Prilocaine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Prilocaine
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Prilocaine: Papillary conjunctivitis
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Klinische Studienevidenz
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Weitere vorhergesagte Indikationen
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Prilocaine: Papillary conjunctivitis
Zusammenfassung
Prilocain ist ein Lokalanästhetikum vom Amid-Typ. Die in Deutschland erfasste Zulassung (Fortacin) betrifft die physiologische sexuelle Funktionsstörung. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei Neuralgie wirksam sein könnte. Dafür liegen 2 klinische Studien und 14 Publikationen vor, überwiegend kleine, ältere und unkontrollierte Untersuchungen zur Kombination mit Lidocain (EMLA-Creme).
Hinweis zur Auswahl: Die Indikation mit dem höchsten TxGNN-Score (papillare Konjunktivitis, 0,9978) hat keinerlei Evidenz. Dieser Bericht stellt daher die am besten belegte Indikation (Neuralgie, Rang 5) in den Mittelpunkt. Die übrigen Vorhersagen sind im Abschnitt „Weitere vorhergesagte Indikationen" zusammengefasst.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Sexual Dysfunction, Physiological |
| Vorhergesagte neue Indikation | Papillary conjunctivitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9978 |
| Evidenzgrad | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (Weiterverfolgung als Forschungsfrage) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zu Prilocain liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach bekanntem Wissen gehört Prilocain jedoch zu den Amid-Lokalanästhetika, die spannungsabhängige Natriumkanäle blockieren. Die Wirksamkeit in der lokalen Schmerzausschaltung ist belegt.
Die ursprüngliche Indikation (Fortacin, ein Spray zur Linderung einer vorzeitigen Ejakulation) nutzt die oberflächliche, lokal betäubende Wirkung. Dieselbe Wirkung auf periphere nozizeptive Nervenfasern bietet einen direkten mechanistischen Ansatz für neuropathische Schmerzen wie die postherpetische Neuralgie. Meist wird Prilocain dafür zusammen mit Lidocain als EMLA-Creme eingesetzt.
Die Evidenz ist jedoch begrenzt: Kleine Studien aus dem Jahr 1989 berichten über Symptomlinderung, andere Arbeiten zeigen keinen Nutzen (z. B. verhinderte EMLA die durch Capsaicin ausgelösten Schmerzen nicht).
Klinische Studienevidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT00916942 | Phase 2 | Abgeschlossen | 20 | Offene Studie zu Lidocain 2,5 %/Prilocain 2,5 %-Creme als Vorbehandlung vor dem Capsaicin-Pflaster NGX-4010 bei postherpetischer Neuralgie; prüft die Verträglichkeit, nicht die Wirksamkeit |
| NCT06899438 | Nicht zutreffend | Abgeschlossen | 38 | Botulinumtoxin A vs. Prilocain-Injektion beim myofaszialen Schmerzsyndrom; Prilocain ist nicht die Prüfsubstanz, die Erkrankung weicht von Neuralgie ab |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 10342425 | 1999 | RCT | Pain | EMLA-Vorbehandlung verringerte den durch 1 % Capsaicin ausgelösten Schmerz bei 9 Gesunden nicht |
| 2616182 | 1989 | Klinische Studie | Pain | EMLA 5 % bei 12 Patienten mit therapieresistenter PHN: signifikante Schmerzlinderung nach 6 Stunden; Pharmakokinetik |
| 2493878 | 1989 | Klinische Studie | BMJ | Lidocain-Prilocain-Creme bei postherpetischer Neuralgie |
| 41777672 | 2026 | Vergleichende Kohortenstudie (retrospektiv) | Front Aging Neurosci | EMLA allein vs. paravertebraler Block plus EMLA zur Verbesserung der Verträglichkeit des 8-%-Capsaicin-Pflasters bei thorakaler PHN |
| 22182397 | 2011 | Klinische Studie | BMC Anesthesiol | Verträglichkeit von NGX-4010 nach Vorbehandlung mit Lidocain/Prilocain-Creme bei PHN |
| 1430539 | 1992 | Übersichtsarbeit | J Dermatol Surg Oncol | EMLA als topisches Anästhetikum; u. a. Einsatz bei postherpetischer Neuralgie |
| 8695081 | 1996 | Fallbericht | J Clin Anesth | Erfolgreiche EMLA-Behandlung einer therapieresistenten PHN |
| 23314014 | 2013 | Übersichtsarbeit | Curr Opin Support Palliat Care | Evidenzbasiertes Management persistierender wundbedingter Schmerzen |
| 12378018 | 2002 | Kohortenstudie | J Korean Med Sci | Prognosefaktoren der postherpetischen Neuralgie |
| 26857302 | 2016 | Fallbericht | Ugeskr Laeger | Schmerzlinderung bei PHN durch Capsaicin-Pflaster |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002693 | Fortacin (Recordati Ireland Ltd.) | Keine Angabe | Physiologische sexuelle Funktionsstörung (Status: gültig) |
Sicherheitsaspekte
Die für diesen Bericht zusammengestellten Daten enthalten keine Angaben aus der Packungsbeilage. Bitte die Packungsbeilage für Sicherheitsinformationen heranziehen.
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (Arzneimittel-Erkrankungs-Beziehungen, kein Beipackzettel-Text): u. a. Bluthochdruck, Epilepsie, Nieren- und Lebererkrankungen, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Hämoglobinopathie, Herzrhythmus-/Überleitungsstörungen (AV-Block), Atemversagen, Engwinkelglaukom, Myasthenia gravis, Butyrylcholinesterase-Mangel, Hyperthyreose.
- Arzneimittelwechselwirkungen: 22 Wechselwirkungen erfasst, überwiegend als „schwerwiegend" eingestuft. Beispiele:
- Methämoglobin-bildende Substanzen: Dapsone (auch topisch), Primaquin, Tafenoquin, Chinin, Chloroquin, Sulfasalazin, Rasburicase, Amylnitrit, Stickstoffmonoxid, Silbernitrat, Silbersulfadiazin
- Weitere Lokalanästhetika: Lidocain (auch topisch), Benzocain, Cinchocain
- Metoclopramid
- Moderat: liposomales Morphin; gering: Hyaluronidase
- Aus der Literatur: Bei geschädigter Haut kann die systemische Aufnahme steigen; Krampfanfälle und Methämoglobinämie nach topischer EMLA-Anwendung bei einem Kind, Kontaktallergien und Purpura wurden berichtet.
Weitere vorhergesagte Indikationen
| Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzgrad | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Papilläre Konjunktivitis | 0,9978 | L5 | Nur Vorhersage, keine Studien oder Literatur |
| Manische bipolare Störung | 0,9976 | L5 | Nur Vorhersage; systemische Risiken (Methämoglobinämie, ZNS-Toxizität) |
| Bronchitis | 0,9964 | L5 | Nur Vorhersage, keine Evidenz |
| Migräne | 0,9942 | L5 | Eine Studie (NCT02403687) und eine Arbeit ohne direkten Prilocain-Bezug |
| Migräne mit Hirnstammaura | 0,9933 | L5 | Nur Vorhersage |
| Atopisches Ekzem | 0,9931 | L5 | Literatur beschreibt nur Sicherheitsrisiken, keinen Nutzen |
| Allergisches Asthma | 0,9929 | L5 | Nur Arbeiten zur Allergiediagnostik; Allergiepotenzial |
| Rhinitis | 0,9928 | L5 | Indirekte Hautstudie von 1987 |
| Rosazea-Konjunktivitis | 0,9924 | L5 | Nur Vorhersage |
Für alle diese Indikationen lautet die Empfehlung Hold.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold (Weiterverfolgung als Forschungsfrage)
Begründung: Für Neuralgie gibt es einen plausiblen Mechanismus und kleine, überwiegend ältere, unkontrollierte Studien zu EMLA bei postherpetischer Neuralgie, aber keine abgeschlossene Phase-3-Studie. Daten aus der Packungsbeilage fehlen.
Für ein Fortschreiten sind erforderlich:
- Beschaffung und Auswertung der Packungsbeilage (Warnhinweise und Kontraindikationen) von der BfArM-Website
- Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (z. B. aus DrugBank)
- Kontrollierte, ausreichend große Studien zu Prilocain-haltigen Zubereitungen (EMLA) bei postherpetischer bzw. neuropathischer Neuralgie
- Prüfung der Verfügbarkeit geeigneter Darreichungsformen und Applikationswege in Deutschland
- Sicherheitskonzept zu Methämoglobinämie, Wechselwirkungen und Anwendung auf geschädigter Haut
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.