Voxilaprevir

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Voxilaprevir
  2. Voxilaprevir: Von chronischer Hepatitis C zu Hepatitis-B-Virusinfektion
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitshinweise
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Voxilaprevir: Von chronischer Hepatitis C zu Hepatitis-B-Virusinfektion

Zusammenfassung

Voxilaprevir ist ein HCV-NS3/4A-Proteasehemmer und wird in der Fixkombination Vosevi (Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Hepatitis-B-Virusinfektion voraus, jedoch ohne klinische Studien und mit 9 Publikationen, die ausschließlich Hepatitis C behandeln und keine anti-HBV-Aktivität belegen.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Chronische Hepatitis C
Vorhergesagte neue Indikation Hepatitis-B-Virusinfektion
TxGNN-Vorhersagewert 99,84 %
Evidenzstufe L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Voxilaprevir hemmt die NS3/4A-Serinprotease des Hepatitis-C-Virus und ist Teil einer Kombination, deren Wirksamkeit bei chronischer Hepatitis C belegt ist.

Das HBV besitzt jedoch keine NS3/4A-artige Protease. Seine Replikation hängt von einer Reverse Transkriptase/Polymerase und einem Kapsid ab. Eine direkte Zielstruktur-Überlappung ist daher nicht erkennbar. Der hohe TxGNN-Wert spiegelt vermutlich die Nähe im Netzwerk zu anderen Hepatitisviren und die gemeinsame Kategorie „Virushepatitis" wider, nicht einen realen Mechanismus.

Auch die Literatur stützt die Vorhersage nicht: Sie betrifft die HCV-Wiederbehandlung mit Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir. HBV taucht nur als Kontext auf (z. B. Ko-Endemie, Arzneimittelpreise, Konferenzberichte).

Die weiteren Vorhersagen (z. B. Hepatitis E, Hepatitis A, Omsk-hämorrhagisches Fieber, Kyasanur-Waldkrankheit, HIV) sind ebenfalls reine Modellvorhersagen. Bei Flaviviren (Omsk, Kyasanur) besteht allenfalls eine lose konzeptionelle Begründung über die NS3-Protease, jedoch ohne Daten.


Evidenz aus klinischen Studien

Für Hepatitis-B-Virusinfektion sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Die Publikationen betreffen HCV und liefern keinen Beleg für eine Wirkung bei HBV:

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
35248212 2022 Einarmige Studie/Kohorte Lancet Gastroenterol Hepatol Wiederbehandlung der HCV-Infektion nach DAA-Versagen mit Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir in Ruanda (SHARED-3)
36535062 2022 Kohorte J Gastrointestin Liver Dis Praxisdaten zu SOF/VEL/VOX bei rumänischen Patienten mit HCV-Genotyp 1b nach DAA-Versagen
31041789 2019 Review Semin Liver Dis Wiederbehandlung von HCV-Patienten nach DAA-Versagen
31114957 2019 Review Clin Pharmacokinet Pharmakokinetik und Pharmakodynamik der HCV-Therapie, Update 2019
29369303 2018 Review AIDS Rev Bericht der Internationalen Konferenz zu Virushepatitis 2017
30964552 2019 Präklinisch/Virologie Hepatology Resistenzmuster und Persistenz von HCV-Proteasehemmer-Escape-Varianten
40611935 2025 Kohorte J Clin Exp Hepatol Resistenzassoziierte Substitutionen und Prädiktoren für Therapieversagen unter DAA
41570233 2025 Querschnittsstudie Vopr Virusol Prävalenz von HIV-, HBV- und HCV-Markern bei zahnmedizinischen Patienten
40414600 2025 Ökonomische Analyse Ann Hepatol Globaler Preisvergleich von Hepatitis-B- und -C-Therapien

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004350 Vosevi – Chronische Hepatitis C (Status: erloschen)

Sicherheitshinweise

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 19 Wechselwirkungen erfasst.

  • Schwerwiegend (Major): Rosuvastatin, Edoxaban, Ciclosporin
  • Moderat: Eluxadolin, Obeticholsäure, Cobicistat, Apixaban, Eltrombopag, Artesunat, Afatinib, Bosutinib, Cobimetinib, Ethinylestradiol, Idelalisib, Lapatinib, Lenvatinib, Olaparib, Pazopanib, Teriflunomid

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen siehe die Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für die Hepatitis-B-Indikation gibt es keine klinischen Studien, keinen plausiblen Zielstruktur-Zusammenhang und keine Literatur mit anti-HBV-Aktivität. Der hohe Vorhersagewert beruht wahrscheinlich auf Netzwerknähe im Wissensgraphen. Zudem besteht in Deutschland nur eine erloschene Zulassung, und für HBV stehen bereits etablierte Nukleos(t)id-Analoga zur Verfügung.

Für ein Weiterverfolgen wären erforderlich:

  • Präklinische In-vitro-Daten zur anti-HBV-Aktivität von Voxilaprevir
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) und zur Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) der zuständigen Behörde
  • Klärung des Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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