Salmeterol

Evidenzniveau: L1 Vorhergesagte Indikationen: 7

Inhaltsverzeichnis

  1. Salmeterol
  2. Salmeterol: Von Asthma zu Bronchitis
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Literaturevidenz
    6. Informationen zum Markt in Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Salmeterol: Von Asthma zu Bronchitis

Zusammenfassung in einem Satz

Salmeterol ist ein langwirksamer Beta-2-Adrenozeptor-Agonist, der ursprünglich zur Behandlung von Asthma eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Bronchitis (in der Praxis chronische Bronchitis im Rahmen der COPD) wirksam sein könnte. Hierfür liegen 9 klinische Studien und 20 Publikationen vor. Die Evidenz betrifft jedoch eine Ausweitung des bestehenden Atemwegs-Einsatzes und keine neuartige Umwidmung.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Asthma
Vorhergesagte neue Indikation Bronchitis
TxGNN-Vorhersagewert 99,92 %
Evidenzstufe L1
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortfahren mit Schutzmaßnahmen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Salmeterol ist ein langwirksamer Beta-2-Adrenozeptor-Agonist (LABA). Er entspannt die glatte Muskulatur der Atemwege, verringert die Atemwegsobstruktion und kann die mukoziliäre Clearance verbessern.

Asthma und chronische Bronchitis (als Teil der COPD) sind beides obstruktive Atemwegserkrankungen. Salmeterol, allein oder mit Fluticason kombiniert, ist bei COPD bereits eine etablierte Erhaltungstherapie. Die Vorhersage bildet daher überwiegend die bestehende Anwendung ab. Für die akute Bronchitis liefern die Daten keine Belege.

Eine kleine randomisierte Studie (n = 14) zeigte außerdem Effekte von Salmeterol auf die mukoziliäre Clearance und die Hustenclearance bei chronischer Bronchitis.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernergebnisse
NCT00268177 Phase 3 Abgeschlossen 130 Salmeterol/Fluticason 50/500 µg vs. Placebo über 13 Wochen: antiinflammatorische Wirkung auf die Bronchien bei COPD
NCT02173691 Phase 3 Abgeschlossen 584 Tiotropium vs. Salmeterol-Aerosol vs. Placebo über 6 Monate: Bronchodilatation und Sicherheit bei COPD
NCT00269087 Phase 3 Abgeschlossen 122 Langzeitstudie (56 Wochen) mit Salmeterol/Fluticason bei COPD (chronische Bronchitis, Emphysem); Kombinationsprodukt
NCT00064402 Phase 3 Abgeschlossen 741 Arformoterol, placebo- und aktivkontrolliert über 12 Wochen bei COPD; Salmeterol vermutlich Vergleichssubstanz
NCT00064415 Phase 3 Abgeschlossen 799 12-Monats-Sicherheitsstudie zu Arformoterol bei COPD; Salmeterol offenbar aktive Kontrolle
NCT00269126 Phase 3 Abgeschlossen 150 Vergleich zweier Arzneimittel bei COPD; Bezug zu Salmeterol unklar
NCT00403286 Phase 2 Abgeschlossen 457 Dosisfindung Fluticason/Formoterol im Vergleich zu Advair (Salmeterol/Fluticason) bei COPD
NCT01361984 Phase 4 Unbekannt 20 Vernebeltes Arformoterol vs. Salmeterol-Pulverinhalator bei COPD
NCT00233051 Nicht zutreffend Abgebrochen 20 Biomarker-Studie zu Entzündungsmediatoren im induzierten Sputum bei COPD; schwache Wirksamkeitsevidenz

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernergebnisse
15970448 2006 RCT Pulm Pharmacol Ther Salmeterol vs. Placebo bei leichter bis mittelschwerer chronischer Bronchitis (n = 14): Wirkung auf mukoziliäre und Hustenclearance
17557771 2007 RCT Thorax Salmeterol/Fluticason und Atemwegsentzündung bei COPD
17196106 2006 Meta-Analyse Respir Res Salmeterol 50 µg zweimal täglich verbessert klinisch relevante Endpunkte bei COPD gegenüber Placebo/Standardtherapie
15329047 2004 Review Drugs Salmeterol/Fluticason-Pulverinhalator bei COPD, zugelassen u. a. bei COPD mit chronischer Bronchitis
19124357 2008 Studie Ther Adv Respir Dis Einjährige Sicherheit und Toleranz von Arformoterol und Salmeterol bei COPD
12970006 2003 Studie Chest Wirksamkeit und Sicherheit von Fluticason 250 µg/Salmeterol 50 µg im Diskus bei COPD
19210134 2009 Kohortenstudie Curr Med Res Opin Versorgungsnutzung und Kosten bei chronischer Bronchitis unter Fluticason/Salmeterol im Vergleich zu anderen inhalativen Therapien
9916607 1998 Studie Clin Ther Inhalatives Salmeterol vs. orales Theophyllin bei leichter bis mittelschwerer COPD
25515181 2015 Leitlinie Basic Clin Pharmacol Toxicol Finnische Leitlinie zur Diagnose und Pharmakotherapie der stabilen COPD
12236842 2002 Review Br J Clin Pharmacol Antagonismus der Wirkung langwirksamer Beta-2-Agonisten

Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004881 Seffalair Spiromax Keine Angabe Asthma

Diese Zulassung ist erloschen bzw. zurückgezogen (Status: cancelled); aktuell besteht keine gültige Zulassung.


Sicherheitsaspekte

  • Wissensgraph-Hinweise auf Kontraindikationen (aus dem TxGNN-Wissensgraphen, nicht aus Packungsbeilagentexten): u. a. Hypertonie, Long-QT-Syndrom, Epilepsie, Hyperglykämie, Hypophysenunterfunktion (verschiedene Formen), Osteoporose und Erkrankungen des Thymus.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt 600 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend eingestuft ist Clarithromycin. Mittelschwere Wechselwirkungen bestehen u. a. mit Epinephrin, Acarbose, Famotidin, Isometheptene, Dolasetron sowie mit Antidiabetika (z. B. Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin, Alogliptin, Albiglutide, Dulaglutide, Chlorpropamid). Geringfügige Wechselwirkungen bestehen mit Kortikosteroiden (z. B. Hydrocortison, Dexamethason, Budesonid).
  • Asthma-spezifische Warnung: Die Monotherapie mit LABA bei Asthma ist mit einem Risiko für asthmabedingte Todesfälle und Krankenhausaufenthalte verbunden. Die Anwendung sollte auf die Kombination mit einem inhalativen Kortikosteroid beschränkt sein.

Die Warnhinweise und Kontraindikationen aus der Packungsbeilage konnten nicht ausgewertet werden; hierzu bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung:

  • Mehrere abgeschlossene Phase-3-Studien und systematische Auswertungen stützen den Einsatz von Salmeterol (allein oder mit Fluticason) bei COPD mit chronischer Bronchitis, sodass die Evidenzstufe L1 erreicht wird. Es handelt sich jedoch um eine Erweiterung der bestehenden Atemwegsanwendung und nicht um eine neuartige Umwidmung. Für die akute Bronchitis gibt es keine Belege.

Für das weitere Vorgehen ist erforderlich:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) – diese Lücke blockiert derzeit die Sicherheitsprüfung.
  • Daten zum Wirkmechanismus ergänzen (z. B. über DrugBank).
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland, da die einzige erfasste Zulassung erloschen ist.
  • Festlegung eines Sicherheitsplans: Anwendung nur in Kombination mit inhalativem Kortikosteroid bei Asthma sowie Beachtung kardiovaskulärer Risiken und der Wechselwirkung mit Clarithromycin.

Hinweis zu weiteren vorhergesagten Indikationen: Für „Asthma" (Rang 5) und „obstruktive Lungenerkrankung" (Rang 3) liegt ebenfalls Evidenzstufe L1 vor; beides entspricht jedoch der bestehenden Anwendung. „Atopisches Ekzem" (Rang 7) ist nur eine Forschungsfrage (L4, präklinisch/indirekt). Für „Atemwegsfehlbildung", „Rienhoff-Syndrom" und „asthmabezogene Merkmale/Anfälligkeit" gibt es keine tragfähige Evidenz (Hold).

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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