Panobinostat
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Panobinostat: Vom Multiplen Myelom zur Myeloischen Leukämie
Zusammenfassung
Panobinostat ist ein Histon-Deacetylase-Inhibitor (HDAC-Inhibitor), der ursprünglich zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei myeloischer Leukämie wirksam sein könnte. Dafür liegen 17 klinische Studien und 20 Publikationen vor, überwiegend frühe Phase-1/2-Studien und präklinische Arbeiten.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Multiples Myelom |
| Vorhergesagte neue Indikation | Myeloische Leukämie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,70 % |
| Evidenzstufe | L2 (siehe Hinweis unten) |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/gelöschte Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (0 gültig, 1 erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Hinweis zur Evidenzstufe: Die einzige Phase-3-Studie (NCT04326764) wurde vorzeitig mit nur 52 Patienten beendet und ist nicht aussagekräftig genug für L1. Eine abgeschlossene randomisierte Phase-2/3-Studie ist in den vorliegenden Daten nicht eindeutig belegt; die Einstufung L2 ist daher eher wohlwollend und als vorläufig zu betrachten.
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Aus der Literatur ist jedoch gut bekannt, dass Panobinostat ein Pan-HDAC-Inhibitor ist. Er greift in die epigenetische Regulation ein und erhöht die Histon-Acetylierung.
Bei myeloischer Leukämie tragen epigenetisches Gen-Silencing und die Rekrutierung von HDACs durch onkogene Fusionsproteine zur Differenzierungsblockade bei. Eine HDAC-Hemmung kann stillgelegte Tumorsuppressorgene reaktivieren sowie Differenzierung und Apoptose auslösen. Präklinische Daten zeigen zudem Synergien mit hypomethylierenden Substanzen (z. B. Azacitidin), Anthracyclinen, Cytarabin und Tyrosinkinase-Inhibitoren (z. B. Imatinib). Weitere Hinweise gibt es auf Aktivität in Bortezomib-resistenten Modellen und über eine IFNAR-abhängige Aktivierung plasmazytoider dendritischer Zellen.
Multiples Myelom und myeloische Leukämie sind beides hämatologische Neoplasien mit epigenetischen Veränderungen. Die Wirksamkeit von Panobinostat beim Myelom spricht daher mechanistisch für eine mögliche Übertragbarkeit, ersetzt aber keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis bei Leukämie.
Klinische Studien
Dargestellt sind die 10 relevantesten von insgesamt 17 Studien.
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT04326764 | Phase 3 | Abgebrochen | 52 | Panobinostat-Erhaltungstherapie mit DLI vs. alleinige DLI nach allogener Stammzelltransplantation bei Hochrisiko-AML/MDS; wegen geringer Fallzahl nicht aussagekräftig |
| NCT00946647 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 113 | Panobinostat + Azacitidin vs. Azacitidin allein bei MDS/CMML/AML; größter abgeschlossener Datensatz |
| NCT01451268 | Phase 1/2 | Unbekannt | 62 | PANOBEST: Erhaltungstherapie nach allogener SZT bei Hochrisiko-MDS/AML; MTD und Sicherheit |
| NCT00880269 | Phase 2 | Abgeschlossen | 59 | Panobinostat als Monotherapie bei refraktärer AML |
| NCT01055483 | Phase 1 | Abgeschlossen | 59 | Dosisfindung mit Ara-C und Mitoxantron bei rezidivierter/refraktärer AML |
| NCT00691938 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 52 | Panobinostat + Decitabin bei Patienten ≥ 60 Jahre mit Hochrisiko-MDS/AML |
| NCT01242774 | Phase 1 | Abgeschlossen | 46 | Dosisfindung mit Idarubicin und Cytarabin in Induktion/Konsolidierung bei AML (≤ 65 Jahre) |
| NCT00840346 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 46 | Panobinostat mit Idarubicin und Cytarabin bei neu diagnostizierter AML (≥ 65 Jahre) |
| NCT01321346 | Phase 1 | Abgeschlossen | 30 | Dosisfindung bei Kindern mit refraktären hämatologischen Neoplasien (ALL, AML, HD, NHL) |
| NCT01463046 | Phase 1 | Abgeschlossen | 29 | Dosisfindung mit Cytarabin und Daunorubicin bei älteren Patienten mit unbehandelter AML/fortgeschrittenem MDS |
Weitere Studien (u. a. bei CML, pädiatrischer AML/MDS, Phase-4-Langzeitstudie mit Ruxolitinib) sind in kleinerem Umfang registriert; mehrere wurden vorzeitig abgebrochen.
Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 24413064 | 2014 | Phase-Ib/II-Studie | Blood Cancer J | Panobinostat + Azacitidin bei AML und Hochrisiko-MDS (39 Patienten); MTD und vorläufige Wirksamkeit |
| 32809242 | 2020 | Klinische Studie | Cancer | Sicherheit, Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei Kindern und jungen Erwachsenen mit rezidivierter AML |
| 23826641 | 2013 | Review | Expert Opin Investig Drugs | Panobinostat bei lymphatischen und myeloischen Neoplasien |
| 27485472 | 2016 | Review | Expert Opin Investig Drugs | Panobinostat bei akuter myeloischer Leukämie |
| 31739588 | 2019 | Review | Cancers | HDAC-Inhibitoren bei AML; epigenetische Begründung |
| 38965693 | 2024 | Leitlinie | Pediatr Blood Cancer | Leitlinie zu rezidivierter/refraktärer myeloischer Leukämie bei Down-Syndrom; nennt Azacitidin ± Panobinostat als Option |
| 25142817 | 2015 | Review | Leukemia | Neue Wirkstoffe für ältere AML-Patienten |
| 35311997 | 2022 | Präklinisch | Cancer Discov | HDAC-Hemmung durch Panobinostat aktiviert plasmazytoide dendritische Zellen und fördert IFNAR-abhängige Differenzierung der AML |
| 25612941 | 2015 | Präklinisch | Leuk Res | Panobinostat + Marizomib in AML- und Bortezomib-resistenten Modellen |
| 26529495 | 2015 | Präklinisch | Cancer Biol Ther | Synergie von Panobinostat mit MK-1775 in AML ex vivo |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/003725 | Farydak (pharmaand GmbH) | k. A. | Multiples Myelom (Status: erloschen) |
Es besteht derzeit keine gültige Zulassung in Deutschland.
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Zytotoxizitätsklassifikation | Zielgerichtete epigenetische Therapie (HDAC-Inhibitor) |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenität | Bitte Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Bitte Fachinformation beachten; üblich sind Blutbild, Leber- und Nierenfunktion, Elektrolyte |
| Handhabungsschutz | Handhabung gemäß den Vorschriften für zytotoxische Arzneimittel |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: In den Daten wurden insgesamt 527 mögliche Wechselwirkungen erfasst. Auswahl:
- Schwerwiegend (Major): Acetylsalicylsäure, Clarithromycin, Levofloxacin, Dolasetron, Palonosetron, Eliglustat, Picosulfat, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Natriumsulfat
- Moderat: Famotidin, Cimetidin, Loperamid, Aprepitant, Dexamethason, Bisacodyl, Naltrexon, Metoclopramid, Metreleptin, Miconazol
- Gering (Minor): Metronidazol
Auffällig sind die Major-Wechselwirkungen mit mehreren QT-verlängernden Substanzen (u. a. Antiemetika, Makrolide, Fluorchinolone); dies sollte bei einer Anwendung geprüft werden. Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen nicht vor; bitte die Fachinformation konsultieren.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Es gibt eine plausible epigenetische Begründung und mehrere Phase-1/2-Studien bei AML/MDS, aber keine aussagekräftige Phase-3-Evidenz (die einzige Phase-3-Studie wurde mit 52 Patienten abgebrochen). Zudem ist die Zulassung in Deutschland erloschen und die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, sodass eine Sicherheitsprüfung derzeit nicht abgeschlossen werden kann.
Für das weitere Vorgehen werden benötigt:
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (Blockierende Datenlücke)
- Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (MOA) aus der Arzneimitteldatenbank
- Auswertung der Wirksamkeitsergebnisse der abgeschlossenen Phase-1/2-Studien (insbesondere NCT00946647, NCT00880269)
- Klärung der regulatorischen Lage in Deutschland, da die bisherige Zulassung erloschen ist
- Prüfung der Wechselwirkungen, insbesondere QT-relevanter Kombinationspartner
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.