Tadalafil

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 8

Inhaltsverzeichnis

  1. Tadalafil
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Tadalafil: Ambras type hypertrichosis universalis congenita
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?
    6. Klinische Evidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum deutschen Markt
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Tadalafil: Ambras type hypertrichosis universalis congenita

Zusammenfassung in einem Satz

Tadalafil ist ein PDE5-Hemmer, der ursprünglich zur Behandlung der pulmonalen (arteriellen) Hypertonie und der erektilen Dysfunktion zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei der Ambras-Hypertrichosis (Hypertrichosis universalis congenita, Typ Ambras) voraus, jedoch gibt es dafür keine klinischen Studien und keine Publikationen. Die Vorhersage beruht ausschließlich auf einem Graphmodell.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Hypertension, Pulmonary; Erectile Dysfunction; Pulmonary Arterial Hypertension
Vorhergesagte neue Indikation Ambras type hypertrichosis universalis congenita
TxGNN-Vorhersagewert 0.9998
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 6 von 6)
Anzahl der Zulassungen 6 (gültig: 6)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Tadalafil die Phosphodiesterase 5 (PDE5) hemmt, dadurch den cGMP-Spiegel erhöht und eine Gefäßerweiterung bewirkt. Dies erklärt die Wirkung bei pulmonaler Hypertonie und erektiler Dysfunktion.

Ein plausibler Zusammenhang zur Ambras-Hypertrichosis ist nicht erkennbar. Diese Erkrankung wird durch eine Chromosomen-Umlagerung (8q22) verursacht, die die Regulation des Gens TRPS1 beeinflusst. Ein Einfluss der PDE5-Hemmung auf diese genetische Ursache ist nicht belegt. Der Score stammt aus dem TxGNN-Modell (Deep Learning) und spiegelt vermutlich Ähnlichkeiten wider, die das Modell zwischen verwandten Erkrankungen gelernt hat (z. B. haarbezogene Phänotypen), und keine biologische Evidenz oder echte pharmakologische Beziehung.

Auch die übrigen Vorhersagen der Rangliste stützen sich auf keine Evidenz. Mehrere betreffen Haarphänotypen (Hypertrichose, Trichomegalie, Haarschaftanomalien). Bei diesen wäre das therapeutische Ziel eine Verminderung des Haarwuchses, während ein spekulativer Effekt gefäßerweiternder Substanzen (wie bei Minoxidil) eher eine Förderung des Haarwuchses, also eine Nebenwirkung, wäre. Mechanistisch am ehesten nachvollziehbar, aber unvalidiert, ist die kyphoskoliotische Herzerkrankung (Rang 7): Hier könnte die Zulassung bei pulmonal-arterieller Hypertonie eine Rolle spielen. Allerdings unterscheidet sich die hypoxische Vasokonstriktion bei restriktiver Thoraxerkrankung von der PAH, und PDE5-Hemmer können das Ventilations-Perfusions-Verhältnis verschlechtern.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Zur führenden Vorhersage (Ambras-Hypertrichosis) liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor.

Zur Orientierung: Für die Vorhersage auf Rang 8 (Migräne mit Hirnstammaura) existiert ein einzelner Fallbericht:

PMID Jahr Typ Journal Kernaussage
17059442 2006 Fallbericht Cephalalgia Tadalafil wurde mit einer typischen Migräneaura ohne Kopfschmerz in Verbindung gebracht. Die Richtung ist unerwünscht (Auslösung), nicht therapeutisch.

Informationen zum deutschen Markt

Alle sechs erfassten Zulassungen sind gültig (zentrale EU-Zulassungen der EMA):

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/001021 Adcirca (zuvor Tadalafil Lilly) – Pulmonale Hypertonie
EMEA/H/C/004297 Talmanco (zuvor Tadalafil Generics) – Pulmonale Hypertonie
EMEA/H/C/000436 Cialis – Erektile Dysfunktion
EMEA/H/C/004666 Tadalafil Lilly – Erektile Dysfunktion
EMEA/H/C/003787 Tadalafil Mylan – Erektile Dysfunktion

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen/Risikokonstellationen aus dem Wissensgraphen (keine Angaben aus dem Beipackzettel, sondern Verknüpfungen zwischen Wirkstoff und Erkrankung): u. a. Leberversagen, Epilepsie, Aortenstenose bzw. Aortenklappenerkrankung, Hypotonie, Gerinnungsstörungen, akutes Koronarsyndrom, Myokardinfarkt, Schlaganfall bzw. zerebrovaskuläre Erkrankungen, Sichelzellanämie und Hämoglobinopathien, multiples Myelom, Leukämie, Priapismus, Peyronie-Krankheit, Hörverlust sowie hypertrophe Kardiomyopathie.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Die meisten der aufgeführten sind von mittlerem Schweregrad, darunter Aprepitant, Dexamethason, Clarithromycin, Cimetidin, Miconazol, Clotrimazol, Lorcaserin sowie die SGLT2-Hemmer Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin. Papaverin ist als gering eingestuft.
  • Hinweis zur Migräne-Vorhersage: Kopfschmerz und Migräne sind bekannte Nebenwirkungen von PDE5-Hemmern. Die Evidenz spricht hier gegen einen therapeutischen Nutzen.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation siehe bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage beruht ausschließlich auf einem Graphmodell (Evidenzstufe L5), ohne Studien oder Publikationen und ohne plausiblen pharmakologischen Zusammenhang zur genetischen Ursache der Ambras-Hypertrichosis.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise und Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
  • Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus (MOA), z. B. aus DrugBank
  • Systematische Literaturrecherche zu den Vorhersagen, insbesondere zur kyphoskoliotischen Herzerkrankung als mechanistisch plausibelster Kandidat
  • Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.