Pseudoephedrine
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
Pseudoephedrin: Von saisonaler allergischer Rhinitis zu Erkrankungen der Nasenhöhle
Zusammenfassung in einem Satz
Pseudoephedrin wurde ursprünglich zur Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis eingesetzt (im Präparat Aerinaze). Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Erkrankungen der Nasenhöhle wirksam sein könnte. Die Datenlage ist jedoch dünn: Es gibt keine registrierten klinischen Studien und nur 7 indirekte Publikationen, überwiegend Tiermodelle und Übersichtsarbeiten.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Saisonale allergische Rhinitis |
| Vorhergesagte neue Indikation | Erkrankung der Nasenhöhle (nasal cavity disease) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,75 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Pseudoephedrin ein indirekt wirkendes Sympathomimetikum mit alpha-adrenerger Aktivität ist. Es verengt die Gefäße der Nasenschleimhaut und verringert so die Schleimhautschwellung. Darauf beruht der abschwellende Effekt.
Die ursprüngliche Indikation (saisonale allergische Rhinitis) und die vorhergesagte Indikation (Erkrankungen der Nasenhöhle, etwa nicht-allergische Rhinitis) teilen das zentrale Symptom der Nasenverstopfung. Mechanistisch ist eine Anwendbarkeit daher nachvollziehbar.
Wichtig ist die Einordnung: Der sehr hohe TxGNN-Wert spiegelt vermutlich vor allem die bereits bestehende Anwendung bei allergischer Rhinitis wider. Es handelt sich daher nicht um ein wirklich neuartiges Repurposing-Signal.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 22794679 | 2012 | Übersichtsarbeit | Allergy Asthma Proc | Überblick über nicht-allergische Rhinitis (entzündliche und nicht-entzündliche Ursachen) mit Symptomen wie Nasenverstopfung und Rhinorrhö |
| 11345158 | 2001 | Klinisch-pharmakologische Studie | Am J Rhinol | Vergleich der abschwellenden Wirkung von Phenylpropanolamin und d-Pseudoephedrin (oral und topisch) mittels akustischer Rhinometrie |
| 19769798 | 2009 | Tiermodell (Katze) | Am J Rhinol Allergy | Loratadin plus Montelukast wirkt abschwellend; d-Pseudoephedrin wurde mit und ohne Desloratadin untersucht |
| 12387934 | 2002 | Tiermodell (Hund) | J Pharmacol Toxicol Methods | Pharmakologische Charakterisierung eines Hundemodells der Nasenverstopfung |
| 12962193 | 2003 | Tiermodell (Hund) | Am J Rhinol | Modell allergischer Nasenverstopfung bei Hunden mit Ragweed-Sensibilisierung |
| 11895194 | 2002 | Tiermodell (Methodik) | Am J Rhinol | Akustische Rhinometrie beim Hund als Modell der Nasenverstopfung |
| 24492651 | 2014 | Tiermodell | J Pharmacol Exp Ther | Selektive α2c-Agonisten (nicht Pseudoephedrin) in Tiermodellen der Nasenverstopfung |
Die Literatur ist indirekt: Nur eine Humanstudie vergleicht Pseudoephedrin direkt mit einem anderen Dekongestivum, die übrigen Arbeiten sind Tiermodelle oder Übersichten.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000772 | Aerinaze | – | Saisonale allergische Rhinitis |
Diese Zulassung (Inhaber: Organon N.V.) ist erloschen. Aktuell ist kein gültiges Präparat in den Daten verzeichnet.
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (Krankheits-Wirkstoff-Beziehungen, keine Angaben aus der Fachinformation): Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und zerebrovaskuläre Erkrankungen, Epilepsie, Diabetes mellitus (einschließlich diabetischer Ketoazidose), Hypothyreose, benigne Prostatahyperplasie, Leber- und Nierenerkrankungen, Pankreatitis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, COPD, Blutgerinnungsstörungen, Rhabdomyolyse, Substanzmissbrauch/-abhängigkeit sowie Hypotonie.
- Arzneimittelwechselwirkungen: 150 Wechselwirkungen verzeichnet. Die dargestellten betreffen überwiegend Antidiabetika, meist mit moderatem Schweregrad. Beispiele: Acarbose, Glimepiride, Glipizid, Glyburid, Insulin (verschiedene Formen), Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin, Exenatid, Dulaglutid und Diethylpropion. Ascorbinsäure wird als geringfügig eingestuft.
Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte die Fachinformation prüfen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Der hohe TxGNN-Wert beruht im Wesentlichen auf der bereits bekannten Anwendung bei allergischer Rhinitis, und die Evidenz für die neue Indikation ist indirekt (Evidenzgrad L4, ohne klinische Studien). Zudem ist die einzige Zulassung erloschen, und das Sicherheitsprofil ist für viele Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen kritisch.
Für das weitere Vorgehen ist Folgendes nötig:
- Fachinformation der BfArM beschaffen und auswerten, da eine Sicherheitsprüfung ohne diese nicht möglich ist
- Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (z. B. aus DrugBank) ergänzen
- Gezielte klinische Evidenz für nicht-allergische Rhinitis bzw. andere Nasenhöhlenerkrankungen recherchieren
- Klären, ob für Deutschland überhaupt ein verfügbares Pseudoephedrin-Präparat existiert
Anmerkung zu den weiteren Vorhersagen: Für akute Laryngopharyngitis (TxGNN 99,73 %) und allergische Urtikaria (99,14 %) liegen keine klinischen Studien und keine Pseudoephedrin-spezifische Literatur vor (Evidenzgrad L5, Empfehlung Hold). Für Urtikaria ist zudem kein plausibler Mechanismus erkennbar; die gefundenen Arbeiten betreffen Antihistaminika und stehen vermutlich nur wegen Kombinationspräparaten im Zusammenhang.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.