Imipenem

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Imipenem
  2. Imipenem: Von gramnegativen bakteriellen Infektionen zu Staphylococcus-aureus-Infektion
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitshinweise
    8. Übersicht aller vorhergesagten Indikationen
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Imipenem: Von gramnegativen bakteriellen Infektionen zu Staphylococcus-aureus-Infektion

Zusammenfassung

Imipenem ist ein Breitspektrum-Carbapenem-Antibiotikum, das ursprünglich zur Behandlung gramnegativer bakterieller Infektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt unter anderem eine Wirksamkeit bei Staphylococcus-aureus-Infektion voraus (die Indikation mit der besten Evidenzlage unter den zehn vorhergesagten Kandidaten), dafür liegen 2 klinische Studien (beide Phase 4, klein) und 19 Publikationen vor, überwiegend präklinisch, Fallberichte und In-vitro-Daten.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Gramnegative bakterielle Infektionen
Vorhergesagte neue Indikation Staphylococcus-aureus-Infektion (Rang 9 der TxGNN-Liste; die Indikation mit der höchsten Evidenz)
TxGNN-Vorhersagewert 99,95 %
Evidenzstufe L3
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (davon 0 gültig)
Empfohlene Entscheidung Hold (Forschungsfrage: nur die Kombinationshypothese ist weiterverfolgenswert)

Hinweis: Der erste Eintrag der TxGNN-Rangliste (diffuse Sklerodermie, Wert 99,99 %) hat keinerlei Studien oder Literatur und keinen plausiblen Mechanismus (Evidenzstufe L5). Für diesen Bericht wurde daher die am besten belegte Indikation ausgewählt. Eine Übersicht aller Kandidaten folgt unten.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu Imipenem liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach bekanntem Wissen gehört Imipenem zur Klasse der Carbapeneme. Seine Wirksamkeit bei gramnegativen Infektionen ist belegt, und es hemmt über die Bindung an Penicillin-bindende Proteine die bakterielle Zellwandsynthese.

Imipenem wirkt auch gegen methicillin-empfindliche S. aureus (MSSA). Gegen MRSA zeigt es in Kombination, etwa mit Fosfomycin, Vancomycin oder anderen Substanzen, synergistische Effekte, wahrscheinlich durch ergänzende Bindung an Penicillin-bindende Proteine. Als Monotherapie ist Imipenem kein Standard gegen Staphylokokken, daher verdient nur die Kombinationshypothese weitere Untersuchung.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Zentrale Ergebnisse
NCT00871104 Phase 4 Abgeschlossen 50 Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA-Endokarditis im Vergleich zu Vancomycin (Standardtherapie); Wirksamkeit und Sicherheit untersucht
NCT01356472 Phase 4 Unbekannt 60 Linezolid allein oder mit einem Carbapenem gegen MRSA bei beatmungsassoziierter Pneumonie; das Carbapenem ist nicht zwingend Imipenem

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
3460521 1986 Kohorte Antimicrob Agents Chemother Imipenem-Cilastatin bei 23 Patienten mit MSSA-/MRSA-Infektionen; Wirksamkeit und Toxizität untersucht
33020155 2020 Fallbericht Antimicrob Agents Chemother Imipenem/Cilastatin plus Fosfomycin bei refraktärer MRSA-Infektion als neuartige Kombination
22196394 2012 Review Int J Antimicrob Agents Übersicht zu MRSA-Pathogenese, Therapie und Resistenz
3890533 1985 Review Am J Med Endokarditis-Modell am Kaninchen; Imipenem als schnell bakterizides Breitspektrum-Carbapenem
6421794 1983 Tierstudie J Antimicrob Chemother Imipenem bei experimenteller S.-aureus-Endokarditis, in vitro sehr wirksam
7928812 1994 Tierstudie J Antimicrob Chemother Imipenem im Vergleich zu Oxacillin und Vancomycin bei chronischer Fremdkörperinfektion (Ratte)
10588305 1999 In vitro/in vivo J Antimicrob Chemother Synergie von Vancomycin und Imipenem gegen MRSA (34 von 36 Isolaten)
23545527 2013 In vitro Antimicrob Agents Chemother Telavancin kombiniert mit Nafcillin, Imipenem und Gentamicin gegen S. aureus
39548455 2024 In vitro Ann Clin Microbiol Antimicrob Gentamicin, Imipenem und Fucoidan gegen Biofilme aus S. aureus und A. baumannii

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004808 Recarbrio – Gramnegative bakterielle Infektionen (Status: erloschen/widerrufen)

Sicherheitshinweise

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen keine Daten aus der Fachinformation vor; bitte die Fachinformation konsultieren.

  • Gegenanzeigen laut Wissensgraph (aus Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen, nicht aus dem Beipackzettel): Epilepsie, Nierenerkrankung, Pyoureter, Clostridium-difficile-Kolitis, perinatale nekrotisierende Enterokolitis.
  • Arzneimittelwechselwirkungen (15 gefunden):
    • Schwerwiegend (Major): Bupropion, Iohexol, Iopamidol
    • Moderat: Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Dicumarol, Warfarin, Lindan, Aminophyllin, Dyphyllin, Oxtriphyllin, Theophyllin, Ciclosporin, Ethinylestradiol, Mycophenolsäure, Pemetrexed

Übersicht aller vorhergesagten Indikationen

Rang Indikation TxGNN-Wert Evidenzstufe Einschätzung
1 Diffuse Sklerodermie 99,99 % L5 Hold; kein plausibler Mechanismus, keine Studien
2 Paratyphus 99,99 % L4 Hold; überwiegend Empfindlichkeitsdaten, Carbapeneme nur Reserve bei XDR
3 Salmonellose 99,99 % L4 Hold; indirekte Evidenz (Resistenzüberwachung)
4 Sinusitis 99,99 % L4 Hold; keine direkten Imipenem-Daten
5 Chronische Rhinosinusitis 99,98 % L4 Hold; Flora- und Empfindlichkeitsstudien, überwiegend entzündlich
6 Typhus 99,98 % L4 Hold; Carbapeneme als Salvage-Therapie bei XDR, keine Imipenem-spezifische Studie
7 Chronische Siebbeinsinusitis 99,98 % L4 Hold; eine bakteriologische Studie
8 Neoplasma der Nasennebenhöhlen 99,98 % L5 Hold; kein antineoplastischer Mechanismus
9 Staphylococcus-aureus-Infektion 99,95 % L3 Forschungsfrage (Kombinationstherapie)
10 Eosinophilie-Myalgie-Syndrom 99,85 % L5 Hold; kein plausibler Mechanismus

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (für Staphylococcus-aureus-Infektion: Forschungsfrage)

Begründung:

  • Zwei kleine Phase-4-Studien (n=50 und n=60) und überwiegend präklinische Literatur stützen nur die Kombinationshypothese (z. B. Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA). Es gibt keine Phase-3-RCTs. Zudem besteht in Deutschland derzeit keine gültige Zulassung, und Gründe der Antibiotika-Stewardship sprechen gegen den breiten Einsatz eines Carbapenems.
  • Für die übrigen neun Kandidaten ist die Evidenz noch schwächer (L4–L5); bei Sklerodermie, Neoplasma der Nasennebenhöhlen und Eosinophilie-Myalgie-Syndrom fehlt ein plausibler Mechanismus.

Für das weitere Vorgehen erforderlich:

  • Fachinformation (BfArM) mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen beschaffen; diese Lücke blockiert die Sicherheitsprüfung.
  • Mechanismusdaten zu Imipenem (z. B. aus DrugBank) ergänzen.
  • Ergebnisse der abgeschlossenen Studie NCT00871104 auswerten und die Kombination Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA in größeren, kontrollierten Studien prüfen.
  • Klären, ob in Deutschland ein anderes imipenemhaltiges Präparat (außer dem erloschenen Recarbrio) verfügbar ist.
  • Bei Typhus/Paratyphus: Imipenem-spezifische klinische Ergebnisdaten bei XDR-Stämmen sammeln.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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