Tipiracil
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
Tipiracil: Von Darmkrebs (kolorektale Neoplasien) zu Zäkum-Zottenadenom
Zusammenfassung
Tipiracil ist ein Thymidinphosphorylase-Hemmer und Bestandteil der Kombination Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf), die ursprünglich zur Behandlung kolorektaler Neoplasien eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei Zäkum-Zottenadenom (cecum villous adenoma) wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; die Vorhersage beruht ausschließlich auf dem Modell.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Kolorektale Neoplasien |
| Vorhergesagte neue Indikation | Zäkum-Zottenadenom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,99 % |
| Evidenzgrad | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig, 1 erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Tipiracil hemmt die Thymidinphosphorylase und verhindert so den raschen Abbau von Trifluridin, dem zytotoxischen Nukleosidanalogon der Kombination. Tipiracil allein besitzt keine zytotoxische Aktivität. Die Wirksamkeit der Kombination beim metastasierten kolorektalen Karzinom ist belegt.
Das Zäkum-Zottenadenom ist eine gutartige Vorläuferläsion im selben Organabschnitt wie die zugelassene Indikation. Der sehr hohe Modellwert spiegelt vermutlich diese anatomische und krankheitsbezogene Nähe im Wissensgraphen wider. Ein klarer biologischer Grund, weshalb eine zytotoxische Nukleosidanalogon-Kombination bei einem gutartigen Adenom sinnvoll wäre, ist jedoch nicht erkennbar. Die Vorhersage ist daher rein rechnerisch und mechanistisch nur schwach begründet.
Weitere vom Modell vorhergesagte Indikationen (z. B. Lipom des Kolons, Neoplasie am rektosigmoidalen Übergang, neuroendokriner Tumor G1 des Zäkums, kolorektaler GIST) zeigen ebenfalls keine klinische Evidenz. Die Neoplasie am rektosigmoidalen Übergang ist eher ein Unterbereich der bestehenden Indikation als eine echte neue Anwendung.
Klinische Evidenz (Studien)
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Zur vorhergesagten Indikation „Zäkum-Zottenadenom“ liegt derzeit keine Literatur vor.
Für verwandte Begriffe (Rang 6 „Zäkumerkrankung“) wurden lediglich indirekte Fallberichte gefunden:
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 32655959 | 2020 | Fallbericht | Case Reports in Oncological Medicine | Erneute Gabe von Krebsmedikamenten bei einer Patientin mit chemorefraktärem metastasiertem kolorektalem Karzinom (Zäkumkarzinom) |
| 30677817 | 2018 | Fallbericht | Dermatology Online Journal | Leukozytoklastische Vaskulitis mit spät auftretender Purpura Schönlein-Henoch nach Trifluridin/Tipiracil (Nebenwirkung) |
| 30692384 | 2018 | Fallbericht | Gan to Kagaku Ryoho | Vollständiges Ansprechen von Schmerzen auf eine CT-gesteuerte Plexus-coeliacus-Neurolyse bei Kolonkarzinom-Rezidiv |
Diese Berichte betreffen die zugelassene Indikation oder Nebenwirkungen und belegen keinen Nutzen bei einer neuen Indikation.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/003897 | Lonsurf | – | Kolorektale Neoplasien |
Die einzige Zulassung ist erloschen (Status: cancelled); Hersteller ist Les Laboratoires Servier.
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Zytotoxizitätsklassifikation | Tipiracil selbst ist nicht zytotoxisch; es ist ein Enzymhemmer (Thymidinphosphorylase) in Kombination mit dem zytotoxischen Nukleosidanalogon Trifluridin |
| Myelosuppressionsrisiko | Für die Kombination bekannt (u. a. Leukopenie, Neutropenie); Details bitte der Fachinformation entnehmen |
| Emetogenität | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Blutbild mit Differenzialblutbild sowie Leber- und Nierenfunktion |
| Handhabungsschutz | Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen: In der Datenbank wurde eine pharmakologische Zielstruktur-Zuordnung gefunden (Tipiracil – CoV-Nichtstrukturprotein 15, SARS-CoV-2). Es handelt sich um einen pharmakologischen Eintrag, nicht um eine klinisch bewertete Wechselwirkung.
- Unerwünschte Wirkungen (Literatur): Für Trifluridin/Tipiracil ist u. a. Leukopenie, Neutropenie, Müdigkeit, Diarrhö und Erbrechen beschrieben; zudem wurde ein Fall von leukozytoklastischer Vaskulitis berichtet.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage beruht ausschließlich auf dem Modell (Evidenzgrad L5), ohne Studien oder direkte Literatur. Ein plausibler Mechanismus für gutartige Läsionen fehlt, und die einzige deutsche Zulassung ist erloschen.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Fachinformation des BfArM mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen (blockierende Datenlücke für das Sicherheitsscreening)
- Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank)
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
- Prüfung, ob für gutartige Läsionen ein medizinischer Bedarf besteht, der eine zytotoxische Kombination rechtfertigt
- Gezielte Literatur- und Studiensuche, ggf. präklinische Untersuchungen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.