Ropinirole
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Ropinirole
- Ropinirol: Von Restless-Legs-Syndrom und Parkinson-Krankheit zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Ropinirol: Von Restless-Legs-Syndrom und Parkinson-Krankheit zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Zusammenfassung
Ropinirol ist ein Dopaminagonist (D2/D3), der ursprünglich zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms und der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei ADHS wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine registrierten klinischen Studien vor, aber 8 Publikationen, darunter ein Fallbericht und eine möglicherweise randomisierte, placebokontrollierte Studie (2026), deren Design und Ergebnisse noch anhand des Volltexts geprüft werden müssen.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Restless-Legs-Syndrom, Parkinson-Krankheit |
| Vorhergesagte neue Indikation | Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,99 % |
| Evidenzniveau | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/gelöschte Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold (weitere Forschungsfrage) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Ropinirol wirkt als Agonist an den Dopaminrezeptoren D2 und D3. Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor. Die pharmakologischen Angaben bestätigen jedoch die Bindung an DRD2 und DRD3.
ADHS ist mit einer Dysregulation des dopaminergen Systems verbunden. Außerdem tritt ADHS häufig gemeinsam mit dem Restless-Legs-Syndrom auf, einer zugelassenen Indikation von Ropinirol. Dies deutet auf gemeinsame dopaminerge Signalwege und Veränderungen im Eisenstoffwechsel hin. Ein Fallbericht beschreibt ein 6-jähriges Kind mit ADHS und RLS, bei dem Ropinirol sowohl die ADHS-Symptome als auch die Schlafstörungen deutlich besserte.
Die Evidenz ist überwiegend indirekt oder auf Fallebene. Eine Publikation aus dem Jahr 2026 (PMID 42640474) untersucht offenbar Ropinirol als Zusatz zu Methylphenidat gegenüber Placebo bei Kindern mit ADHS. Design und Ergebnisse konnten jedoch nur anhand des Titels beurteilt werden und müssen im Volltext verifiziert werden.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Wichtigste Erkenntnisse |
|---|---|---|---|---|
| 42640474 | 2026 | RCT (laut Titel, Verifizierung nötig) | Eur Child Adolesc Psychiatry | Ropinirol als Zusatz zu Methylphenidat vs. Placebo bei 66 Kindern/Jugendlichen (6–17 Jahre) mit ADHS, 8 Wochen, doppelblind |
| 16218085 | 2005 | Review | Sleep | Übersicht zum Zusammenhang zwischen RLS und ADHS sowie zu möglichen gemeinsamen Therapieansätzen |
| 18656214 | 2008 | Review | Revue Neurologique | Übersicht zum Restless-Legs-Syndrom (Klinik, Häufigkeit 2–3 % in westlichen Ländern) |
| 15866437 | 2005 | Fallbericht | Pediatric Neurology | Kind mit ADHS und RLS: deutliche Besserung von ADHS-Symptomen und Schlaf unter Ropinirol |
| 34182128 | 2021 | Präklinisch | Pharmacological Research | Heteromerisierung von α2A-Adrenozeptoren und Dopamin-D4-Varianten, Bedeutung für Impulskontrollstörungen |
| 24992083 | 2014 | Klinische Studie (indirekt) | Clin Neuropharmacol | Piribedil gegenüber Pramipexol/Ropinirol bei Parkinson-Patienten mit Tagesschläfrigkeit |
| 30950895 | 2019 | Sicherheitsbericht | Cornea | Hornhautödem im Zusammenhang mit dopaminergen Substanzen (3 Patienten) |
| 17483695 | 2007 | Tierstudie | J Neuropathol Exp Neurol | Mausmodell für RLS (A11-Läsion mit Eisenmangel) |
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/V/C/004417 | Clevor | – | – (Zulassung erloschen) |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen bzw. Risikokonstellationen (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation): Multisystematrophie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, orthostatische Hypotonie, medikamenteninduzierte Dyskinesie, Leberversagen, psychotische Störungen, schizophreniforme Störung, psychische Störungen, schizoaffektive Störung, hypotensive Störungen.
- Wechselwirkungen/Pharmakologie: Es wurden keine klassischen Arzneimittelwechselwirkungen berichtet. Die Abfrage ergab lediglich die Zielstrukturen D2-Rezeptor (DRD2) und D3-Rezeptor (DRD3).
- Weitere Hinweise aus der Literatur: Dopaminagonisten wie Ropinirol sind mit Impulskontrollstörungen und Spielsucht assoziiert (PMID 34061895) sowie mit Hornhautödemen (PMID 30950895).
Für weitere Sicherheitsinformationen siehe die Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für ADHS besteht überwiegend aus indirekten Hinweisen (RLS-ADHS-Überlappung), einem Fallbericht und einer möglicherweise kontrollierten Studie, deren Qualität noch nicht geprüft ist. Klinische Studien sind nicht registriert, und in Deutschland besteht keine gültige Zulassung. Das Thema eignet sich als Forschungsfrage, nicht als unmittelbare Umsetzung.
Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:
- Volltextprüfung der Studie PMID 42640474 (Design, Ergebnisse, Nebenwirkungen)
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Fachinformation mit Warnhinweisen und Kontraindikationen (BfArM)
- Bewertung der Sicherheit bei Kindern, insbesondere Impulskontrolle und Schlafstörungen
- Prüfung der Verfügbarkeit geeigneter Darreichungsformen und Zulassungswege in Deutschland
Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Für die übrigen neun vorhergesagten Indikationen (u. a. Schizophrenie, X-chromosomale Myopie, Charcot-Marie-Tooth-Krankheit Typ 1G) liegen keine oder nur indirekte bzw. präklinische Belege vor. Bei Schizophrenie besteht zudem ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis, da Dopaminagonisten Psychosen verschlimmern können. Alle diese Indikationen sind derzeit mit Hold zu bewerten.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.