Tryptophan
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 8 |
Inhaltsverzeichnis
Tryptophan: Von der Ahornsirupkrankheit zum Restless-Legs-Syndrom
Zusammenfassung in einem Satz
Tryptophan (Handelsname Maapliv) wurde ursprünglich für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es beim Restless-Legs-Syndrom wirksam sein könnte. Die Evidenz dafür beschränkt sich auf 6 Publikationen, darunter zwei kleine, ältere klinische Studien aus den 1980er-Jahren; klinische Studien sind nicht registriert.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Restless-Legs-Syndrom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,72 % |
| Evidenzgrad | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zu den Wirkmechanismen liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure und die Vorstufe von Serotonin und Melatonin. Es steht zudem in Wechselwirkung mit dopaminergen und eisenabhängigen Signalwegen, die in der Pathogenese des Restless-Legs-Syndroms (RLS) diskutiert werden.
Die ursprüngliche Indikation (Ahornsirupkrankheit, eine Störung des Stoffwechsels verzweigtkettiger Aminosäuren) und das RLS haben pharmakologisch wenig gemeinsam. Der Zusammenhang ist daher eher über den Neurotransmitter-Stoffwechsel als über die ursprüngliche Indikation herzuleiten. Kleine klinische Berichte aus den 1980er-Jahren untersuchten L-Tryptophan bei RLS und periodischen Beinbewegungen. Moderne Pharmakovigilanzdaten deuten dagegen darauf hin, dass serotonerge Substanzen Bewegungsstörungen eher verschlechtern können. Insgesamt ist die Evidenz alt, kleinmaßstäblich und nicht durch moderne randomisierte Studien bestätigt.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Zentrale Aussagen |
|---|---|---|---|---|
| 3953904 | 1986 | Kleine klinische Studie (unkontrolliert/früh) | Am J Psychiatry | L-Tryptophan in der Behandlung des Restless-Legs-Syndroms |
| 3659737 | 1987 | Klinische Studie | Sleep | Periodische Beinbewegungen unter L-Dopa, 5-Hydroxytryptophan und L-Tryptophan |
| 1305630 | 1992 | Review | Int J Neurosci | L-Tryptophan bei neuropsychiatrischen Erkrankungen; Rolle von Serotonin bei Bewegungsstörungen |
| 33836477 | 2021 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Sleep Med Rev | RLS bei chronischer Lebererkrankung; erhöhte Tryptophanspiegel als möglicher Faktor |
| 36897462 | 2023 | Fallserie | Neurol Sci | RLS bei DNAJC12-Mangel (gestörte dopaminerge und serotonerge Neurotransmission) |
| 32546134 | 2020 | Pharmakovigilanzstudie | BMC Psychiatry | Antidepressiva und Bewegungsstörungen in der WHO-Pharmakovigilanzdatenbank |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005557 | Maapliv | – | Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) |
Die Zulassung ist erloschen (Inhaber: Recordati Rare Diseases).
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, keine Packungsbeilage): Autoimmunerkrankungen, Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung, systemischer Lupus erythematodes (einschließlich pädiatrischer Form), Schizophrenie, Phenylketonurie, Störungen des Phenylalanin-Stoffwechsels, Eosinophilie-Myalgie-Syndrom (auch das mit Tryptophan assoziierte).
- Wechselwirkungen: Es sind 17 Wechselwirkungen erfasst.
- Schwerwiegend (Major): Lorcaserin, Dolasetron, Palonosetron, Ondansetron, Fenfluramin, Granisetron, Sibutramin, Methylenblau, Doxepin (auch topisch), Procarbazin. Hier besteht vor allem das Risiko eines Serotoninsyndroms.
- Moderat: Morphin, Codein, Hydrocodon, Cyproheptadin, Ozanimod, Ifosfamid.
- Historischer Hinweis: Das Eosinophilie-Myalgie-Syndrom wurde mit verunreinigten L-Tryptophan-Präparaten in Verbindung gebracht.
Für weitere Sicherheitsinformationen ist die Packungsbeilage heranzuziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für das RLS stützt sich auf kleine, alte Berichte ohne moderne randomisierte Studien, und es sind keine klinischen Studien registriert. Hinzu kommen ein möglicher gegenteiliger Effekt serotonerger Substanzen auf Bewegungsstörungen, zahlreiche schwerwiegende Wechselwirkungen und die erloschene Zulassung in Deutschland.
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Kontrollierte, randomisierte Studien zu Tryptophan beim RLS
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) und zur Sicherheit aus der Packungsbeilage (Warnhinweise und Kontraindikationen)
- Qualitätsgesicherte Produkte sowie ein Screening auf Wechselwirkungen mit serotonergen Arzneimitteln
- Klärung der Zulassungs- und Marktsituation, da die einzige Zulassung erloschen ist
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.