Glutamic Acid
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 4 |
Inhaltsverzeichnis
Glutaminsäure: Von der Ahornsirupkrankheit zur postmenopausalen Osteoporose
Zusammenfassung in einem Satz
Glutaminsäure (Handelsname Maapliv) war in der EU für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei postmenopausaler Osteoporose wirksam sein könnte. Dafür liegen jedoch keine klinischen Studien und nur indirekte Literatur (10 Publikationen, überwiegend ohne direkten Bezug zum Wirkstoff) vor; die Vorhersage stützt sich im Wesentlichen auf die Modellberechnung.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Postmenopausale Osteoporose |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,34 % |
| Evidenzgrad | L4 (nur präklinische bzw. indirekte Hinweise) |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig, 1 erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Forschungsfrage, derzeit nicht weiterverfolgen) |
Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Glutaminsäure ist eine körpereigene Aminosäure und ein Neurotransmitter bzw. Vorläufer von GABA. Ihre Wirksamkeit bei der Ahornsirupkrankheit ist als Zulassungsindikation belegt, mechanistisch ist ein Bezug zur Osteoporose aber nicht direkt ersichtlich.
Eine mögliche Verbindung ist die Vitamin-K-abhängige γ-Carboxylierung von Glutamatresten im Osteocalcin. Das ist jedoch eine Proteinmodifikation und kein pharmakologischer Effekt von zugeführter Glutaminsäure. Ein tierexperimenteller Hinweis (ovarektomierte Mäuse, PMID 26144993) zeigt, dass Glutaminsäure östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome lindern kann. Das ist nur indirekte Unterstützung.
Der hohe TxGNN-Wert (0,993) ist eine rein rechnerische Vorhersage. Die Ähnlichkeit zwischen ursprünglicher und neuer Indikation wurde nicht bewertet.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 19172219 | 2009 | Randomisierte, offene Studie (109 Patientinnen) | J Bone Miner Metab | Menatetrenon (Vitamin K2) erhöht die γ-Carboxylierung von Osteocalcin; keine Prüfung von Glutaminsäure |
| 14529146 | 2003 | Übersichtsarbeit | Keio J Med | Vitamin D3 und/oder K2 bei postmenopausaler Osteoporose; kein Bezug zu Glutaminsäure als Wirkstoff |
| 14584089 | 2003 | Klinische Studie/Übersicht | Yonsei Med J | Vitamin K2 kombiniert mit Bisphosphonaten bei Osteoporose |
| 18187428 | 2007 | Kleine klinische Physiologiestudie | J Am Coll Nutr | Poly-γ-Glutaminsäure (Polymer) beeinflusst akut die Kalziumaufnahme bei postmenopausalen Frauen; Surrogatparameter |
| 26144993 | 2015 | Präklinisch (Maus) | Nutr Res | Glutaminsäure lindert östrogenmangelbedingte menopausenähnliche Symptome bei ovarektomierten Mäusen |
| 34529430 | 2021 | Präklinisch | Nano Lett | Knochenzielende Polymervesikel (Glutaminsäure-Polymer) als Träger für Estradiol |
| 29437025 | 2018 | Genetische Assoziationsstudie | Endocr Metab Immune Disord Drug Targets | VKORC1-Polymorphismus und Osteoporose bei postmenopausalen Frauen |
| 18414001 | 2008 | Genetische Studie | Mol Cells | SLC22A11-Varianten bei koreanischen Osteoporose-Patientinnen |
| 40950804 | 2025 | Metabolomische Querschnittsstudie | J Diabetes Metab Disord | Aminosäureprofile, Alter und Sexualhormone bei älteren Personen |
| 39698319 | 2024 | Präklinisch | Front Cell Infect Microbiol | Traditionelle chinesische Salbe bei postmenopausaler Osteoporose; kein Bezug zu Glutaminsäure |
Hinweis: Die meisten dieser Arbeiten betreffen Vitamin K2/D3 oder genetische Zusammenhänge und prüfen Glutaminsäure nicht direkt.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv (Recordati Rare Diseases) | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease); Status: erloschen |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen laut Wissensgraph (TxGNN/PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Nierenerkrankungen (u. a. chronische Niereninsuffizienz, terminales Nierenversagen, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie), Hyperkalzämie-bezogene Erkrankungen (Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose, maligne humorale Hyperkalzämie, Osteitis fibrosa), Störungen des Phosphorstoffwechsels, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (u. a. Herzerkrankung, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung) sowie Phenylketonurie bzw. Störungen des Phenylalaninstoffwechsels.
- Wechselwirkungen (5, jeweils mäßig): Amphetamin, Benzphetamin, Dextroamphetamin, Lisdexamfetamin, Metamfetamin.
Die Angaben aus der Packungsbeilage (Warnhinweise, Gegenanzeigen) konnten nicht ausgewertet werden und müssen ergänzt werden.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für postmenopausale Osteoporose gibt es keine registrierten klinischen Studien und keine direkte klinische Evidenz für Glutaminsäure; der hohe TxGNN-Wert ist eine reine Modellvorhersage. Zudem ist die einzige Zulassung erloschen, und mehrere vom Wissensgraphen gemeldete Kontraindikationen (z. B. Nieren- und Hyperkalzämie-Erkrankungen) betreffen Bevölkerungsgruppen, die bei Osteoporose häufig sind.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Daten zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage (BfArM/EMA)
- Daten zum Wirkmechanismus (z. B. über DrugBank)
- Präklinische und klinische Studien, die Glutaminsäure direkt bei Knochenstoffwechsel bzw. Osteoporose prüfen
- Sicherheitsbewertung für ältere, nierenkranke und kardiovaskulär vorerkrankte Patientinnen
Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Orientierung)
| Rang | Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzgrad | Einschätzung | |---|---|---|---|---| | 2 | Schwangerschaftsassoziierte Osteoporose | 99,18 % | L5 | Hold: keine Studien, keine Literatur; Sicherheitsbewertung in der Schwangerschaft nötig | | 3 | Primäres hereditäres Glaukom | 99,13 % | L5 | Hold: keine Evidenz; erhöhtes Glutamat gilt als exzitotoxisch für retinale Ganglienzellen, ein Schaden ist plausibler als ein Nutzen | | 4 | Gastroparese | 99,11 % | L5 | Hold: die drei gefundenen Arbeiten betreffen autoimmune Gastroparese und prüfen Glutaminsäure nicht |
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.