Melphalan

Evidenzniveau: L2 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Melphalan
  2. Melphalan: Von multiplem Myelom zu Keimzelltumor der Gonaden
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Zytotoxizität
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Melphalan: Von multiplem Myelom zu Keimzelltumor der Gonaden

Zusammenfassung

Melphalan ist ein alkylierendes Zytostatikum, das ursprünglich zur Behandlung des multiplen Myeloms, von Lymphomen, Leukämien, des Neuroblastoms und des Ovarialkarzinoms sowie zur Konditionierung vor einer Stammzelltransplantation eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Keimzelltumoren der Gonaden wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 7 klinische Studien und 1 Publikation vor. Die Publikation ist eine Arbeit aus dem Jahr 1964 und nur indirekt relevant, daher ist die Evidenz begrenzt.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Multiples Myelom; Hodgkin-Lymphom; Non-Hodgkin-Lymphom; akute lymphoblastische Vorläuferzell-Leukämie/-Lymphom; akute myeloische Leukämie; Neuroblastom; Ovarialkarzinom; hämatopoetische Stammzelltransplantation
Vorhergesagte neue Indikation Keimzelltumor der Gonaden (gonadal germ cell tumor)
TxGNN-Vorhersagewert 99,77 %
Evidenzstufe L2
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/gelöschte Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Auf Grundlage des bekannten Wissens gehört Melphalan zur Klasse der DNA-alkylierenden Substanzen (bifunktionale Stickstoff-Lost-Verbindungen), die DNA-Interstrang-Vernetzungen bilden. Seine Wirksamkeit bei hämatologischen Neoplasien und beim Ovarialkarzinom ist belegt, und mechanistisch kann es auch bei Keimzelltumoren anwendbar sein.

Keimzelltumoren gelten als besonders empfindlich gegenüber DNA-schädigenden Substanzen. Das stützt den Einsatz von hochdosiertem Melphalan in Kombinationsregimen mit autologer Stammzellrückgabe. Die Phase-2-Studie NCT00936936 bei rezidivierten Keimzelltumoren mit schlechter Prognose prüft genau diese Überlegung.

Zu beachten: Die Hochdosis-Strategie ist bislang nicht durch Phase-3-Studien bestätigt, und die Studien sind überwiegend einarmig oder klein.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT00936936 Phase 2 Abgeschlossen 64 Zwei Zyklen Hochdosischemotherapie (Gemcitabin, Docetaxel, Melphalan, Carboplatin; danach Ifosfamid, Carboplatin, Etoposid) bei rezidivierten Keimzelltumoren mit schlechter Prognose; Wirksamkeit und Sicherheit
NCT00060255 Phase 2 Abgeschlossen 451 Autologe Blut- und Knochenmarktransplantation mit verschiedenen Hochdosisregimen bei hämatologischen Malignomen und ausgewählten soliden Tumoren; keimzelltumorspezifische Ergebnisse nicht separierbar
NCT00003425 Phase 1/2 Abgeschlossen 25 Dosiseskalation von Melphalan mit autologer Stammzellunterstützung und Amifostin-Zytoprotektion bei Krebspatienten
NCT00638898 Phase 1 Abgeschlossen 25 Hochdosis Busulfan, Melphalan und Topotecan mit autologer Stammzelltransplantation bei fortgeschrittenen und rezidivierenden Tumoren; Machbarkeit
NCT00536601 Nicht zutreffend Abgeschlossen 174 Hochdosischemotherapie mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung vor autologer Stammzelltransplantation; Bezug zu Keimzelltumoren nur indirekt
NCT00002750 Phase 1 Abgeschlossen 6 Intrathekales Melphalan bei rezidivierender neoplastischer Meningitis; anderer Applikationsweg, geringe Relevanz
NCT00003926 Phase 1 Abgebrochen 13 Chemoprotektivum Amifostin bei autologer Stammzelltransplantation pädiatrischer solider Tumoren; Schwerpunkt Supportivtherapie

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Zentrale Ergebnisse
14151951 1964 Sonstige (pharmakologisch/endokrinologisch) Acta - Unio Internationalis Contra Cancrum Einfluss hormoneller und alkylierender Substanzen auf die follikelstimulierende Funktion der Hypophyse; kein Abstract, für die Fragestellung kaum aussagekräftig

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005173 Phelinun – Multiples Myelom; Hodgkin-Lymphom; Non-Hodgkin-Lymphom; akute lymphoblastische Vorläuferzell-Leukämie/-Lymphom; akute myeloische Leukämie; Neuroblastom; Ovarialkarzinom;…

Diese Zulassung ist erloschen (Status: cancelled).


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Klassisches Zytostatikum (alkylierendes Mittel, Stickstoff-Lost-Derivat)
Myelosuppressionsrisiko Hoch (laut Wissensgraph-Kontraindikationen u. a. Leukopenie, Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie)
Emetogenität Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Packungsbeilage beachten
Überwachungsparameter Großes Blutbild mit Differenzialblutbild, Leber- und Nierenfunktion
Handhabungsschutz Handhabung nach den Vorschriften für Zytostatika erforderlich

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, keine Packungsbeilage): u. a. Nierenerkrankung, Thrombozytopenie, Anämie (einschließlich makrozytärer und hämolytischer Anämie), Leukopenie, Agranulozytose, Neutropenie (einschließlich angeborener Formen), interstitielle Lungenerkrankung, Lungenfibrose, medikamentös bedingte Leberschädigung und Vaskulitis.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst. Als moderat eingestuft sind Amphotericin B (einschließlich lipidkomplexierter, Cholesterylsulfat- und liposomaler Formulierungen). Als geringfügig eingestuft sind Cimetidin, Levofloxacin, Zinksulfat und Zinkgluconat. Weitere (z. B. Lansoprazol, Granisetron, Metformin, Omeprazol, Vancomycin, Prednison, Simvastatin) sind ohne Schweregrad („unbekannt“) geführt.
  • Weitere Hinweise aus der Literatur: Alkylierende Substanzen wie Melphalan sind mit einem erhöhten Risiko für Zweitmalignome verbunden, vor allem akute Leukämien.

Zu den Warnhinweisen und Kontraindikationen der Packungsbeilage liegen keine Daten vor; bitte die Fachinformation heranziehen.


Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)

Rang Indikation Score Evidenzstufe Empfehlung
2 Primitiver Keimzelltumor des Ovars 99,75 % L3 Forschungsfrage
3 Chorionkarzinom des Ovars 99,74 % L5 Hold
4 Mammakarzinom (weiblich) 99,67 % L3 Forschungsfrage
5 Maligner nicht-epithelialer Ovarialtumor 99,55 % L5 Hold
6–10 Muzinöse Adenokarzinome (Rektum, Kolon, Gallenblase, Zervix, Endometrium) 99,26–99,38 % L5 Hold

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Für Keimzelltumoren der Gonaden liegt eine abgeschlossene Phase-2-Studie (NCT00936936, 64 Patienten) mit Melphalan-haltiger Hochdosischemotherapie vor, und die mechanistische Plausibilität ist hoch. Es fehlen jedoch randomisierte Phase-3-Studien, die Studie ist einarmig, die Rolle von Melphalan ist im Kombinationsregime nicht isoliert, und die deutsche Zulassung ist erloschen. Daher ist nur ein vorsichtiges Weiterverfolgen unter Auflagen vertretbar.

Für das weitere Vorgehen wird Folgendes benötigt:

  • Auswertung der Ergebnisse von NCT00936936 (Ansprechen, Überleben, Toxizität)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
  • Packungsbeilage mit Warnhinweisen und Kontraindikationen (BfArM-Daten fehlen)
  • Prüfung der Verfügbarkeit in Deutschland, da die Zulassung erloschen ist
  • Sicherheitsüberwachungsplan (Myelosuppression, Organfunktion, Zweitmalignome) und Handhabungsvorgaben für Zytostatika

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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