zugeordnet. Zu beachten ist: Da die Zwangsstörung die ursprüngliche Indikation ist, belegen die meisten gefundenen Studien die Wirkung im Angstspektrum und nicht bei Angststörungen allgemein. Direkte Hinweise zu Panikstörung und Agoraphobie stammen vor allem aus Netzwerk-Metaanalysen und älteren Vergleichsstudien.


Klinische Studienevidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT00466609 Phase 4 Abgeschlossen 54 Augmentationsstrategien bei OCD ohne Ansprechen: Fluoxetin allein vs. plus Quetiapin vs. plus Clomipramin
NCT05737511 Phase 4 Noch nicht rekrutierend 80 Hydroxyzin vs. Standardbehandlung bei Panikstörung; nur indirekter Bezug
NCT01404871 N/A Abgeschlossen 26 Vorhersage des Medikamentenansprechens bei OCD (Clomipramin vs. Escitalopram)
NCT00074815 Phase 3 Abgeschlossen 124 Kognitive Verhaltenstherapie plus SRI bei pädiatrischer OCD
NCT00004310 Phase 2 Unbekannt 76 Intravenöses vs. orales Clomipramin bei OCD
NCT00254735 Phase 3 Abgeschlossen 44 Quetiapin-Augmentation bei schwerer OCD (Clomipramin nicht Prüfsubstanz)
NCT02374567 Phase 3 Abgebrochen 407 Pharmakovigilanz bei gerontopsychiatrischen Patienten; nicht spezifisch für Angststörungen
NCT00564564 Phase 4 Abgeschlossen 21 Quetiapin- vs. Clomipramin-Augmentation von SSRI bei OCD

Keine dieser Studien belegt direkt die Wirksamkeit von Clomipramin bei Angststörungen.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
38014714 2023 Netzwerk-Metaanalyse Cochrane Database Syst Rev Pharmakologische Behandlungen der Panikstörung bei Erwachsenen
40788541 2026 Netzwerk-Metaanalyse Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci Vergleichende Wirksamkeit und Akzeptanz von Anxiolytika bei Angststörungen
40946318 2026 Systematische Übersicht Psychother Psychosom Behandlungsoptionen bei therapieresistenten Angststörungen
35900217 2023 Leitlinie World J Biol Psychiatry WFSBP-Leitlinien zu Angst-, Zwangs- und posttraumatischen Belastungsstörungen (Teil II)
34582562 2021 Systematische Übersicht Cochrane Database Syst Rev Pharmakotherapie der Trichotillomanie
2178909 1990 Übersichtsarbeit Drugs Clomipramin: Pharmakologie und Einsatz bei Zwangs- und Panikstörung
18849910 2008 Übersichtsarbeit CNS Spectrums Medikamentöse Behandlung von Zwangsstörung und Angst; Clomipramin wirksam, aber mit mehr Nebenwirkungen
2021107 1991 Übersichtsarbeit Am Fam Physician Clomipramin bei Zwangsstörung
3887336 1985 Übersichtsarbeit Psychiatr Clin North Am Zwangsstörung; Clomipramin als nützlich beschrieben
11801290 2001 Übersichtsarbeit Neurosci Biobehav Rev Modellierung von Panikattacken (Tierexperimente mit Clomipramin)

Hinweis: Für die Agoraphobie (Rang 7) liegen zusätzlich direkte Vergleichsstudien vor, z. B. Clomipramin vs. Diazepam (PMID 6373161) und Clomipramin als Referenzsubstanz bei Panik/Agoraphobie (PMID 22290995).


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/V/C/000039 Clomicalm nicht angegeben nicht angegeben (Status: erloschen)

Es besteht keine gültige Zulassung. Der einzige Eintrag ist erloschen.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (keine Packungsbeilagen-Angaben): Epilepsie, manische bipolare Störung, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Substanzmissbrauch/-abhängigkeit, maligne Hyperthermie, Phäochromozytom und Paragangliom, Krebserkrankungen (Zwölffingerdarm, Dünndarm, Herz, Nebenniere), Neuroblastom, Glaukom sowie Hyperthyreose (Morbus Basedow, Thyreotoxikose).
  • Pharmakologische Zielstrukturen (kein klassischer Wechselwirkungsbefund): SERT, NET, DAT, α1A-Adrenozeptor sowie Kir3.2 und Kir3.4 (Maus). Die Daten enthalten keine klassifizierten Arzneimittelwechselwirkungen.
  • Aus der Literatur: Pancytopenie (Einzelfallbericht), sexuelle Funktionsstörungen, gastrointestinale Effekte, anticholinerge Effekte, kardiale Effekte und Überdosierungstoxizität trizyklischer Antidepressiva sowie Tourette-ähnliche Tics (Einzelfallbericht).

Für verbindliche Angaben zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen ist die Packungsbeilage heranzuziehen.


Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzübersicht)

Indikation TxGNN-Wert Evidenz Empfehlung
Agoraphobie 99,87 % L3; Netzwerk-Metaanalyse, Vergleichsstudien, ältere Daten, keine registrierte Studie Forschungsfrage
Majore Depression 99,77 % L1; große Netzwerk-Metaanalysen, weitgehend etablierte Anwendung Proceed with Guardrails
Endogene Depression 99,71 % L1 (geerbt von MDD-Daten) Proceed with Guardrails
ADHS 99,58 % L3; Cochrane-Review zu Trizyklika, nicht Clomipramin-spezifisch Forschungsfrage
Paranoide, schizotypische, schizoide, histrionische Persönlichkeitsstörung; benigner paroxysmaler Torticollis des Säuglings ca. 99,9 % L4–L5; keine tragfähige klinische Evidenz Hold

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Für das Angstspektrum, insbesondere Panikstörung und Agoraphobia, liegen Netzwerk-Metaanalysen und Vergleichsstudien vor, die Clomipramin als wirksame Referenzsubstanz beschreiben. Die registrierten Studien betreffen jedoch fast ausschließlich die Zwangsstörung, und ein Großteil der klinischen Daten ist älter. Zudem besteht in Deutschland keine gültige Zulassung, und das Sicherheitsprofil der Trizyklika erfordert Vorsicht.

Für das weitere Vorgehen wird benötigt:

  • Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) aus der Arzneimitteldatenbank
  • Packungsbeilage mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen (derzeit nicht verfügbar; blockiert die Sicherheitsbewertung)
  • Prüfung der Zulassungslage in Deutschland (aktuelle Humanarzneimittel mit Clomipramin; der gelistete Eintrag ist ein erloschenes Tierarzneimittel)
  • Aktuelle, kontrollierte Studien direkt bei Panikstörung und Agoraphobie
  • Sicherheitsüberwachungsplan (EKG, Blutbild, Leberwerte, anticholinerge Effekte) und Abgrenzung zu Erstlinientherapien

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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