Raloxifene
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 4 |
Inhaltsverzeichnis
Raloxifen: Von postmenopausaler Osteoporose zu Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
Zusammenfassung
Raloxifen ist ein selektiver Estrogenrezeptor-Modulator (SERM) und war ursprünglich zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Postmenopausale Osteoporose |
| Vorhergesagte neue Indikation | Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,72 % |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 3 (alle aufgehoben) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Raloxifen als SERM an die Estrogenrezeptoren α (ESR1) und β (ESR2) sowie an den G-Protein-gekoppelten Estrogenrezeptor GPER bindet. Seine Wirksamkeit bei postmenopausaler Osteoporose ist belegt.
Ein mechanistischer Zusammenhang zwischen dieser Rezeptoraktivität und dem Schutz der Magen- bzw. Duodenalschleimhaut ist in den vorliegenden Daten nicht belegt. Eine solche Verbindung wäre derzeit spekulativ. Der hohe TxGNN-Wert (0,997) ist eine rein graphbasierte Vorhersage und kein Nachweis einer therapeutischen Wirkung.
Weitere vom Modell vorhergesagte Indikationen sind ebenfalls ohne Studien- oder Literaturbelege:
| Rang | Vorhergesagte Indikation | TxGNN-Wert | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| 2 | Hypoalphalipoproteinämie | 99,65 % | Raloxifen senkt LDL- und Gesamtcholesterin moderat, erhöht aber nachweislich nicht das HDL-C; Zusammenhang schwach |
| 3 | Duodenalobstruktion | 99,64 % | Überwiegend mechanische Erkrankung; pharmakologischer SERM-Effekt unwahrscheinlich |
| 4 | Duodenogastrischer Reflux | 99,59 % | Kein erkennbarer Mechanismus; präklinische Validierung nötig |
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation | Status |
|---|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000185 | Optruma | – | Postmenopausale Osteoporose | Aufgehoben |
| EMEA/H/C/000184 | Evista | – | Postmenopausale Osteoporose | Aufgehoben |
| EMEA/H/C/001075 | Raloxifene Teva | – | Postmenopausale Osteoporose | Aufgehoben |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen laut Wissensgraph (Wirkstoff-Erkrankungs-Beziehungen aus PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Bluthochdruck, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Vorhofflimmern, Hypertriglyceridämie, Thrombophlebitis, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, zerebrovaskuläre Erkrankungen, zerebraler Infarkt, Lungenembolie, Netzhautarterienverschluss, Thrombophilie, eingeschränkte Nierenfunktion, transitorische ischämische Attacke, vertebrobasiläre Insuffizienz, Antiphospholipid-Syndrom. Auffällig ist der Schwerpunkt auf thromboembolischen und kardiovaskulären Erkrankungen.
- Wechselwirkungen / pharmakologische Ziele (4 Einträge, ohne Schweregrad): GPER (GPER1), Estrogenrezeptor-α (ESR1), Estrogenrezeptor-β (ESR2) und Aldehydoxidase 1 (AOX1). Dabei handelt es sich um Zielstrukturen, nicht um klassische Arzneimittelwechselwirkungen.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich ausschließlich auf einen Modellwert (Evidenzstufe L5) ohne klinische Studien, Literatur oder plausiblen Mechanismus. Zudem sind in Deutschland keine gültigen Zulassungen mehr vorhanden, und das Sicherheitsprofil (insbesondere thromboembolische Risiken) erfordert sorgfältige Abwägung.
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) über BfArM bzw. EMA, da die Sicherheitsprüfung sonst nicht fortgeführt werden kann
- Vollständige Wirkmechanismus-Daten (MOA) aus DrugBank
- Präklinische Studien zur Plausibilität eines Effekts auf die Duodenalschleimhaut
- Systematische Literaturrecherche zu Raloxifen und Ulcus duodeni
- Klärung des regulatorischen Status, da alle Zulassungen in Deutschland aufgehoben sind
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.