Glutamic Acid

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Glutamic Acid
  2. Glutaminsäure: Von der Ahornsirupkrankheit zur postmenopausalen Osteoporose
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Orientierung)
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Glutaminsäure: Von der Ahornsirupkrankheit zur postmenopausalen Osteoporose

Zusammenfassung in einem Satz

Glutaminsäure (Handelsname Maapliv) war in der EU für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei postmenopausaler Osteoporose wirksam sein könnte. Dafür liegen jedoch keine klinischen Studien und nur indirekte Literatur (10 Publikationen, überwiegend ohne direkten Bezug zum Wirkstoff) vor; die Vorhersage stützt sich im Wesentlichen auf die Modellberechnung.

Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)
Vorhergesagte neue Indikation Postmenopausale Osteoporose
TxGNN-Vorhersagewert 99,34 %
Evidenzgrad L4 (nur präklinische bzw. indirekte Hinweise)
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (davon 0 gültig, 1 erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold (Forschungsfrage, derzeit nicht weiterverfolgen)

Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Glutaminsäure ist eine körpereigene Aminosäure und ein Neurotransmitter bzw. Vorläufer von GABA. Ihre Wirksamkeit bei der Ahornsirupkrankheit ist als Zulassungsindikation belegt, mechanistisch ist ein Bezug zur Osteoporose aber nicht direkt ersichtlich.

Eine mögliche Verbindung ist die Vitamin-K-abhängige γ-Carboxylierung von Glutamatresten im Osteocalcin. Das ist jedoch eine Proteinmodifikation und kein pharmakologischer Effekt von zugeführter Glutaminsäure. Ein tierexperimenteller Hinweis (ovarektomierte Mäuse, PMID 26144993) zeigt, dass Glutaminsäure östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome lindern kann. Das ist nur indirekte Unterstützung.

Der hohe TxGNN-Wert (0,993) ist eine rein rechnerische Vorhersage. Die Ähnlichkeit zwischen ursprünglicher und neuer Indikation wurde nicht bewertet.

Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
19172219 2009 Randomisierte, offene Studie (109 Patientinnen) J Bone Miner Metab Menatetrenon (Vitamin K2) erhöht die γ-Carboxylierung von Osteocalcin; keine Prüfung von Glutaminsäure
14529146 2003 Übersichtsarbeit Keio J Med Vitamin D3 und/oder K2 bei postmenopausaler Osteoporose; kein Bezug zu Glutaminsäure als Wirkstoff
14584089 2003 Klinische Studie/Übersicht Yonsei Med J Vitamin K2 kombiniert mit Bisphosphonaten bei Osteoporose
18187428 2007 Kleine klinische Physiologiestudie J Am Coll Nutr Poly-γ-Glutaminsäure (Polymer) beeinflusst akut die Kalziumaufnahme bei postmenopausalen Frauen; Surrogatparameter
26144993 2015 Präklinisch (Maus) Nutr Res Glutaminsäure lindert östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome bei ovarektomierten Mäusen
34529430 2021 Präklinisch Nano Lett Knochenzielende Polymervesikel (Glutaminsäure-Polymer) als Träger für Estradiol
29437025 2018 Genetische Assoziationsstudie Endocr Metab Immune Disord Drug Targets VKORC1-Polymorphismus und Osteoporose bei postmenopausalen Frauen
18414001 2008 Genetische Studie Mol Cells SLC22A11-Varianten bei koreanischen Osteoporose-Patientinnen
40950804 2025 Metabolomische Querschnittsstudie J Diabetes Metab Disord Aminosäureprofile, Alter und Sexualhormone bei älteren Personen
39698319 2024 Präklinisch Front Cell Infect Microbiol Traditionelle chinesische Salbe bei postmenopausaler Osteoporose; kein Bezug zu Glutaminsäure

Hinweis: Die meisten dieser Arbeiten betreffen Vitamin K2/D3 oder genetische Zusammenhänge und prüfen Glutaminsäure nicht direkt.

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005557 Maapliv (Recordati Rare Diseases) – Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease); Status: erloschen

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (TxGNN/PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Nierenerkrankungen (u. a. chronische Niereninsuffizienz, terminales Nierenversagen, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie), Hyperkalzämie-bezogene Erkrankungen (Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose, maligne humorale Hyperkalzämie, Osteitis fibrosa), Störungen des Phosphorstoffwechsels, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (u. a. Herzerkrankung, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung) sowie Phenylketonurie bzw. Störungen des Phenylalaninstoffwechsels.
  • Wechselwirkungen (5, jeweils mäßig): Amphetamin, Benzphetamin, Dextroamphetamin, Lisdexamfetamin, Metamfetamin.

Die Angaben aus der Packungsbeilage (Warnhinweise, Gegenanzeigen) konnten nicht ausgewertet werden und müssen ergänzt werden.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für postmenopausale Osteoporose gibt es keine registrierten klinischen Studien und keine direkte klinische Evidenz für Glutaminsäure; der hohe TxGNN-Wert ist eine reine Modellvorhersage. Zudem ist die einzige Zulassung erloschen, und mehrere vom Wissensgraphen gemeldete Kontraindikationen (z. B. Nieren- und Hyperkalzämie-Erkrankungen) betreffen Bevölkerungsgruppen, die bei Osteoporose häufig sind.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Daten zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage (BfArM/EMA)
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. über DrugBank)
  • Präklinische und klinische Studien, die Glutaminsäure direkt bei Knochenstoffwechsel bzw. Osteoporose prüfen
  • Sicherheitsbewertung für ältere, nierenkranke und kardiovaskulär vorerkrankte Patientinnen

Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Orientierung)

| Rang | Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzgrad | Einschätzung | |---|---|---|---|---| | 2 | Schwangerschaftsassoziierte Osteoporose | 99,18 % | L5 | Hold: keine Studien, keine Literatur; Sicherheitsbewertung in der Schwangerschaft nötig | | 3 | Primäres hereditäres Glaukom | 99,13 % | L5 | Hold: keine Evidenz; erhöhtes Glutamat gilt als exzitotoxisch für retinale Ganglienzellen, ein Schaden ist plausibler als ein Nutzen | | 4 | Gastroparese | 99,11 % | L5 | Hold: die drei gefundenen Arbeiten betreffen autoimmune Gastroparese und prüfen Glutaminsäure nicht |

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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