Panobinostat

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Panobinostat
  2. Panobinostat: Vom Multiplen Myelom zur Myeloischen Leukämie
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Zytotoxizität
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Panobinostat: Vom Multiplen Myelom zur Myeloischen Leukämie

Zusammenfassung

Panobinostat ist ein Histon-Deacetylase-Inhibitor (HDAC-Inhibitor), der ursprünglich zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei myeloischer Leukämie wirksam sein könnte. Dafür liegen 17 klinische Studien und 20 Publikationen vor, überwiegend frühe Phase-1/2-Studien und präklinische Arbeiten.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Multiples Myelom
Vorhergesagte neue Indikation Myeloische Leukämie
TxGNN-Vorhersagewert 99,70 %
Evidenzstufe L2 (siehe Hinweis unten)
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/gelöschte Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (0 gültig, 1 erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Hinweis zur Evidenzstufe: Die einzige Phase-3-Studie (NCT04326764) wurde vorzeitig mit nur 52 Patienten beendet und ist nicht aussagekräftig genug für L1. Eine abgeschlossene randomisierte Phase-2/3-Studie ist in den vorliegenden Daten nicht eindeutig belegt; die Einstufung L2 ist daher eher wohlwollend und als vorläufig zu betrachten.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Aus der Literatur ist jedoch gut bekannt, dass Panobinostat ein Pan-HDAC-Inhibitor ist. Er greift in die epigenetische Regulation ein und erhöht die Histon-Acetylierung.

Bei myeloischer Leukämie tragen epigenetisches Gen-Silencing und die Rekrutierung von HDACs durch onkogene Fusionsproteine zur Differenzierungsblockade bei. Eine HDAC-Hemmung kann stillgelegte Tumorsuppressorgene reaktivieren sowie Differenzierung und Apoptose auslösen. Präklinische Daten zeigen zudem Synergien mit hypomethylierenden Substanzen (z. B. Azacitidin), Anthracyclinen, Cytarabin und Tyrosinkinase-Inhibitoren (z. B. Imatinib). Weitere Hinweise gibt es auf Aktivität in Bortezomib-resistenten Modellen und über eine IFNAR-abhängige Aktivierung plasmazytoider dendritischer Zellen.

Multiples Myelom und myeloische Leukämie sind beides hämatologische Neoplasien mit epigenetischen Veränderungen. Die Wirksamkeit von Panobinostat beim Myelom spricht daher mechanistisch für eine mögliche Übertragbarkeit, ersetzt aber keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis bei Leukämie.


Klinische Studien

Dargestellt sind die 10 relevantesten von insgesamt 17 Studien.

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT04326764 Phase 3 Abgebrochen 52 Panobinostat-Erhaltungstherapie mit DLI vs. alleinige DLI nach allogener Stammzelltransplantation bei Hochrisiko-AML/MDS; wegen geringer Fallzahl nicht aussagekräftig
NCT00946647 Phase 1/2 Abgeschlossen 113 Panobinostat + Azacitidin vs. Azacitidin allein bei MDS/CMML/AML; größter abgeschlossener Datensatz
NCT01451268 Phase 1/2 Unbekannt 62 PANOBEST: Erhaltungstherapie nach allogener SZT bei Hochrisiko-MDS/AML; MTD und Sicherheit
NCT00880269 Phase 2 Abgeschlossen 59 Panobinostat als Monotherapie bei refraktärer AML
NCT01055483 Phase 1 Abgeschlossen 59 Dosisfindung mit Ara-C und Mitoxantron bei rezidivierter/refraktärer AML
NCT00691938 Phase 1/2 Abgeschlossen 52 Panobinostat + Decitabin bei Patienten ≥ 60 Jahre mit Hochrisiko-MDS/AML
NCT01242774 Phase 1 Abgeschlossen 46 Dosisfindung mit Idarubicin und Cytarabin in Induktion/Konsolidierung bei AML (≤ 65 Jahre)
NCT00840346 Phase 1/2 Abgeschlossen 46 Panobinostat mit Idarubicin und Cytarabin bei neu diagnostizierter AML (≥ 65 Jahre)
NCT01321346 Phase 1 Abgeschlossen 30 Dosisfindung bei Kindern mit refraktären hämatologischen Neoplasien (ALL, AML, HD, NHL)
NCT01463046 Phase 1 Abgeschlossen 29 Dosisfindung mit Cytarabin und Daunorubicin bei älteren Patienten mit unbehandelter AML/fortgeschrittenem MDS

Weitere Studien (u. a. bei CML, pädiatrischer AML/MDS, Phase-4-Langzeitstudie mit Ruxolitinib) sind in kleinerem Umfang registriert; mehrere wurden vorzeitig abgebrochen.


Literatur

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
24413064 2014 Phase-Ib/II-Studie Blood Cancer J Panobinostat + Azacitidin bei AML und Hochrisiko-MDS (39 Patienten); MTD und vorläufige Wirksamkeit
32809242 2020 Klinische Studie Cancer Sicherheit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei Kindern und jungen Erwachsenen mit rezidivierter AML
23826641 2013 Review Expert Opin Investig Drugs Panobinostat bei lymphatischen und myeloischen Neoplasien
27485472 2016 Review Expert Opin Investig Drugs Panobinostat bei akuter myeloischer Leukämie
31739588 2019 Review Cancers HDAC-Inhibitoren bei AML; epigenetische Begründung
38965693 2024 Leitlinie Pediatr Blood Cancer Leitlinie zu rezidivierter/refraktärer myeloischer Leukämie bei Down-Syndrom; nennt Azacitidin ± Panobinostat als Option
25142817 2015 Review Leukemia Neue Wirkstoffe für ältere AML-Patienten
35311997 2022 Präklinisch Cancer Discov HDAC-Hemmung durch Panobinostat aktiviert plasmazytoide dendritische Zellen und fördert IFNAR-abhängige Differenzierung der AML
25612941 2015 Präklinisch Leuk Res Panobinostat + Marizomib in AML- und Bortezomib-resistenten Modellen
26529495 2015 Präklinisch Cancer Biol Ther Synergie von Panobinostat mit MK-1775 in AML ex vivo

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/003725 Farydak (pharmaand GmbH) k. A. Multiples Myelom (Status: erloschen)

Es besteht derzeit keine gültige Zulassung in Deutschland.


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete epigenetische Therapie (HDAC-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenität Bitte Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Bitte Fachinformation beachten; üblich sind Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Elektrolyte
Handhabungsschutz Handhabung gemäß den Vorschriften für zytotoxische Arzneimittel

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: In den Daten wurden insgesamt 527 mögliche Wechselwirkungen erfasst. Auswahl:

  • Schwerwiegend (Major): Acetylsalicylsäure, Clarithromycin, Levofloxacin, Dolasetron, Palonosetron, Eliglustat, Picosulfat, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Natriumsulfat
  • Moderat: Famotidin, Cimetidin, Loperamid, Aprepitant, Dexamethason, Bisacodyl, Naltrexon, Metoclopramid, Metreleptin, Miconazol
  • Gering (Minor): Metronidazol

Auffällig sind die Major-Wechselwirkungen mit mehreren QT-verlängernden Substanzen (u. a. Antiemetika, Makrolide, Fluorchinolone); dies sollte bei einer Anwendung geprüft werden. Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen nicht vor; bitte die Fachinformation konsultieren.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Es gibt eine plausible epigenetische Begründung und mehrere Phase-1/2-Studien bei AML/MDS, aber keine aussagekräftige Phase-3-Evidenz (die einzige Phase-3-Studie wurde mit 52 Patienten abgebrochen). Zudem ist die Zulassung in Deutschland erloschen und die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, sodass eine Sicherheitsprüfung derzeit nicht abgeschlossen werden kann.

Für das weitere Vorgehen werden benötigt:

  • Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (Blockierende Datenlücke)
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (MOA) aus der Arzneimitteldatenbank
  • Auswertung der Wirksamkeitsergebnisse der abgeschlossenen Phase-1/2-Studien (insbesondere NCT00946647, NCT00880269)
  • Klärung der regulatorischen Lage in Deutschland, da die bisherige Zulassung erloschen ist
  • Prüfung der Wechselwirkungen, insbesondere QT-relevanter Kombinationspartner

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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