Meropenem

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Meropenem
  2. Meropenem: Von bakteriellen Infektionen zu bakterieller Arthritis
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Meropenem: Von bakteriellen Infektionen zu bakterieller Arthritis

Zusammenfassung

Meropenem ist ein Breitspektrum-Carbapenem-Antibiotikum, das ursprünglich zur Behandlung von Harnwegsinfektionen, Bakteriämie, bakteriellen Infektionen, Atemwegsinfektionen, Pneumonie und beatmungsassoziierter Pneumonie zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei bakterieller Arthritis wirksam sein könnte, allerdings gibt es dafür keine registrierten klinischen Studien und nur Fallberichte, Übersichtsarbeiten und Labordaten. Die am besten belegte Vorhersage unter den zehn Kandidaten ist die der Harnwegsinfektion (9 Studien, 20 Publikationen), die jedoch der bereits zugelassenen Indikation entspricht und daher keine echte Neuverwendung darstellt.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Harnwegsinfektionen, Bakteriämie, bakterielle Infektionen, Atemwegsinfektionen, Pneumonie, beatmungsassoziierte Pneumonie
Vorhergesagte neue Indikation Bakterielle Arthritis
TxGNN-Vorhersagewert 99,92 %
Evidenzlevel L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Meropenem ist ein Carbapenem, das die bakterielle Zellwandsynthese durch Bindung an Penicillin-bindende Proteine hemmt. Seine Wirksamkeit bei Infektionen durch empfindliche gramnegative, grampositive und anaerobe Erreger ist etabliert.

Knochen- und Gelenkinfektionen werden häufig durch solche Erreger verursacht. Ein Beispiel ist Burkholderia pseudomallei bei der osteoartikulären Melioidose. Mechanistisch ist eine Anwendung bei bakterieller Arthritis daher denkbar. Zur Gewebepenetration liegen Daten vor, doch sie stammen nicht aus Gelenkinfektionen.

Die vorhandene Literatur besteht überwiegend aus Fallberichten (z. B. septische Arthritis durch ESBL-bildende Klebsiella pneumoniae, erfolgreich mit Meropenem und Amikacin plus arthroskopischer Spülung behandelt), retrospektiven Kohorten und Übersichtsarbeiten. Direkte klinische Evidenz für Meropenem allein bei bakterieller Arthritis fehlt.


Klinische Studien

Zur vorhergesagten Indikation bakterielle Arthritis sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.

Zur Einordnung: Für die Harnwegsinfektion (Rang 6), die der ursprünglichen Zulassung entspricht, liegen folgende Studien vor. Meropenem dient dort überwiegend als Vergleichssubstanz:

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT03840148 Phase 3 Abgeschlossen 661 Cefepim/VNRX-5133 vs. Meropenem bei komplizierter Harnwegsinfektion inkl. akuter Pyelonephritis
NCT03477422 Phase 3 Abgeschlossen 230 CSE-1034 vs. Meropenem bei komplizierten Harnwegsinfektionen durch β-Laktamase-bildende gramnegative Erreger
NCT02142751 Phase 3 Abgeschlossen 161 Fosfomycin vs. Meropenem oder Ceftriaxon bei bakteriämischer Harnwegsinfektion durch multiresistente E. coli
NCT03543436 Phase 3 Abgeschlossen 29 Temocillin vs. Carbapenem bei ESBL-bedingter Harnwegsinfektion
NCT01970371 Phase 3 Abgeschlossen 69 Plazomicin vs. Colistin (kombiniert mit Meropenem oder Tigecyclin) bei Carbapenem-resistenten Enterobacteriaceae
NCT03230838 Phase 2 Abgeschlossen 134 Ceftolozan/Tazobactam vs. Meropenem bei Kindern mit komplizierter Harnwegsinfektion
NCT03891433 Phase 4 Ausgesetzt 198 Piperacillin/Tazobactam vs. Carbapeneme bei nicht-bakteriämischer ESBL-Harnwegsinfektion
NCT03174795 Phase 1 Abgeschlossen 20 Pharmakokinetik von RO7079901 zusammen mit Meropenem bei komplizierter Harnwegsinfektion
NCT04278404 k. A. Rekrutierend 5000 Pharmakokinetik und Sicherheit unzureichend untersuchter Arzneimittel bei Kindern
NCT00771316 Phase 3 Abgebrochen 6 MK0826 vs. Meropenem bei komplizierter Harnwegsinfektion; keine verwertbaren Daten

Literatur

Für bakterielle Arthritis (Rang 1):

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
17433752 2007 Fallbericht Joint Bone Spine Septische Arthritis durch ESBL-bildende K. pneumoniae, erfolgreich mit Meropenem und Amikacin plus arthroskopischer Spülung behandelt
35146367 2021 Kohorte Le Infezioni in Medicina Retrospektive Kohorte zur osteoartikulären Melioidose
39489417 2024 Retrospektive Auswertung Indian J Med Microbiol 22 Fälle muskuloskelettaler Melioidose; alle Isolate meropenemempfindlich
36804370 2023 Übersichtsarbeit Int J Antimicrob Agents Off-Label-Einsatz vs. formale Empfehlungen bei Infektionen durch multiresistente Erreger
38649034 2024 Pharmakokinetische Studie Int J Antimicrob Agents Gewebepenetration von Meropenem und Vancomycin bei Lungenschädigung im Modell
39681779 2025 Pharmakokinetische Studie Clin Pharmacokinet Populationspharmakokinetik von Meropenem im Erwachsenenalter
33857030 2021 In-vitro-Studie J Bone Joint Surg Am Thermische Stabilität und Freisetzung von Meropenem u. a. aus PMMA-Knochenzement
39380073 2024 Fallbericht J Med Case Rep Disseminierte Melioidose mit septischer Arthritis
36678359 2022 Übersichtsarbeit Pathogens Melioidose: Antibiotika vs. Phagentherapie
11869242 1997 Übersichtsarbeit Clin Microbiol Infect Therapie der Sepsis

Zur Harnwegsinfektion (Rang 6) liegen zusätzlich randomisierte Studien vor, etwa TANGO I (PMID 29486041) zu Meropenem-Vaborbactam vs. Piperacillin-Tazobactam (JAMA 2018) sowie eine Netzwerk-Metaanalyse zu komplizierten Harnwegsinfektionen (PMID 39817442, 2025).


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004669 Vaborem – Harnwegsinfektionen, Bakteriämie, bakterielle Infektionen, Atemwegsinfektionen, Pneumonie, beatmungsassoziierte Pneumonie

Diese Zulassung ist erloschen. Aktuell gibt es keine gültige Zulassung in den zusammengestellten Daten.


Sicherheitsaspekte

  • Mögliche Kontraindikationen (aus der Wissensgraph-Analyse, nicht aus der Fachinformation): Epilepsie, Nierenerkrankung, Pyoureter, Thrombozytopenie, Clostridium-difficile-Kolitis, perinatale nekrotisierende Enterokolitis.
  • Arzneimittelwechselwirkungen (14 erfasst):
    • Schwerwiegend (Major): Bupropion, Iohexol, Iopamidol
    • Moderat: Picosulfat, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Nitisinon, Natriumsulfat, Lindan, Ethinylestradiol, Alpelisib, Encorafenib, Mycophenolsäure, Pemetrexed, Teriflunomid

Für Warnhinweise und Kontraindikationen laut Fachinformation bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation konsultieren.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für bakterielle Arthritis existieren keine registrierten Studien. Die Evidenz beschränkt sich auf Fallberichte, Kohorten, Übersichten und Laborarbeiten (L4). Zudem ist der Marktstatus in Deutschland „nur erloschen“, und Carbapeneme sollten aus Gründen des Antibiotic Stewardship zurückhaltend eingesetzt werden. Die Harnwegsinfektion ist zwar gut belegt (L1, „Proceed with Guardrails“), entspricht aber der bestehenden Zulassung und ist keine echte Neuverwendung.

Für ein Weiterkommen wird benötigt:

  • Fachinformation des BfArM mit Warnhinweisen und Kontraindikationen (derzeit fehlend, blockierend für die Sicherheitsprüfung)
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (z. B. aus DrugBank)
  • Prospektive Studien oder Registerdaten zu Meropenem bei Knochen- und Gelenkinfektionen
  • Prüfung der Resistenzlage und Stewardship-Vorgaben sowie Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland (derzeit nur erloschene Zulassung)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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