Norethisterone
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Norethisteron: Von Leiomyom zu Amenorrhoe
Zusammenfassung
Norethisteron ist ein synthetisches Gestagen, das laut den für diesen Bericht zusammengestellten Daten ursprünglich im Zusammenhang mit der Behandlung von Leiomyomen (Uterusmyomen) zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Amenorrhoe wirksam sein könnte. Die Evidenz ist jedoch schwach: Es gibt keine registrierten klinischen Studien und 20 Publikationen, die überwiegend Übersichtsarbeiten zur hormonellen Kontrazeption sind, in denen Amenorrhoe als Nebenwirkung auftritt, nicht als Therapieziel.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Leiomyom |
| Vorhergesagte neue Indikation | Amenorrhoe |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,60 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Bekannt ist: Norethisteron ist ein synthetisches Gestagen mit ausgeprägter progestogener Aktivität und bindet am Progesteronrezeptor (PGR). Die Wirksamkeit bei Leiomyomen wurde über die Zulassung (Ryeqo, eine Kombination) beschrieben, und mechanistisch könnte die Substanz auch bei Amenorrhoe anwendbar sein.
Klinisch werden Gestagene eingesetzt, um bei sekundärer Amenorrhoe mit östrogenstimuliertem Endometrium eine Entzugsblutung auszulösen und hormonelle Ungleichgewichte zu behandeln. Das ergibt eine plausible mechanistische Verbindung.
Allerdings behandelt die gefundene Literatur nicht die Therapie der Amenorrhoe. Der hohe TxGNN-Wert (0,996) ist eine reine Computervorhersage. Eine direkte Stütze in den vorliegenden Daten gibt es nicht.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
Die folgende Auswahl priorisiert Studien mit höherem Evidenzgrad.
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 23641480 | 2013 | Systematische Übersicht (Cochrane) | Cochrane Database Syst Rev | Kombinierte Injektionskontrazeptiva als wirksame, reversible Verhütung; Akzeptanz kann durch Blutungsmuster begrenzt sein |
| 18843662 | 2008 | Systematische Übersicht (Cochrane) | Cochrane Database Syst Rev | Frühere Fassung derselben Übersicht zu kombinierten Injektionskontrazeptiva |
| 38530848 | 2024 | RCT (WHICH-Studie) | PLoS One | Vergleich von DMPA-IM und NET-EN hinsichtlich Östradiolspiegel, Menstruations- und psychologischen Parametern |
| 41489365 | 2026 | Beobachtungs-/mechanistische Studie | Biol Reprod | Injektionskontrazeptiva beeinflussen die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse unterschiedlich; bei DMPA-IM häufiger Amenorrhoe als bei NET-EN |
| 8336583 | 1993 | RCT | Med J Aust | Kontinuierliche niedrig dosierte Östrogen-Gestagen-Hormonersatztherapie: Wirksamkeit und Akzeptanz |
| 6786825 | 1981 | Phase-I-Studie | Contraception | Norethisteronenanthat und -acetat bei 20 Frauen; LH-/FSH-Spitzen unterdrückt, Menstruationsstörungen einschließlich Amenorrhoe |
| 3695501 | 1987 | Formulierungsstudie | J Steroid Biochem | Norethisteron-Mikrokapseln; Amenorrhoe und Schmierblutungen als häufigste Nebenwirkungen |
| 6230212 | 1983 | Umfrage | Contraception | Umgang mit Zyklusstörungen unter Injektionskontrazeptiva |
| 31056890 | 2019 | Fallbericht | JBRA Assist Reprod | Autoimmunhypothyreose und intermittierende Ovarialinsuffizienz bei sekundärer Amenorrhoe |
| 12290848 | 1994 | Übersichtsarbeit | J Obstet Gynaecol | Übersicht zu monatlichen kombinierten Injektionskontrazeptiva |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005267 | Ryeqo | – | Leiomyom |
Diese Zulassung ist erloschen, derzeit besteht keine gültige Zulassung.
Sicherheitsaspekte
- Wechselwirkungen: Pharmakologisch bindet Norethisteron an den Progesteronrezeptor (PGR); weitere Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind in den Daten nicht verzeichnet.
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (Wissensgraph-Beziehungen, kein Packungsbeilagentext): Hypertonie, Epilepsie, Angststörungen, Porphyrie, Nieren- und Lebererkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Hyperglykämie und Diabetes mellitus (einschließlich diabetischer Ketoazidose), Hypertriglyzeridämie, Hyperkalzämie, Hypothyreose, systemischer Lupus erythematodes, Asthma und Mammakarzinom (weitere Einträge: Dysthymie, neurotische Störungen, Pyoureter, Nephrokalzinose, Störungen des Phosphorstoffwechsels).
Für verbindliche Sicherheitsinformationen ist die Packungsbeilage heranzuziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage ist mechanistisch plausibel, doch es gibt keine klinischen Studien, und die Literatur behandelt Amenorrhoe nur als Nebenwirkung der Kontrazeption, nicht als Therapieziel. Der Evidenzgrad ist L4, und es besteht keine gültige Zulassung in Deutschland.
Für das weitere Vorgehen wird benötigt:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Packungsbeilage (BfArM), da diese Sicherheitsprüfung derzeit blockiert ist
- Gezielte Literaturrecherche zur Gestagentherapie bei sekundärer Amenorrhoe
- Klärung der Anwendungswege und Darreichungsformen sowie der Beziehung zur ursprünglichen Indikation
- Prüfung des regulatorischen Status, da die einzige Zulassung erloschen ist
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.