Pregabalin
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
- Pregabalin
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Pregabalin: Von Epilepsie, Angststörungen und Neuralgie zu Tendinitis
- Zusammenfassung in einem Satz
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Informationen zum Markt in Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Ergänzender Hinweis zu weiteren Vorhersagen
- Haftungsausschluss
Pregabalin: Von Epilepsie, Angststörungen und Neuralgie zu Tendinitis
Zusammenfassung in einem Satz
Pregabalin ist ein Gabapentinoid, das ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie, generalisierten Angststörungen und neuropathischen Schmerzen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Tendinitis voraus, doch es liegen keine klinischen Studien und nur 6 Publikationen mit indirektem Bezug vor, die die Vorhersage nicht belegen. Die Evidenz beschränkt sich im Wesentlichen auf die modellbasierte Vorhersage.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Angststörungen; Epilepsie (teilweise zusätzlich Neuralgie) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Tendinitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9971 |
| Evidenzniveau | L5 (laut Bewertung der compilierten Daten; nur indirekte Hinweise, keine Studien zu Tendinitis) |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 6 von 6) |
| Anzahl der Zulassungen | 6 (gültig: 6) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Pregabalin an die alpha-2-delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle bindet und dadurch die Freisetzung erregender Neurotransmitter vermindert. Dies erklärt die Wirkung bei neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und Angststörungen.
Bei Tendinitis wäre ein Nutzen allenfalls symptomorientiert: Pregabalin könnte neuropathische oder nozizeptive Schmerzanteile lindern. Die vorhandene Literatur betrifft jedoch die postoperative Analgesie nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie Nervenengpass-Syndrome (Piriformis-Syndrom, N. cutaneus femoris posterior), nicht die Behandlung der Tendinitis selbst. Eine krankheitsmodifizierende Wirkung ist mechanistisch nicht erkennbar; der Zusammenhang ist indirekt.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine relevanten klinischen Studien zu Pregabalin bei Tendinitis registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Wichtigste Erkenntnisse |
|---|---|---|---|---|
| 34052386 | 2022 | RCT | Arthroscopy | Perioperatives orales Pregabalin erzielte nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion Schmerzwerte, die denen eines interskalenären Plexusblocks vergleichbar waren (postoperative Analgesie, nicht Tendinitis). |
| 32839073 | 2021 | Retrospektive Kohortenstudie | J Orthop Sci | Bewertung der analgetischen Wirkung und des opioidsparenden Effekts von Pregabalin nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion; Vorbefunde widersprüchlich. |
| 41017607 | 2025 | Fallbericht/Übersicht | Praxis | Fluorchinolon-assoziierte Behinderung nach Ciprofloxacin (u. a. Tendinopathien); kein Bezug zu einer Pregabalin-Wirkung. |
| 40818536 | 2025 | Editorial | Arthroscopy | Piriformis-Syndrom als komplexes Krankheitsbild, behandelbar durch Neurolyse und Sehnenrelease; kein Pregabalin-Bezug. |
| 37051935 | 2023 | Fallbericht | Pain Pract | Einklemmung des N. cutaneus femoris posterior nach Marathon bei Hamstring-Tendinitis. |
| 39703364 | 2024 | Präklinisch | Adv Pharmacol Pharm Sci | Pflanzenextrakt gegen Vincristin-induzierte Neuropathie bei Ratten; kein Pregabalin-Wirkstoff, nur indirekt relevant. |
Informationen zum Markt in Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000546 | Lyrica | – | Epilepsie; Angststörungen; Neuralgie |
| EMEA/H/C/004078 | Pregabalin Viatris (zuvor Pregabalin Mylan) | – | Angststörungen; Epilepsie |
| EMEA/H/C/003880 | Pregabalin Viatris Pharma (zuvor Pregabalin Pfizer) | – | Angststörungen; Epilepsie |
| EMEA/H/C/003900 | Pregabalin Zentiva | – | Angststörungen; Epilepsie |
| EMEA/H/C/004010 | Pregabalin Sandoz | – | Angststörungen; Neuralgie; Epilepsie |
Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen/Risiken aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung, Thrombozytopenie, Angioödem (einschließlich erworbener, hereditärer und ACE-/RAAS-Blocker-induzierter Formen), Myopathie und Muskelerkrankungen (u. a. Rhabdomyolyse, familiäre periodische Paralyse), noduläre Fasziitis, eingeschränkte Nierenfunktion, atrioventrikulärer Block.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft: Morphin und liposomales Morphin (additive ZNS-/Atemdepression). Als moderat eingestuft: Pioglitazon, Rosiglitazon, Troglitazon, Difenoxin, Diphenoxylat, Dronabinol, Nabilon, Metoclopramid, Opium und Sibutramin.
- Nebenwirkungen aus der Literatur (Migräne-Kontext): Sedation, sexuelle Funktionsstörungen, schlafbezogene Risiken.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation siehe bitte die Packungsbeilage; diese Daten waren nicht verfügbar.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für Tendinitis gibt es keine klinischen Studien, und die Literatur betrifft ausschließlich postoperative Schmerzen oder Nervenengpass-Syndrome. Der Zusammenhang ist indirekt und symptomorientiert. Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel, die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen hier jedoch.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Kontrollierte Studien zu Pregabalin speziell bei Tendinitis (Schmerzendpunkte)
- Beschaffung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von BfArM bzw. EMA
- Detaillierte Mechanismusdaten (z. B. aus DrugBank)
- Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland
Ergänzender Hinweis zu weiteren Vorhersagen
Die weiteren vorhergesagten Indikationen sind schwächer oder haben einen anderen Schwerpunkt:
- Idiopathische granulomatöse Myositis, Myositis fibrosa, Einschlusskörpermyositis: reine Modellvorhersagen (L5) ohne Studien oder plausible Mechanismen, Entscheidung Hold. Der identische Score der ersten beiden deutet auf ein Artefakt der Graphnachbarschaft hin.
- Migräne (Rang 5): Evidenzniveau L2, eingestuft als Forschungsfrage. Die einzige Phase-3-Studie (NCT00447369) wurde zurückgezogen und lieferte keine Daten. Kleine, pädiatrische Einzelzentrum-RCTs (Pregabalin vs. Propranolol bzw. Natriumvalproat) und eine Netzwerk-Metaanalyse deuten auf einen möglichen prophylaktischen Nutzen hin. Präklinisch hemmt Pregabalin die kortikale Streudepolarisation. Dies ist die am besten belegte Richtung unter den Vorhersagen und könnte als Nächstes priorisiert werden.
- Migräne mit Hirnstammaura (Rang 6): nur Tierstudien (L4), Hold.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.