Serine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Serin: Von Ahornsirupkrankheit zu familiärer viszeraler Myopathie
Zusammenfassung in einem Satz
Serin ist eine proteinogene Aminosäure, die unter dem Handelsnamen Maapliv für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen war. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass sie bei familiärer viszeraler Myopathie wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage liegen jedoch keine klinischen Studien und keine relevanten Publikationen vor; sie beruht ausschließlich auf der Modellberechnung.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Familiäre viszerale Myopathie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,99 % |
| Evidenzlevel | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Serin ist eine proteinogene Aminosäure und ein Vorläufer im Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel sowie in der Sphingolipid-Synthese. Als Maapliv wurde sie bei der Ahornsirupkrankheit eingesetzt, einer Stoffwechselerkrankung.
Zwischen der ursprünglichen Indikation (angeborene Stoffwechselstörung) und der vorhergesagten Indikation (genetisch bedingte Erkrankung der glatten Darmmuskulatur, typischerweise mit ACTG2-Bezug) lässt sich aus den vorliegenden Daten kein plausibler mechanistischer Zusammenhang herleiten. Der hohe Vorhersagewert spiegelt vermutlich die Nähe im Wissensgraphen wider, nicht eine belegte pharmakologische Verbindung. Die Vorhersage ist daher als rein hypothesengenerierend zu betrachten.
Auch die weiteren Vorhersagen (u. a. intestinale Obstruktion, intestinale Pseudoobstruktion, Winkelblockglaukom, aqueous misdirection, traumatisches Glaukom) stützen sich auf keine klinischen Studien. Bei den für intestinale Obstruktion und Winkelblockglaukom gefundenen Publikationen handelt es sich um Stichwort-Artefakte: Sie betreffen Serinproteasen bzw. Serin/Threonin-Kinasen (z. B. PRSS56, STK11), nicht die Aminosäure Serin.
Klinische Evidenz
Derzeit sind keine relevanten klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Für die Hauptvorhersage (familiäre viszerale Myopathie) liegt derzeit keine relevante Literatur vor.
Die für andere Vorhersagen gefundenen Publikationen (z. B. zu Peutz-Jeghers-Syndrom, Kohäsinopathien, PRSS56 und Glaukom) behandeln nicht die therapeutische Wirkung der Aminosäure Serin und werden daher nicht als Evidenz aufgeführt.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
Diese Zulassung (Inhaber: Recordati Rare Diseases) ist erloschen. Aktuell besteht keine gültige Zulassung.
Sicherheitsaspekte
Für Serin liegen keine Daten aus der Packungsbeilage vor. Aus dem Wissensgraphen (nicht aus Fachinformationen) ergeben sich Hinweise auf mögliche Kontraindikationen bzw. Vorsicht bei folgenden Krankheitsgruppen:
- Nieren: Nierenerkrankung, chronische Niereninsuffizienz, terminale Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, akute Uratnephropathie
- Herz-Kreislauf: Herzerkrankungen, Kammerflimmern, Digitalisvergiftung
- Psychiatrisch/neurologisch: Epilepsie, Angststörung, psychotische Störungen, schizoaffektive Störung, Substanzmissbrauch/-abhängigkeit
- Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperkalzämie, Störungen des Phosphorstoffwechsels, Sarkoidose
- Hämatologisch: Vitamin-B12-Mangel, megaloblastäre Anämie
Diese Angaben sind als Hinweise zu verstehen und nicht als gesicherte Kontraindikationen. Zu Wechselwirkungen wurden keine Einträge gefunden. Bitte die Packungsbeilage für verbindliche Sicherheitsinformationen heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage beruht ausschließlich auf dem TxGNN-Modell (Evidenzlevel L5). Es gibt weder klinische Studien noch relevante Literatur, keinen plausiblen Wirkmechanismus, und die einzige Zulassung ist erloschen.
Für ein Weiterkommen ist Folgendes erforderlich:
- Beschaffung der Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage (Sicherheitsprüfung derzeit nicht möglich)
- Daten zum Wirkmechanismus (z. B. über DrugBank)
- Eine mechanistische Hypothese, die Serinstoffwechsel und die Pathologie der glatten Muskulatur (z. B. ACTG2) verbindet
- Gezielte Literaturrecherche und präklinische Belege, die die Aminosäure Serin und nicht Serinproteasen betreffen
- Klärung der Verfügbarkeit und Darreichungsform in Deutschland
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.