Imipenem
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Imipenem: Von gramnegativen bakteriellen Infektionen zu Staphylococcus-aureus-Infektion
Zusammenfassung
Imipenem ist ein Breitspektrum-Carbapenem-Antibiotikum, das ursprünglich zur Behandlung gramnegativer bakterieller Infektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt unter anderem eine Wirksamkeit bei Staphylococcus-aureus-Infektion voraus (die Indikation mit der besten Evidenzlage unter den zehn vorhergesagten Kandidaten), dafür liegen 2 klinische Studien (beide Phase 4, klein) und 19 Publikationen vor, überwiegend präklinisch, Fallberichte und In-vitro-Daten.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Gramnegative bakterielle Infektionen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Staphylococcus-aureus-Infektion (Rang 9 der TxGNN-Liste; die Indikation mit der höchsten Evidenz) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,95 % |
| Evidenzstufe | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Forschungsfrage: nur die Kombinationshypothese ist weiterverfolgenswert) |
Hinweis: Der erste Eintrag der TxGNN-Rangliste (diffuse Sklerodermie, Wert 99,99 %) hat keinerlei Studien oder Literatur und keinen plausiblen Mechanismus (Evidenzstufe L5). Für diesen Bericht wurde daher die am besten belegte Indikation ausgewählt. Eine Übersicht aller Kandidaten folgt unten.
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zu Imipenem liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach bekanntem Wissen gehört Imipenem zur Klasse der Carbapeneme. Seine Wirksamkeit bei gramnegativen Infektionen ist belegt, und es hemmt über die Bindung an Penicillin-bindende Proteine die bakterielle Zellwandsynthese.
Imipenem wirkt auch gegen methicillin-empfindliche S. aureus (MSSA). Gegen MRSA zeigt es in Kombination, etwa mit Fosfomycin, Vancomycin oder anderen Substanzen, synergistische Effekte, wahrscheinlich durch ergänzende Bindung an Penicillin-bindende Proteine. Als Monotherapie ist Imipenem kein Standard gegen Staphylokokken, daher verdient nur die Kombinationshypothese weitere Untersuchung.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT00871104 | Phase 4 | Abgeschlossen | 50 | Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA-Endokarditis im Vergleich zu Vancomycin (Standardtherapie); Wirksamkeit und Sicherheit untersucht |
| NCT01356472 | Phase 4 | Unbekannt | 60 | Linezolid allein oder mit einem Carbapenem gegen MRSA bei beatmungsassoziierter Pneumonie; das Carbapenem ist nicht zwingend Imipenem |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 3460521 | 1986 | Kohorte | Antimicrob Agents Chemother | Imipenem-Cilastatin bei 23 Patienten mit MSSA-/MRSA-Infektionen; Wirksamkeit und Toxizität untersucht |
| 33020155 | 2020 | Fallbericht | Antimicrob Agents Chemother | Imipenem/Cilastatin plus Fosfomycin bei refraktärer MRSA-Infektion als neuartige Kombination |
| 22196394 | 2012 | Review | Int J Antimicrob Agents | Übersicht zu MRSA-Pathogenese, Therapie und Resistenz |
| 3890533 | 1985 | Review | Am J Med | Endokarditis-Modell am Kaninchen; Imipenem als schnell bakterizides Breitspektrum-Carbapenem |
| 6421794 | 1983 | Tierstudie | J Antimicrob Chemother | Imipenem bei experimenteller S.-aureus-Endokarditis, in vitro sehr wirksam |
| 7928812 | 1994 | Tierstudie | J Antimicrob Chemother | Imipenem im Vergleich zu Oxacillin und Vancomycin bei chronischer Fremdkörperinfektion (Ratte) |
| 10588305 | 1999 | In vitro/in vivo | J Antimicrob Chemother | Synergie von Vancomycin und Imipenem gegen MRSA (34 von 36 Isolaten) |
| 23545527 | 2013 | In vitro | Antimicrob Agents Chemother | Telavancin kombiniert mit Nafcillin, Imipenem und Gentamicin gegen S. aureus |
| 39548455 | 2024 | In vitro | Ann Clin Microbiol Antimicrob | Gentamicin, Imipenem und Fucoidan gegen Biofilme aus S. aureus und A. baumannii |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004808 | Recarbrio | – | Gramnegative bakterielle Infektionen (Status: erloschen/widerrufen) |
Sicherheitshinweise
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen liegen keine Daten aus der Fachinformation vor; bitte die Fachinformation konsultieren.
- Gegenanzeigen laut Wissensgraph (aus Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen, nicht aus dem Beipackzettel): Epilepsie, Nierenerkrankung, Pyoureter, Clostridium-difficile-Kolitis, perinatale nekrotisierende Enterokolitis.
- Arzneimittelwechselwirkungen (15 gefunden):
- Schwerwiegend (Major): Bupropion, Iohexol, Iopamidol
- Moderat: Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Dicumarol, Warfarin, Lindan, Aminophyllin, Dyphyllin, Oxtriphyllin, Theophyllin, Ciclosporin, Ethinylestradiol, Mycophenolsäure, Pemetrexed
Übersicht aller vorhergesagten Indikationen
| Rang | Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzstufe | Einschätzung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Diffuse Sklerodermie | 99,99 % | L5 | Hold; kein plausibler Mechanismus, keine Studien |
| 2 | Paratyphus | 99,99 % | L4 | Hold; überwiegend Empfindlichkeitsdaten, Carbapeneme nur Reserve bei XDR |
| 3 | Salmonellose | 99,99 % | L4 | Hold; indirekte Evidenz (Resistenzüberwachung) |
| 4 | Sinusitis | 99,99 % | L4 | Hold; keine direkten Imipenem-Daten |
| 5 | Chronische Rhinosinusitis | 99,98 % | L4 | Hold; Flora- und Empfindlichkeitsstudien, überwiegend entzündlich |
| 6 | Typhus | 99,98 % | L4 | Hold; Carbapeneme als Salvage-Therapie bei XDR, keine Imipenem-spezifische Studie |
| 7 | Chronische Siebbeinsinusitis | 99,98 % | L4 | Hold; eine bakteriologische Studie |
| 8 | Neoplasma der Nasennebenhöhlen | 99,98 % | L5 | Hold; kein antineoplastischer Mechanismus |
| 9 | Staphylococcus-aureus-Infektion | 99,95 % | L3 | Forschungsfrage (Kombinationstherapie) |
| 10 | Eosinophilie-Myalgie-Syndrom | 99,85 % | L5 | Hold; kein plausibler Mechanismus |
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold (für Staphylococcus-aureus-Infektion: Forschungsfrage)
Begründung:
- Zwei kleine Phase-4-Studien (n=50 und n=60) und überwiegend präklinische Literatur stützen nur die Kombinationshypothese (z. B. Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA). Es gibt keine Phase-3-RCTs. Zudem besteht in Deutschland derzeit keine gültige Zulassung, und Gründe der Antibiotika-Stewardship sprechen gegen den breiten Einsatz eines Carbapenems.
- Für die übrigen neun Kandidaten ist die Evidenz noch schwächer (L4–L5); bei Sklerodermie, Neoplasma der Nasennebenhöhlen und Eosinophilie-Myalgie-Syndrom fehlt ein plausibler Mechanismus.
Für das weitere Vorgehen erforderlich:
- Fachinformation (BfArM) mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen beschaffen; diese Lücke blockiert die Sicherheitsprüfung.
- Mechanismusdaten zu Imipenem (z. B. aus DrugBank) ergänzen.
- Ergebnisse der abgeschlossenen Studie NCT00871104 auswerten und die Kombination Fosfomycin plus Imipenem bei MRSA in größeren, kontrollierten Studien prüfen.
- Klären, ob in Deutschland ein anderes imipenemhaltiges Präparat (außer dem erloschenen Recarbrio) verfügbar ist.
- Bei Typhus/Paratyphus: Imipenem-spezifische klinische Ergebnisdaten bei XDR-Stämmen sammeln.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.