Solriamfetol
| Evidenzniveau: L1 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Solriamfetol
- Solriamfetol: Vom Narkolepsie/obstruktiver Schlafapnoe zu ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
Solriamfetol: Vom Narkolepsie/obstruktiver Schlafapnoe zu ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
Zusammenfassung
Solriamfetol ist ein wachheitsfördernder Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung der übermäßigen Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie und obstruktiver Schlafapnoe zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 5 klinische Studien (davon 2 abgeschlossen) und 6 Publikationen vor, darunter eine randomisierte, placebokontrollierte Pilotstudie.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Narkolepsie; obstruktive Schlafapnoe |
| Vorhergesagte neue Indikation | Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,99 % |
| Evidenzlevel | L1 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassung (Status „cancelled") |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig) |
| Empfohlene Entscheidung | Proceed with Guardrails (Fortführung mit Schutzmaßnahmen) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Aus der pharmakologischen Literatur ist jedoch bekannt, dass Solriamfetol als duale Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung wirkt. Die Interaktionsdaten bestätigen Bindungen an den Noradrenalintransporter (NET, SLC6A2) und den Dopamintransporter (DAT, SLC6A3).
Die Modulation der katecholaminergen Signalübertragung im präfrontalen Kortex ist der etablierte Mechanismus der ADHS-Pharmakotherapie (z. B. Methylphenidat, Atomoxetin). Die ursprüngliche Indikation (Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie/Schlafapnoe) und ADHS teilen damit den pharmakologischen Angriffspunkt: Wachheit, Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen hängen von denselben Dopamin- und Noradrenalinsystemen ab.
Solriamfetol wurde bereits als Behandlungsansatz für ADHS untersucht, mit der Überlegung, dass es sympathomimetische Eigenschaften mit bestehenden ADHS-Medikamenten teilt und eine mögliche Alternative zu klassischen Stimulanzien darstellt.
Klinische Evidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT05972044 | Phase 3 | Abgeschlossen | 516 | FOCUS: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei Erwachsenen mit ADHS; Ergebnisse sind noch aus Register oder Publikation zu prüfen |
| NCT04839562 | Phase 2/3 | Abgeschlossen | 66 | Doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie bei Erwachsenen (18–65 Jahre) mit ADHS; erstes Wirksamkeitssignal |
| NCT07717892 | Phase 3 | Rekrutierend | 468 | 6-wöchige, placebokontrollierte Studie bei Jugendlichen (12 bis <18 Jahre) mit ADHS |
| NCT07717879 | Phase 3 | Rekrutierend | 468 | 6-wöchige, placebokontrollierte Studie bei Kindern (6 bis <12 Jahre) mit ADHS |
| NCT07773883 | Phase 3 | Einschluss auf Einladung | 300 | Offene Langzeit-Sicherheitsstudie bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 37819836 | 2023 | RCT | The Journal of Clinical Psychiatry | Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte 6-Wochen-Pilotstudie (75 mg oder 150 mg) bei 60 Erwachsenen mit ADHS zu Wirkung und Verträglichkeit |
| 38771653 | 2024 | Review | Expert Opinion on Pharmacotherapy | Neuere pharmakologische Ansätze bei ADHS jenseits der Stimulanzien |
| 40986064 | 2025 | Review | Expert Opinion on Pharmacotherapy | Übersicht über potenzielle ADHS-Therapien mit Fokus auf Phase-III-Studien |
| 41621729 | 2026 | Review | Pharmacology & Therapeutics | Pharmakologische, neuromodulatorische und psychotherapeutische Interventionen bei ADHS im Erwachsenenalter |
| 33870884 | 2022 | Review/Kommentar | CNS Spectrums | Kommentar zu Solriamfetol bei ADHS |
| 34534876 | 2021 | Review | Epilepsy & Behavior | Medikamente bei Epilepsie und übermäßiger Tagesschläfrigkeit; ADHS als Begleiterkrankung erwähnt |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004893 | Sunosi (Atnahs Pharma Netherlands B.V.) | – | Narkolepsie; obstruktive Schlafapnoe (Status: erloschen/aufgehoben) |
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen (pharmakologisch): Solriamfetol hemmt den Noradrenalintransporter (NET) und den Dopamintransporter (DAT). Bei gleichzeitiger Gabe weiterer sympathomimetischer oder katecholaminerg wirkender Substanzen ist mit additiven Effekten zu rechnen.
- Kardiovaskuläre Aspekte: Laut den zusammengestellten Daten kann Solriamfetol Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen; dies ist bei kardiovaskulären Vorerkrankungen zu beachten.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen siehe die Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Proceed with Guardrails
Begründung: Für ADHS liegen eine abgeschlossene Phase-3-Studie bei Erwachsenen (n=516), eine abgeschlossene Phase-2/3-Pilotstudie mit publiziertem RCT sowie mehrere laufende pädiatrische Phase-3-Studien vor, und der Mechanismus (duale Dopamin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung) ist plausibel. Allerdings sind die Ergebnisse der Phase-3-Studie noch nicht verifiziert, und die Zulassung in Deutschland ist erloschen.
Für das weitere Vorgehen sind folgende Schritte nötig:
- Prüfung der Ergebnisse von NCT05972044 (FOCUS) aus Register oder Publikation
- Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
- Ergänzung detaillierter Wirkmechanismusdaten (z. B. aus DrugBank)
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
- Sicherheitsüberwachungsplan, insbesondere für kardiovaskuläre Parameter (Blutdruck, Herzfrequenz) und für pädiatrische Populationen
- Abwarten der Ergebnisse der pädiatrischen Studien (NCT07717892, NCT07717879, NCT07773883)
Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzeinordnung)
- Insomnie: Zwei Studien (u. a. Phase 4, NCT05838430, abgeschlossen), die vermutlich Tagessymptome adressieren. Mechanistisch kontraintuitiv für einen Wachmacher, daher nur als Forschungsfrage einzustufen.
- ADHS, unaufmerksamer Typ: Als Subtyp von ADHS mechanistisch plausibel, aber ohne subtypspezifische Studien (nur indirekte Evidenz).
- Übrige Vorhersagen (z. B. faziodigitogenitales Syndrom, chondromyxoides Fibrom, multiple Systematrophie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom): Keine klinische Evidenz und kein plausibler Mechanismus; Einstufung „Hold". Beim posturalen orthostatischen Tachykardiesyndrom überwiegt zudem das Sicherheitsbedenken (Herzfrequenzerhöhung).
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.