Lasmiditan

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Lasmiditan
  2. Lasmiditan: Von Migräne zu Migräne mit Hirnstammaura
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studienevidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Lasmiditan: Von Migräne zu Migräne mit Hirnstammaura

Zusammenfassung in einem Satz

Lasmiditan ist ein selektiver 5-HT1F-Rezeptoragonist, der ursprünglich zur akuten Behandlung von Migräne zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Migräne mit Hirnstammaura wirksam sein könnte. Dafür liegen keine registrierten klinischen Studien und 16 Publikationen vor, von denen jedoch keine die Hirnstammaura direkt untersucht; die Evidenz stützt sich auf Studien zur allgemeinen Migräne.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Migräne (Migraine Disorders)
Vorhergesagte neue Indikation Migräne mit Hirnstammaura
TxGNN-Vorhersagewert 99,92 %
Evidenzstufe L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (davon 0 gültig, 1 aufgehoben)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zur Wirkungsweise liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine ausführlichen Angaben vor. Bekannt ist, dass Lasmiditan ein selektiver, zentral wirksamer 5-HT1F-Rezeptoragonist (Gen: HTR1F) ist. Im Gegensatz zu Triptanen wirkt er nicht gefäßverengend und greift an trigeminalen Bahnen an.

Migräne mit Hirnstammaura ist ein Subtyp der Migräne und damit krankheitssystematisch eng mit der zugelassenen Indikation verwandt. Der hohe TxGNN-Wert spiegelt vermutlich diese enge Verwandtschaft in der Krankheitsontologie wider. Die zulassungsrelevanten Phase-3-Studien (SAMURAI, SPARTAN, MONARCH) schlossen allgemeine Migränepopulationen ein, nicht gezielt Patienten mit Hirnstammaura. Die Evidenz für diesen Subtyp ist daher indirekt.

Eine Vorsicht ergibt sich aus der Sicherheit: Lasmiditan verursacht Schwindel und Sedierung. Die Symptome der Hirnstammaura (Schwindel, Dysarthrie, Ataxie, Bewusstseinsstörungen) überschneiden sich damit, was Verträglichkeit und Symptombeurteilung erschweren könnte.


Klinische Studienevidenz

Derzeit sind keine relevanten klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
32857291 2020 Systematische Übersicht/Metaanalyse von RCTs CNS Drugs Lasmiditan zur akuten Migränebehandlung bei Erwachsenen; Auswertung der RCTs
31132795 2019 RCT (Phase 3) Brain Randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Lasmiditan bei akuter Migräne mit und ohne Aura, auch bei kardiovaskulärer Vorgeschichte
22459549 2012 RCT (Phase 2) Lancet Neurology Dosisfindungsstudie zu Wirksamkeit und Verträglichkeit von oralem Lasmiditan
33990951 2021 RCT (Phase 2) Headache Wirksamkeit und Sicherheit bei japanischen Erwachsenen mit Migräne
36138260 2022 Post-hoc-Analyse eines RCT Advances in Therapy Wirksamkeit je nach Patienten- und Migränemerkmalen (MONONOFU-Studie)
32783644 2020 Post-hoc-Analyse von zwei Phase-3-RCTs Current Medical Research and Opinion Wirksamkeit und Sicherheit bei häufigen Komorbiditäten der Migräne
35790906 2022 Netzwerk-Metaanalyse Journal of Headache and Pain Indirekter Vergleich von Lasmiditan mit Rimegepant und Ubrogepant
35027572 2022 Review Nature Reviews Disease Primers Übersicht zu Migräne, einschließlich Aura und Pathophysiologie
31749059 2019 Zulassungsübersicht Drugs FDA-Zulassung 2019 auf Basis zweier Phase-3-Studien
33907459 2021 Fallbericht Journal of Pain Research Migräne mit Hirnstammaura und Bewusstseinsstörung; kein Einsatz von Lasmiditan

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005332 Rayvow – Migräne (Migraine Disorders); Status: aufgehoben

Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: In den Daten ist lediglich die pharmakologische Zielstruktur (5-HT1F-Rezeptor) aufgeführt; konkrete Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht dokumentiert.
  • Klinisch relevante Nebenwirkungen: Schwindel und Sedierung (siehe oben), die sich mit Symptomen der Hirnstammaura überschneiden können.

Für weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen) ist die Fachinformation heranzuziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage ist wegen der engen Verwandtschaft zur zugelassenen Migräneindikation plausibel, doch es gibt weder registrierte Studien noch Publikationen, die Lasmiditan speziell bei Migräne mit Hirnstammaura untersuchen (Evidenzstufe L4). Hinzu kommen eine überlappende Nebenwirkungsproblematik und eine in Deutschland aufgehobene Zulassung.

Für ein Weiterverfolgen sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung von Subgruppen mit Hirnstammaura aus den vorhandenen Phase-3-Daten oder ein gezieltes Studienvorhaben
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (MOA)
  • Fachinformation mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen einholen und auswerten
  • Klärung der Gründe und Folgen der aufgehobenen Zulassung in Deutschland
  • Bewertung der Verträglichkeit (Schwindel, Sedierung) bei Patienten mit Hirnstammaura-Symptomen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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