Prilocaine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Prilocaine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Prilocaine: Papillary conjunctivitis
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studienevidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Weitere vorhergesagte Indikationen
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Prilocaine: Papillary conjunctivitis

Zusammenfassung

Prilocain ist ein Lokalanästhetikum vom Amid-Typ. Die in Deutschland erfasste Zulassung (Fortacin) betrifft die physiologische sexuelle Funktionsstörung. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei Neuralgie wirksam sein könnte. Dafür liegen 2 klinische Studien und 14 Publikationen vor, überwiegend kleine, ältere und unkontrollierte Untersuchungen zur Kombination mit Lidocain (EMLA-Creme).

Hinweis zur Auswahl: Die Indikation mit dem höchsten TxGNN-Score (papillare Konjunktivitis, 0,9978) hat keinerlei Evidenz. Dieser Bericht stellt daher die am besten belegte Indikation (Neuralgie, Rang 5) in den Mittelpunkt. Die übrigen Vorhersagen sind im Abschnitt „Weitere vorhergesagte Indikationen" zusammengefasst.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Sexual Dysfunction, Physiological
Vorhergesagte neue Indikation Papillary conjunctivitis
TxGNN-Vorhersagewert 0.9978
Evidenzgrad L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold (Weiterverfolgung als Forschungsfrage)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu Prilocain liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach bekanntem Wissen gehört Prilocain jedoch zu den Amid-Lokalanästhetika, die spannungsabhängige Natriumkanäle blockieren. Die Wirksamkeit in der lokalen Schmerzausschaltung ist belegt.

Die ursprüngliche Indikation (Fortacin, ein Spray zur Linderung einer vorzeitigen Ejakulation) nutzt die oberflächliche, lokal betäubende Wirkung. Dieselbe Wirkung auf periphere nozizeptive Nervenfasern bietet einen direkten mechanistischen Ansatz für neuropathische Schmerzen wie die postherpetische Neuralgie. Meist wird Prilocain dafür zusammen mit Lidocain als EMLA-Creme eingesetzt.

Die Evidenz ist jedoch begrenzt: Kleine Studien aus dem Jahr 1989 berichten über Symptomlinderung, andere Arbeiten zeigen keinen Nutzen (z. B. verhinderte EMLA die durch Capsaicin ausgelösten Schmerzen nicht).


Klinische Studienevidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT00916942 Phase 2 Abgeschlossen 20 Offene Studie zu Lidocain 2,5 %/Prilocain 2,5 %-Creme als Vorbehandlung vor dem Capsaicin-Pflaster NGX-4010 bei postherpetischer Neuralgie; prüft die Verträglichkeit, nicht die Wirksamkeit
NCT06899438 Nicht zutreffend Abgeschlossen 38 Botulinumtoxin A vs. Prilocain-Injektion beim myofaszialen Schmerzsyndrom; Prilocain ist nicht die Prüfsubstanz, die Erkrankung weicht von Neuralgie ab

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Zentrale Ergebnisse
10342425 1999 RCT Pain EMLA-Vorbehandlung verringerte den durch 1 % Capsaicin ausgelösten Schmerz bei 9 Gesunden nicht
2616182 1989 Klinische Studie Pain EMLA 5 % bei 12 Patienten mit therapieresistenter PHN: signifikante Schmerzlinderung nach 6 Stunden; Pharmakokinetik
2493878 1989 Klinische Studie BMJ Lidocain-Prilocain-Creme bei postherpetischer Neuralgie
41777672 2026 Vergleichende Kohortenstudie (retrospektiv) Front Aging Neurosci EMLA allein vs. paravertebraler Block plus EMLA zur Verbesserung der Verträglichkeit des 8-%-Capsaicin-Pflasters bei thorakaler PHN
22182397 2011 Klinische Studie BMC Anesthesiol Verträglichkeit von NGX-4010 nach Vorbehandlung mit Lidocain/Prilocain-Creme bei PHN
1430539 1992 Übersichtsarbeit J Dermatol Surg Oncol EMLA als topisches Anästhetikum; u. a. Einsatz bei postherpetischer Neuralgie
8695081 1996 Fallbericht J Clin Anesth Erfolgreiche EMLA-Behandlung einer therapieresistenten PHN
23314014 2013 Übersichtsarbeit Curr Opin Support Palliat Care Evidenzbasiertes Management persistierender wundbedingter Schmerzen
12378018 2002 Kohortenstudie J Korean Med Sci Prognosefaktoren der postherpetischen Neuralgie
26857302 2016 Fallbericht Ugeskr Laeger Schmerzlinderung bei PHN durch Capsaicin-Pflaster

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002693 Fortacin (Recordati Ireland Ltd.) Keine Angabe Physiologische sexuelle Funktionsstörung (Status: gültig)

Sicherheitsaspekte

Die für diesen Bericht zusammengestellten Daten enthalten keine Angaben aus der Packungsbeilage. Bitte die Packungsbeilage für Sicherheitsinformationen heranziehen.

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (Arzneimittel-Erkrankungs-Beziehungen, kein Beipackzettel-Text): u. a. Bluthochdruck, Epilepsie, Nieren- und Lebererkrankungen, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Hämoglobinopathie, Herzrhythmus-/Überleitungsstörungen (AV-Block), Atemversagen, Engwinkelglaukom, Myasthenia gravis, Butyrylcholinesterase-Mangel, Hyperthyreose.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 22 Wechselwirkungen erfasst, überwiegend als „schwerwiegend" eingestuft. Beispiele:
    • Methämoglobin-bildende Substanzen: Dapsone (auch topisch), Primaquin, Tafenoquin, Chinin, Chloroquin, Sulfasalazin, Rasburicase, Amylnitrit, Stickstoffmonoxid, Silbernitrat, Silbersulfadiazin
    • Weitere Lokalanästhetika: Lidocain (auch topisch), Benzocain, Cinchocain
    • Metoclopramid
    • Moderat: liposomales Morphin; gering: Hyaluronidase
  • Aus der Literatur: Bei geschädigter Haut kann die systemische Aufnahme steigen; Krampfanfälle und Methämoglobinämie nach topischer EMLA-Anwendung bei einem Kind, Kontaktallergien und Purpura wurden berichtet.

Weitere vorhergesagte Indikationen

Indikation TxGNN-Wert Evidenzgrad Einschätzung
Papilläre Konjunktivitis 0,9978 L5 Nur Vorhersage, keine Studien oder Literatur
Manische bipolare Störung 0,9976 L5 Nur Vorhersage; systemische Risiken (Methämoglobinämie, ZNS-Toxizität)
Bronchitis 0,9964 L5 Nur Vorhersage, keine Evidenz
Migräne 0,9942 L5 Eine Studie (NCT02403687) und eine Arbeit ohne direkten Prilocain-Bezug
Migräne mit Hirnstammaura 0,9933 L5 Nur Vorhersage
Atopisches Ekzem 0,9931 L5 Literatur beschreibt nur Sicherheitsrisiken, keinen Nutzen
Allergisches Asthma 0,9929 L5 Nur Arbeiten zur Allergiediagnostik; Allergiepotenzial
Rhinitis 0,9928 L5 Indirekte Hautstudie von 1987
Rosazea-Konjunktivitis 0,9924 L5 Nur Vorhersage

Für alle diese Indikationen lautet die Empfehlung Hold.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (Weiterverfolgung als Forschungsfrage)

Begründung: Für Neuralgie gibt es einen plausiblen Mechanismus und kleine, überwiegend ältere, unkontrollierte Studien zu EMLA bei postherpetischer Neuralgie, aber keine abgeschlossene Phase-3-Studie. Daten aus der Packungsbeilage fehlen.

Für ein Fortschreiten sind erforderlich:

  • Beschaffung und Auswertung der Packungsbeilage (Warnhinweise und Kontraindikationen) von der BfArM-Website
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (z. B. aus DrugBank)
  • Kontrollierte, ausreichend große Studien zu Prilocain-haltigen Zubereitungen (EMLA) bei postherpetischer bzw. neuropathischer Neuralgie
  • Prüfung der Verfügbarkeit geeigneter Darreichungsformen und Applikationswege in Deutschland
  • Sicherheitskonzept zu Methämoglobinämie, Wechselwirkungen und Anwendung auf geschädigter Haut

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.