Phenylalanine
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 2 |
Inhaltsverzeichnis
Phenylalanin: Von der Ahornsirupkrankheit zur sklerosierenden Cholangitis
Zusammenfassung in einem Satz
Phenylalanin (Handelsname Maapliv) war ursprünglich für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei sklerosierender Cholangitis wirksam sein könnte. Dafür gibt es jedoch keine klinischen Studien und nur 3 Publikationen mit lediglich indirektem Bezug, sodass die Vorhersage rein rechnerisch bleibt.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Sklerosierende Cholangitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,43 % |
| Evidenzstufe | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Phenylalanin ist eine essenzielle aromatische Aminosäure, die im Körper zu Tyrosin hydroxyliert wird. Ihre Wirksamkeit bei der Ahornsirupkrankheit ist hier nicht näher belegt, und ein direkter mechanistischer Bezug zur sklerosierenden Cholangitis lässt sich nicht herstellen.
Die vorliegende Literatur ist nur am Rande relevant: Der Stoffwechsel aromatischer Aminosäuren (Plasma-Tyrosin, das Folgeprodukt der Phenylalanin-Hydroxylierung) wurde im Zusammenhang mit Müdigkeit bei primär biliärer Zirrhose und primär sklerosierender Cholangitis untersucht. Zudem wurden Serum-Stoffwechselprofile bei Gallenwegserkrankungen erhoben. Dabei handelt es sich um Beobachtungs- bzw. Biomarker-Assoziationen, nicht um Belege dafür, dass eine Phenylalanin-Gabe therapeutisch wirkt.
Der sehr hohe TxGNN-Wert (0,994) ist eine reine Modellvorhersage und sollte als Hypothese verstanden werden.
Die zweite Vorhersage, angeborener Prothrombinmangel (Score 99,26 %), stützt sich ausschließlich auf das Modell. Es liegen weder Studien noch Publikationen vor. Dieser monogene Gerinnungsfaktormangel (F2-Gen) wird mit Faktorersatz behandelt, und ein plausibler Mechanismus für eine Wirkung von Phenylalanin besteht nicht. Vermutlich handelt es sich um ein Artefakt des Wissensgraphen (Evidenzstufe L5, Empfehlung Hold).
Klinische Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 15790420 | 2005 | Kohortenstudie | BMC Gastroenterology | Zusammenhang zwischen Plasma-Tyrosin und Müdigkeit bei primär biliärer Zirrhose und primär sklerosierender Cholangitis; Untersuchung von Aminosäuremustern |
| 32025163 | 2020 | Kohortenstudie | Journal of Clinical and Experimental Hepatology | Serum-Metabolomprofil bei Cholangiokarzinom im Vergleich zu gutartigen hepatobiliären Erkrankungen (britische Kohorte) |
| 2103382 | 1990 | Präklinisch/Methodik | Journal of Gastroenterology and Hepatology | Radioimmunoassay für ein phenylalaninhaltiges Peptid (fMLP); enterohepatischer Kreislauf bakterieller chemotaktischer Peptide |
Keine der Publikationen belegt eine therapeutische Wirkung von Phenylalanin bei sklerosierender Cholangitis.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv (Recordati Rare Diseases) | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
Diese Zulassung ist erloschen (Status: cancelled).
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, keine Angaben aus dem Beipackzettel): Nierenerkrankungen (u. a. chronische Niereninsuffizienz, terminales Nierenversagen, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (u. a. Kammerflimmern, Digitalisvergiftung), Hyperkalzämie-bezogene Erkrankungen (u. a. humorale Hyperkalzämie bei Malignität, Sarkoidose), Störungen des Phosphorstoffwechsels, Pyourether sowie Phenylketonurie und weitere Störungen des Phenylalaninstoffwechsels.
- Arzneimittelwechselwirkungen: In den Daten wurden keine Wechselwirkungen gefunden.
Für weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen) ist die Fachinformation heranzuziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für sklerosierende Cholangitis gibt es keine klinischen Studien und nur indirekte, beobachtende Literatur (Evidenzstufe L4). Für den angeborenen Prothrombinmangel liegt ausschließlich eine Modellvorhersage vor (L5). Die einzige deutsche Zulassung ist erloschen, und die Sicherheitsdaten sind unvollständig.
Für ein Weiterkommen sind folgende Punkte nötig:
- Wirkmechanismus (MOA) ergänzen, um einen mechanistischen Bezug zu prüfen
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der BfArM-Fachinformation beschaffen (blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
- Präklinische Daten oder Mechanismusstudien zur Rolle von Phenylalanin bzw. aromatischen Aminosäuren bei sklerosierender Cholangitis
- Klärung der Kontraindikationen (insbesondere Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) vor jeder weiteren Bewertung
- Prüfung der Verabreichungswege und Darreichungsformen (derzeit keine Angaben)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.