Methionine

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Methionine
  2. Methionin: Von Ahornsirupkrankheit zu Akne
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Evidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Methionin: Von Ahornsirupkrankheit zu Akne

Zusammenfassung

Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, die ursprünglich zur Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen wurde (Handelsname Maapliv). Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei Akne wirksam sein könnte, doch derzeit gibt es keine klinischen Studien und nur 2 Publikationen mit indirektem Bezug. Direkte Belege für einen therapeutischen Nutzen fehlen.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)
Vorhergesagte neue Indikation Akne
TxGNN-Vorhersagewert 99,9996 %
Evidenzgrad L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Nach bisherigem Kenntnisstand ist Methionin eine schwefelhaltige essenzielle Aminosäure, die im Methionin-Zyklus an der Homocystein-Bildung beteiligt ist. Ihre Wirkung bei der ursprünglichen Indikation ist belegt; ein mechanistischer Bezug zu Akne ist jedoch nicht gesichert.

Der hohe TxGNN-Wert allein ist kein Wirksamkeitsnachweis. Die vorliegende Literatur zeigt lediglich einen indirekten Stoffwechselzusammenhang: Bei Patienten unter Isotretinoin-Therapie wegen zystischer Akne wurden erhöhte Homocystein-Spiegel beobachtet. Das ist keine Evidenz für einen therapeutischen Nutzen. Da eine Methionin-Gabe den Homocystein-Spiegel plausibel erhöhen könnte, ist die Wirkrichtung möglicherweise sogar ungünstig.

Die übrigen Vorhersagen mit ähnlich hohen Werten betreffen vor allem verschiedene Kataraktformen und die schwere nichtproliferative diabetische Retinopathie. Für diese gibt es entweder gar keine Belege oder nur Grundlagenforschung zur Oxidation von Linsenproteinen, jedoch keine Studien zu Methionin als Therapie.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussage
11277950 2001 Kohorte/Beobachtungsstudie Int J Dermatol Erhöhte Plasma-Homocystein-Spiegel bei Patienten unter Isotretinoin wegen zystischer Akne; indirekter Stoffwechselbezug, kein Beleg für Nutzen
39357918 2024 Fallbericht BMJ Case Reports Neue MTHFR-Mutation mit neonataler Enzephalopathie, Haarausfall und marfanoiden Merkmalen; neonatale Akne nur als Begleitbefund, für Akne nicht relevant

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005557 Maapliv – Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)

Diese Zulassung hat den Status „erloschen/widerrufen“; derzeit gibt es keine gültige Zulassung.


Sicherheitsaspekte

Wissensgraphbasierte Kontraindikationen (aus Wissensgraph-Beziehungen, nicht aus dem Beipackzettel): Für Methionin sind Kontraindikationen mit folgenden Erkrankungen verzeichnet, u. a.:

  • Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, Herzerkrankung, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung, Hyperlipidämie
  • Niere: Nierenerkrankung, chronische/terminale Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
  • Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperkalzämie, Phosphorstoffwechselstörungen, Phenylketonurie und andere Störungen des Phenylalaninstoffwechsels, Sarkoidose

Arzneimittelwechselwirkungen (5 erfasst):

Wechselwirkungspartner Schweregrad
Aktivkohle Moderat
Ephedrin Gering
Pseudoephedrin Gering
Mexiletin Gering
Flecainid Gering

Für weitere Sicherheitsinformationen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage beruht im Wesentlichen auf dem Modell; es gibt keine klinischen Studien, und die wenigen Publikationen zeigen nur einen indirekten Stoffwechselbezug. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel durch Methionin könnte zudem ungünstig sein. Dazu kommen die erloschene Zulassung in Deutschland und zahlreiche im Wissensgraphen verzeichnete Kontraindikationen.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
  • Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation
  • Präklinische oder klinische Belege für einen Nutzen von Methionin bei Akne
  • Bewertung des Homocystein-bedingten Risikos bei Methionin-Gabe
  • Klärung des Zulassungsstatus und der Darreichungsform

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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