Tyrosine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Tyrosine
  2. Tyrosin: Von der Ahornsirupkrankheit zum Cauda-equina-Syndrom
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studienevidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Tyrosin: Von der Ahornsirupkrankheit zum Cauda-equina-Syndrom

Zusammenfassung in einem Satz

Tyrosin ist eine Aminosäure, die in Europa als Maapliv für die Behandlung der Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease) zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für den ranghöchsten Kandidaten, das Cauda-equina-Syndrom, eine mögliche Wirksamkeit voraus. Dafür liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; die Vorhersage beruht allein auf dem Wissensgraphen.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)
Vorhergesagte neue Indikation Cauda-equina-Syndrom
TxGNN-Vorhersagewert 99,77 %
Evidenzniveau L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung (keine gültige Zulassung)
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Tyrosin eine Aminosäure und Vorstufe der Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin) sowie der Schilddrüsenhormone ist.

Für das Cauda-equina-Syndrom, eine kompressive Schädigung der lumbosakralen Nervenwurzeln, die meist strukturell und chirurgisch behandelt wird, ist kein nachvollziehbarer mechanistischer Zusammenhang erkennbar. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rein graphbasierte Vorhersage. Eine Ähnlichkeit zur ursprünglichen Indikation (Stoffwechselerkrankung) wurde bisher nicht bewertet.

Auch die übrigen Kandidaten sind schwach begründet:

Rang Vorhergesagte Indikation Score Evidenzniveau Einschätzung
2 Neurogene Blase (veraltete Bezeichnung) 99,55 % L5 Katecholamine beeinflussen theoretisch den Blasentonus, kein direkter Beleg; die Krankheitsbezeichnung ist veraltet, die Zuordnung unzuverlässig
3 Engwinkelglaukom 99,54 % L5 Nur assoziative Literatur (z. B. veränderte Plasma-Aminosäuren), kein therapeutischer Effekt belegt
4 Hyperthyreose 99,51 % L5 Tyrosin ist Substrat der Hormonsynthese, die Erkrankung beruht aber auf Hormonüberschuss; Supplementierung wäre eher kontraproduktiv
5 Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS) 99,46 % L4 Nur ein Fallbericht zu einem Tyrosinhydroxylase-Hemmer (wirkt entgegengesetzt zu Tyrosin)
6 Hyperthyroxinämie 99,46 % L5 Kein therapeutischer Ansatz für eine Supplementierung
7 Schilddrüsenhormonresistenz (THRB-Mutation) 99,40 % L5 Rezeptordefekt; mehr Vorstufe korrigiert diesen nicht
8 Traumatisches Glaukom 99,35 % L5 Keine tyrosinspezifischen Befunde
9 Aqueous Misdirection 99,35 % L5 Anatomische Störung, kein Mechanismus erkennbar
10 Neovaskuläres Glaukom 99,32 % L5 VEGF-getrieben, kein Bezug zu Tyrosin

Klinische Studienevidenz

Für das Cauda-equina-Syndrom sind derzeit keine zugehörigen klinischen Studien registriert.

Zur Einordnung: Bei den weiteren Kandidaten findet sich nur eine Studie, bei der Hyperthyreose:

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT06264544 Nicht zutreffend Noch nicht rekrutierend 150 Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu einem Zink-, Selen- und L-Tyrosin-Präparat zur Prävention einer Thyreotoxikose bei Personen mit SEPP1-Polymorphismus. Tyrosin ist nicht die allein getestete Intervention, daher kein direkter Beleg.

Literaturevidenz

Für das Cauda-equina-Syndrom liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor.

Zur Einordnung die relevantesten Treffer bei weiteren Kandidaten (alle ohne direkten Beleg für Tyrosin):

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
39063020 2024 Fallbericht Int J Mol Sci Stressbedingtes chronisches Erschöpfungssyndrom, Ansprechen auf Alpha-Methyl-p-Tyrosin (Tyrosinhydroxylase-Hemmer); nicht POTS-spezifisch, wirkt entgegengesetzt zu Tyrosin
42812246 2026 Kohortenstudie Front Med Veränderungen der Plasma-Aminosäuren bei frühem primärem Engwinkelglaukom, assoziativ; kein therapeutischer Effekt von Tyrosin gezeigt
36848916 2023 Review Lancet Diabetes Endocrinol Übersicht zu Ursachen, Diagnostik und Therapie der Hyperthyreose
10579356 1999 Präklinisch Endocrinology Neue Mutationen im Schilddrüsenhormonrezeptor beta bei Hormonresistenz; ohne Tyrosin-Intervention
35087972 2021 Review Rom J Ophthalmol Übersicht zu Ätiopathogenese und Therapie des neovaskulären Glaukoms

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005557 Maapliv – Ahornsirupkrankheit (Maple Syrup Urine Disease)

Diese Zulassung (Inhaber: Recordati Rare Diseases) ist erloschen; eine gültige Zulassung besteht derzeit nicht.


Sicherheitsaspekte

Für Sicherheitsinformationen beachten Sie bitte die Fachinformation. Eine Wechselwirkungsabfrage ergab keine Treffer.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Das Cauda-equina-Syndrom beruht allein auf einer Graphvorhersage (L5) ohne Studien, Literatur oder erkennbaren mechanistischen Zusammenhang. Auch für die übrigen neun Kandidaten fehlt tragfähige Evidenz; bei POTS (L4) stützt sich die Einstufung nur auf einen Fallbericht mit einem gegenläufig wirkenden Wirkstoff.

Für ein Weiterverfolgen sind folgende Schritte nötig:

  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da die Sicherheitsprüfung sonst nicht fortgesetzt werden kann
  • Ergänzung der Wirkmechanismus-Daten (MOA), z. B. über DrugBank
  • Klärung des erloschenen Zulassungsstatus in Deutschland
  • Prüfung, ob ein biologisch plausibler Mechanismus für eine der Indikationen (z. B. neurogene Blase mit aktueller Krankheitsdefinition) besteht, bevor Studien geplant werden
  • Bewertung der Ähnlichkeit zur ursprünglichen Indikation und der Anwendungswege (derzeit ausstehend)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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