Pregabalin

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Pregabalin
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Pregabalin: Von Epilepsie, Angststörungen und Neuralgie zu Tendinitis
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Informationen zum Markt in Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Ergänzender Hinweis zu weiteren Vorhersagen
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Pregabalin: Von Epilepsie, Angststörungen und Neuralgie zu Tendinitis

Zusammenfassung in einem Satz

Pregabalin ist ein Gabapentinoid, das ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie, generalisierten Angststörungen und neuropathischen Schmerzen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Tendinitis voraus, doch es liegen keine klinischen Studien und nur 6 Publikationen mit indirektem Bezug vor, die die Vorhersage nicht belegen. Die Evidenz beschränkt sich im Wesentlichen auf die modellbasierte Vorhersage.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Angststörungen; Epilepsie (teilweise zusätzlich Neuralgie)
Vorhergesagte neue Indikation Tendinitis
TxGNN-Vorhersagewert 0,9971
Evidenzniveau L5 (laut Bewertung der compilierten Daten; nur indirekte Hinweise, keine Studien zu Tendinitis)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 6 von 6)
Anzahl der Zulassungen 6 (gültig: 6)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Pregabalin an die alpha-2-delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle bindet und dadurch die Freisetzung erregender Neurotransmitter vermindert. Dies erklärt die Wirkung bei neuropathischen Schmerzen, Epilepsie und Angststörungen.

Bei Tendinitis wäre ein Nutzen allenfalls symptomorientiert: Pregabalin könnte neuropathische oder nozizeptive Schmerzanteile lindern. Die vorhandene Literatur betrifft jedoch die postoperative Analgesie nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie Nervenengpass-Syndrome (Piriformis-Syndrom, N. cutaneus femoris posterior), nicht die Behandlung der Tendinitis selbst. Eine krankheitsmodifizierende Wirkung ist mechanistisch nicht erkennbar; der Zusammenhang ist indirekt.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine relevanten klinischen Studien zu Pregabalin bei Tendinitis registriert.


Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Journal Wichtigste Erkenntnisse
34052386 2022 RCT Arthroscopy Perioperatives orales Pregabalin erzielte nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion Schmerzwerte, die denen eines interskalenären Plexusblocks vergleichbar waren (postoperative Analgesie, nicht Tendinitis).
32839073 2021 Retrospektive Kohortenstudie J Orthop Sci Bewertung der analgetischen Wirkung und des opioidsparenden Effekts von Pregabalin nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion; Vorbefunde widersprüchlich.
41017607 2025 Fallbericht/Übersicht Praxis Fluorchinolon-assoziierte Behinderung nach Ciprofloxacin (u. a. Tendinopathien); kein Bezug zu einer Pregabalin-Wirkung.
40818536 2025 Editorial Arthroscopy Piriformis-Syndrom als komplexes Krankheitsbild, behandelbar durch Neurolyse und Sehnenrelease; kein Pregabalin-Bezug.
37051935 2023 Fallbericht Pain Pract Einklemmung des N. cutaneus femoris posterior nach Marathon bei Hamstring-Tendinitis.
39703364 2024 Präklinisch Adv Pharmacol Pharm Sci Pflanzenextrakt gegen Vincristin-induzierte Neuropathie bei Ratten; kein Pregabalin-Wirkstoff, nur indirekt relevant.

Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000546 Lyrica – Epilepsie; Angststörungen; Neuralgie
EMEA/H/C/004078 Pregabalin Viatris (zuvor Pregabalin Mylan) – Angststörungen; Epilepsie
EMEA/H/C/003880 Pregabalin Viatris Pharma (zuvor Pregabalin Pfizer) – Angststörungen; Epilepsie
EMEA/H/C/003900 Pregabalin Zentiva – Angststörungen; Epilepsie
EMEA/H/C/004010 Pregabalin Sandoz – Angststörungen; Neuralgie; Epilepsie

Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen/Risiken aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung, Thrombozytopenie, Angioödem (einschließlich erworbener, hereditärer und ACE-/RAAS-Blocker-induzierter Formen), Myopathie und Muskelerkrankungen (u. a. Rhabdomyolyse, familiäre periodische Paralyse), noduläre Fasziitis, eingeschränkte Nierenfunktion, atrioventrikulärer Block.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft: Morphin und liposomales Morphin (additive ZNS-/Atemdepression). Als moderat eingestuft: Pioglitazon, Rosiglitazon, Troglitazon, Difenoxin, Diphenoxylat, Dronabinol, Nabilon, Metoclopramid, Opium und Sibutramin.
  • Nebenwirkungen aus der Literatur (Migräne-Kontext): Sedation, sexuelle Funktionsstörungen, schlafbezogene Risiken.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation siehe bitte die Packungsbeilage; diese Daten waren nicht verfügbar.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für Tendinitis gibt es keine klinischen Studien, und die Literatur betrifft ausschließlich postoperative Schmerzen oder Nervenengpass-Syndrome. Der Zusammenhang ist indirekt und symptomorientiert. Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel, die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen hier jedoch.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Kontrollierte Studien zu Pregabalin speziell bei Tendinitis (Schmerzendpunkte)
  • Beschaffung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von BfArM bzw. EMA
  • Detaillierte Mechanismusdaten (z. B. aus DrugBank)
  • Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland

Ergänzender Hinweis zu weiteren Vorhersagen

Die weiteren vorhergesagten Indikationen sind schwächer oder haben einen anderen Schwerpunkt:

  • Idiopathische granulomatöse Myositis, Myositis fibrosa, Einschlusskörpermyositis: reine Modellvorhersagen (L5) ohne Studien oder plausible Mechanismen, Entscheidung Hold. Der identische Score der ersten beiden deutet auf ein Artefakt der Graphnachbarschaft hin.
  • Migräne (Rang 5): Evidenzniveau L2, eingestuft als Forschungsfrage. Die einzige Phase-3-Studie (NCT00447369) wurde zurückgezogen und lieferte keine Daten. Kleine, pädiatrische Einzelzentrum-RCTs (Pregabalin vs. Propranolol bzw. Natriumvalproat) und eine Netzwerk-Metaanalyse deuten auf einen möglichen prophylaktischen Nutzen hin. Präklinisch hemmt Pregabalin die kortikale Streudepolarisation. Dies ist die am besten belegte Richtung unter den Vorhersagen und könnte als Nächstes priorisiert werden.
  • Migräne mit Hirnstammaura (Rang 6): nur Tierstudien (L4), Hold.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.