Methionine
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Methionin: Von Ahornsirupkrankheit zu Akne
Zusammenfassung
Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, die ursprünglich zur Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen wurde (Handelsname Maapliv). Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei Akne wirksam sein könnte, doch derzeit gibt es keine klinischen Studien und nur 2 Publikationen mit indirektem Bezug. Direkte Belege für einen therapeutischen Nutzen fehlen.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Akne |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,9996 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Nach bisherigem Kenntnisstand ist Methionin eine schwefelhaltige essenzielle Aminosäure, die im Methionin-Zyklus an der Homocystein-Bildung beteiligt ist. Ihre Wirkung bei der ursprünglichen Indikation ist belegt; ein mechanistischer Bezug zu Akne ist jedoch nicht gesichert.
Der hohe TxGNN-Wert allein ist kein Wirksamkeitsnachweis. Die vorliegende Literatur zeigt lediglich einen indirekten Stoffwechselzusammenhang: Bei Patienten unter Isotretinoin-Therapie wegen zystischer Akne wurden erhöhte Homocystein-Spiegel beobachtet. Das ist keine Evidenz für einen therapeutischen Nutzen. Da eine Methionin-Gabe den Homocystein-Spiegel plausibel erhöhen könnte, ist die Wirkrichtung möglicherweise sogar ungünstig.
Die übrigen Vorhersagen mit ähnlich hohen Werten betreffen vor allem verschiedene Kataraktformen und die schwere nichtproliferative diabetische Retinopathie. Für diese gibt es entweder gar keine Belege oder nur Grundlagenforschung zur Oxidation von Linsenproteinen, jedoch keine Studien zu Methionin als Therapie.
Klinische Evidenz
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussage |
|---|---|---|---|---|
| 11277950 | 2001 | Kohorte/Beobachtungsstudie | Int J Dermatol | Erhöhte Plasma-Homocystein-Spiegel bei Patienten unter Isotretinoin wegen zystischer Akne; indirekter Stoffwechselbezug, kein Beleg für Nutzen |
| 39357918 | 2024 | Fallbericht | BMJ Case Reports | Neue MTHFR-Mutation mit neonataler Enzephalopathie, Haarausfall und marfanoiden Merkmalen; neonatale Akne nur als Begleitbefund, für Akne nicht relevant |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
Diese Zulassung hat den Status „erloschen/widerrufen“; derzeit gibt es keine gültige Zulassung.
Sicherheitsaspekte
Wissensgraphbasierte Kontraindikationen (aus Wissensgraph-Beziehungen, nicht aus dem Beipackzettel): Für Methionin sind Kontraindikationen mit folgenden Erkrankungen verzeichnet, u. a.:
- Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, Herzerkrankung, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung, Hyperlipidämie
- Niere: Nierenerkrankung, chronische/terminale Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
- Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperkalzämie, Phosphorstoffwechselstörungen, Phenylketonurie und andere Störungen des Phenylalaninstoffwechsels, Sarkoidose
Arzneimittelwechselwirkungen (5 erfasst):
| Wechselwirkungspartner | Schweregrad |
|---|---|
| Aktivkohle | Moderat |
| Ephedrin | Gering |
| Pseudoephedrin | Gering |
| Mexiletin | Gering |
| Flecainid | Gering |
Für weitere Sicherheitsinformationen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage beruht im Wesentlichen auf dem Modell; es gibt keine klinischen Studien, und die wenigen Publikationen zeigen nur einen indirekten Stoffwechselbezug. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel durch Methionin könnte zudem ungünstig sein. Dazu kommen die erloschene Zulassung in Deutschland und zahlreiche im Wissensgraphen verzeichnete Kontraindikationen.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
- Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation
- Präklinische oder klinische Belege für einen Nutzen von Methionin bei Akne
- Bewertung des Homocystein-bedingten Risikos bei Methionin-Gabe
- Klärung des Zulassungsstatus und der Darreichungsform
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.