Selumetinib

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Selumetinib
  2. Selumetinib: Von Neurofibromatose Typ 1 zu familiärer generalisierter Lentiginose
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Informationen zum Markt in Deutschland
    7. Zytotoxizität
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Selumetinib: Von Neurofibromatose Typ 1 zu familiärer generalisierter Lentiginose

Zusammenfassung in einem Satz

Selumetinib ist ein MEK1/2-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung der Neurofibromatose Typ 1 (NF1) eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei familiärer generalisierter Lentiginose wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die Evidenz beruht allein auf der Modellvorhersage. Für die Indikation periphere Nervenscheiden-Schwannome (Rang 9) gibt es dagegen 3 klinische Studien und 6 Publikationen.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Neurofibromatose 1
Vorhergesagte neue Indikation Familiäre generalisierte Lentiginose
TxGNN-Vorhersagewert 99,96 %
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht vor. Bekannt ist, dass Selumetinib die Kinase MEK1 (Gen MAP2K1) hemmt und damit den RAS/MAPK-Signalweg beeinflusst. Seine Wirksamkeit bei NF1, genauer bei symptomatischen, inoperablen plexiformen Neurofibromen, ist belegt. Mechanistisch könnte es daher auch bei Erkrankungen mit einer Fehlregulation dieses Signalwegs anwendbar sein.

Pigmentstörungen wie Lentiginosen können mit dem RAS/MAPK-Signalweg zusammenhängen, etwa bei NF1-ähnlichen Phänotypen und RASopathien. Café-au-lait-Flecken sind zudem ein Kennzeichen der NF1. Für die Vorhersage „familiäre generalisierte Lentiginose" gibt es jedoch weder Studien noch Literatur. Der mechanistische Zusammenhang ist daher nicht überprüft.

Die am besten gestützte Vorhersage unter den zehn Kandidaten ist das periphere Nervenscheiden-Schwannom (Rang 9, Evidenzstufe L3). Bei der NF2-assoziierten Schwannomatose gehen Funktionsverluste von Tumorsuppressoren mit einer Aktivierung des RAS/MAPK-Signalwegs einher. Dort ist eine MEK-Hemmung plausibel.


Evidenz aus klinischen Studien

Für die Hauptvorhersage (familiäre generalisierte Lentiginose) sind derzeit keine zugehörigen klinischen Studien registriert.

Zum Vergleich die Studien zum am besten belegten Kandidaten, dem peripheren Nervenscheiden-Schwannom:

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT03095248 Phase 2 Abgebrochen 10 Selumetinib bei NF2-assoziierten Tumoren; Ziel waren Tumorwachstumsstopp und Hörfunktion. Mit nur 10 Teilnehmern sind die Ergebnisse begrenzt.
NCT07707947 Phase 2 Noch nicht rekrutierend 20 Einarmige Studie mit einem MEK1/2-Inhibitor bei NF2-assoziierter Schwannomatose (Erwachsene und Kinder); noch keine Daten.
NCT07713745 Phase 2 Noch nicht rekrutierend 200 Adaptive Plattformstudie (PRIME-NF2) bei NF2-assoziierter Schwannomatose; ob Selumetinib getestet wird, ist nicht angegeben.

Zur Rhabdoidtumor-Vorhersage (Rang 3) existiert zudem die Studie NCT03155620 (Phase 2, aktiv, nicht rekrutierend, 1377 Teilnehmer): das pädiatrische NCI-COG-MATCH-Screening-Protokoll, in dem Selumetinib einer von mehreren Behandlungsarmen ist. Die Studie ist nicht spezifisch für Rhabdoidtumoren, die Relevanz ist daher nur indirekt.


Evidenz aus der Literatur

Für die Hauptvorhersage liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor.

Zum peripheren Nervenscheiden-Schwannom (Rang 9):

PMID Jahr Typ Zeitschrift Kernaussagen
37906356 2023 Übersichtsarbeit Current Oncology Reports Behandlung von ZNS- und peripheren Nerventumoren bei Neurofibromatose; MEK-Inhibitoren spielen eine wachsende Rolle.
37046591 2023 Übersichtsarbeit/Expertenempfehlung Cancers EURACAN-Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie peripherer und kranialer Nerventumoren; Evidenz wegen Seltenheit gering.
38058737 2023 Fallbericht Mol Ther Methods Clin Dev Partielle Remission unter Selumetinib bei einem Patienten mit NF2-assoziiertem Ependymom.
38216572 2024 Präklinisch Nature Communications Funktionelle Wechselwirkungen von NF1 und NF2 bei der Dedifferenzierung von Schwann-Zell-Tumoren und Therapieresistenz.
33835000 2020 Fallbericht Acta Dermatovenerol Croat Plexiformes Neurofibrom ohne NF1.
40861330 2025 Fallbericht Surgical Case Reports Chirurgische Behandlung eines riesigen mediastinalen Schwannoms bei NF1.

Zum Rhabdoidtumor (Rang 3) gibt es außerdem die präklinische Arbeit 25638158 (2015, Oncotarget): Bei atypischen teratoiden/rhabdoiden Tumoren zeigt sich eine Abhängigkeit vom MAPK-Signalweg als möglicher Therapieansatz.


Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005244 Koselugo (AstraZeneca AB) nicht angegeben Neurofibromatose 1

Der Status dieser Zulassung ist „erloschen/widerrufen"; derzeit gibt es keine gültige Zulassung in den zusammengestellten Daten.


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (MEK1/2-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Packungsbeilage beachten
Emetogenitätsklassifikation Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Packungsbeilage beachten
Überwachungsparameter Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Packungsbeilage beachten
Schutzmaßnahmen beim Umgang Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Packungsbeilage beachten

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: In den Daten ist nur die pharmakologische Zielbeziehung erfasst: Selumetinib hemmt die mitogenaktivierte Proteinkinase-Kinase 1 (MEK1, MAP2K1). Klinisch relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht aufgeführt.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Packungsbeilage beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Hauptvorhersage (familiäre generalisierte Lentiginose) beruht ausschließlich auf der Modellvorhersage (L5) ohne Studien oder Literatur. Zudem besteht in Deutschland derzeit keine gültige Zulassung. Der vielversprechendste Kandidat unter den Vorhersagen ist das periphere Nervenscheiden-Schwannom (L3, Forschungsfrage), dort stehen jedoch Ergebnisse aus: eine Studie wurde mit nur 10 Teilnehmern abgebrochen, zwei sind noch nicht gestartet.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Packungsbeilage von BfArM mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen beschaffen (Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) ergänzen, z. B. über DrugBank
  • Literaturrecherche und gezielte Prüfung des RAS/MAPK-Bezugs für die Lentiginose-Syndrome
  • Ergebnisse der NF2-Schwannomatose-Studien abwarten und Ergebnisse der abgebrochenen Studie NCT03095248 auswerten
  • Klärung des Zulassungsstatus und der Darreichungsformen in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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