Guanfacine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 7

Inhaltsverzeichnis

  1. Guanfacine
  2. Guanfacin: Vom Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zum Faziodigitogenitalen Syndrom
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?
    4. Klinische Evidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Guanfacin: Vom Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zum Faziodigitogenitalen Syndrom

Zusammenfassung

Guanfacin wurde ursprünglich zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es beim Faziodigitogenitalen Syndrom (Aarskog-Scott-Syndrom) wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage liegen derzeit keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; sie beruht ausschließlich auf der Modellberechnung.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Vorhergesagte neue Indikation Faziodigitogenitales Syndrom (Aarskog-Scott-Syndrom)
TxGNN-Vorhersagewert 99,97 %
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen (derzeit nicht vermarktet)
Anzahl der Zulassungen 2 (beide aufgehoben)
Empfohlene Entscheidung Hold (zurückstellen)

Warum ist diese Vorhersage nachvollziehbar?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Pharmakologisch ist bekannt, dass Guanfacin an den α2-Adrenozeptoren (α2A, α2B, α2C) angreift. Die α2A-Agonie im präfrontalen Kortex unterstützt Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen und bildet die Grundlage der zugelassenen ADHS-Anwendung.

Das Aarskog-Scott-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung. Zu ihren Merkmalen gehören auch Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS-Symptome. Daraus ergibt sich eine indirekte, rein symptomatische Begründung: Guanfacin könnte diese Verhaltensmerkmale beeinflussen, nicht aber die Grunderkrankung. Diese Überlegung ist bislang durch keine Daten belegt. Der hohe Vorhersagewert sollte daher als reine Rechenvorhersage verstanden werden.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/003759 Intuniv (Takeda Pharmaceuticals International AG, Irland) – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
EMEA/H/C/006312 Paxneury (Neuraxpharm Pharmaceuticals S.L.) – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Beide Zulassungen haben den Status „aufgehoben".


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus der Wissensgraph-Analyse (TxGNN/PrimeKG, Beziehungen zwischen Wirkstoff und Erkrankung, kein Text aus der Fachinformation): Es werden Zusammenhänge mit folgenden Erkrankungen genannt:
    • Kreislauf- und Herzerkrankungen: orthostatische Hypotonie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Hypotonie, Myokardinfarkt, Koronarthrombose, koronare Herzkrankheit, AV-Block bzw. AV-Dissoziation, Herzblock, zerebrovaskuläre Erkrankungen
    • Neurologische und psychische Erkrankungen: Multisystematrophie, Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung
    • Organerkrankungen: Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, chronische Nierenerkrankung, chronisches Nierenversagen, terminale Niereninsuffizienz
    • Sonstige: Hämoglobinopathie, Obstipation
  • Wechselwirkungen: Die Abfrage lieferte keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, sondern nur pharmakologische Zielstrukturen: α2A-, α2B- und α2C-Adrenozeptor. Als klinische Anwendungen werden Bluthochdruck, ADHS und Angststörungen genannt.

Für Warnhinweise und weitere Sicherheitsinformationen ist die Fachinformation heranzuziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (zurückstellen)

Begründung: Für das Faziodigitogenitale Syndrom gibt es weder Studien noch Publikationen. Der hohe Vorhersagewert stützt sich allein auf das Modell, und die einzige mechanistische Überlegung (ADHS-ähnliche Verhaltensmerkmale) ist indirekt und nicht belegt.

Für ein Weiterkommen ist Folgendes erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) vom BfArM beschaffen und auswerten, da dies derzeit die Sicherheitsbewertung blockiert
  • Detaillierte Wirkmechanismusdaten (z. B. über DrugBank) ergänzen
  • Gezielte Literaturrecherche zu Verhaltenssymptomen beim Aarskog-Scott-Syndrom und zum Einsatz von α2-Agonisten
  • Regulatorische Lage klären: Die deutschen Zulassungen sind aufgehoben, eine Wiederverfügbarkeit oder ein Einsatz außerhalb der Zulassung müsste geprüft werden
  • Hinweis zur Priorisierung: Unter den weiteren vorhergesagten Indikationen ist das Tourette-Syndrom am besten belegt (zwei abgeschlossene Studien, darunter eine Phase-3-Studie mit 35 Teilnehmenden, sowie Leitlinienempfehlungen für α2-Agonisten bei Tics mit ADHS). Es wäre der naheliegendere Kandidat für eine vertiefte Bewertung.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



Back to top

Copyright © 2026 藥提醒科技有限公司 (yao.care). This report is for research purposes only and does not constitute medical advice.

This site uses Just the Docs, a documentation theme for Jekyll.